Turm der Sinne: Verantwortung als Illusion


Gespannt verfolgten die 500 Gäste die Vorträge | Foto: Kian Bernous, turmdersinne

Ein Bericht vom Symposium des turmdersinne 2011, bei dem es um Moral, Schuld, Strafe und das Menschenbild der Hirnforschung ging.

Von Inge Hüsgendiesseits.de

Wer ein Verbrechen begeht, hätte sich auch anders entscheiden können – oder? Intuitiv gehen wir davon aus, dass wir über einen freien Willen verfügen. Diese Annahme spiegelt sich auch im geltenden Strafrecht wider. Ein Familienvater mit pädophilem Verhalten gegenüber den eigenen Kindern muss demnach bestraft werden. Was aber, wenn sich herausstellt, dass seine Neigungen durch eine Veränderung im Gehirn – einen Tumor – ausgelöst wurden? Und wenn sie mit der Entfernung der Geschwulst verschwinden?

In solchen Fällen wird anders argumentiert: der Täter konnte zum Tatzeitpunkt keine freie Entscheidung treffen, gilt also als nicht verantwortlich für seine Handlung. Ihn trifft keine Schuld und niemand kann von ihm Sühne verlangen.

Aber warum nur dann, fragen viele Neurowissenschaftler und einige Juristen. Aktuelle Forschungsbefunde weisen darauf hin, dass sich unsere Entscheidungen gänzlich auf Gehirnaktivitäten zurückführen lassen. Sie sind damit im Prinzip physikalisch erklärbar und eingebunden in Ursachenzusammenhänge.

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