Neuigkeiten aus dem religiösen Paralleluniversum


 

Quelle: bruedergemeinde.de

Linksparteidebatte: Rainer Beuthel:
[…]Denn die Institution Kirche an sich, als quasi staatliche bzw. als Staat im Staat, wird nicht angetastet. Kirche repräsentiert ihrem Wesen nach die Verbindung christlicher Religion und Staatsmacht. Dieses feudale Modell hat sich in den Kapitalismus hinübergerettet, wird aber zunehmend anachronistisch. Das Erfurter Programm der SPD von 1891 auf dem Programmparteitag der LINKEN 2011 in Form einer „szenischen Lesung“ aufzuführen ist vielleicht eine „medienwirksame“ Idee; konkrete Forderungen dieses als marxistisch geltenden Programm auch in die Gegenwart zu übertragen – das wäre möglicherweise „revolutionäre Realpolitik“. Das traut sich DIE LINKE aber nicht wirklich. Zur Gretchenfrage hieß es 1891: „Erklärung der Religion zur Privatsache. Abschaffung aller Aufwendungen aus öffentlichen Mitteln zu religiösen und kirchlichen Zwecken. Die kirchlichen und religiösen Gemeinschaften sind als private Vereinigungen zu betrachten, welche ihre Angelegenheiten vollkommen selbständig ordnen.“ Das würde bedeuten: das Ende der Kirchensteuer. Die Kirche wäre ein privater Verein, der sämtliche Ausgaben aus Vereinsbeiträgen zu entrichten hätte. Kinder würden nicht länger quasi zwangsgetauft, sondern könnten irgendwann freiwillig dem Verein Kirche beitreten, also beispielsweise einem Verein evangelischer Christen. Das Staatskirchenrecht würde komplett abgeschafft, also das Grundgesetz entsprechend geändert. Sämtliche juristisch fixierten Privilegien würden restlos verschwinden. Der Gotteslästerungsparagraph im Strafrecht würde abgeschafft. Niemand müßte mehr Angst haben, Gott als das zu bezeichnen, für das er ihn hält. Der gesamte klerikale Apparat, bzw. das was dann noch von ihm übrig bleibt, hätte nicht mehr Rechte und Pflichten gegenüber seinen Vereinsmitgliedern als die bundesweite Summe der Vorstände etwa der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Gerne können die Kirchen überall wo sie erwünscht sind ihre Spendenboxen aufstellen. Per Gesetz werden die Kirchen verpflichtet, die Opfer kirchlich-sexuellen Mißbrauchs unter ihren „Schäfchen“ angemessen zu entschädigen. Als nächster Schritt, der über das Erfurter Programm von 1891 hinausgeht, müßten wir uns dann Gedanken über eine moderne Form der Vergesellschaftung des immer noch riesigen Grundbesitzes der Kirche machen (die szenische Lesung wird zum Tribunal) – ob uns Bodo das noch erlebt?[…]

Was wir schon lange wissen …
[…] Unter dem Titel „Halsstarrigkeit im Namen Gottes“ veröffentlichte die Wochenzeitung „Die Zeit“ in ihrer Beilage „Christ und Welt“ (ehemaliger Rheinischer Merkur) ein Gespräch mit Norbert Bolz von der Technischen Universität Berlin. Darin widerspricht der Religionswissenschaftler und Medientheoretiker der verbreiteten Überzeugung, daß die katholische Kirche „modern“ sein müsse. Vielmehr liege in der „Unzeitgemäßheit“ eine besondere „neue Macht“. So kommt er zum Schluß, daß die Priesterbruderschaft St. Pius X., wie wohl insgesamt der Traditionalismus sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft der katholischen Kirche verkörpern. Die Piusbruderschaft betone vor allem die dogmatische Glaubenslehre der Kirche, von der sich andere Teile in unterschiedlicher Akzentuierung entfernt hätten. Das „Dogma“ sei jedoch „ein identitätsstiftender Teil des Katholizismus“, was häufig vergessen werde. Papst Benedikt sehe, so Bolz, seine Aufgabe darin, an die konstitutiven Elemente des katholischen Glaubens zu „erinnern“ und „das zu stärken, was das Christentum dogmatisch zum Christentum macht“. Zwischen den „Extremen“, die durch Bischof Bernard Fellay und die Piusbruderschaft auf der einen und Hans Küng und einem ungeduldigen Liberalismus auf der anderen Seite personifiziert werden, versuche der Papst zu vermitteln. Daß er dabei bei Fellay mehr Übereinstimmung finde als bei Küng, liege an der jeweiliger Akzeptanz der unveräußerlichen Glaubensinhalte … Laut Bolz sehe der Papst in einer sich leerenden Kirche eine Voraussetzung, damit sie sich wieder füllt. „Ich halte dieses Kalkül nicht für unrealistisch“, so der Religionswissenschaftler. Papst Benedikt XVI. „ist der erste Papst, der den Mut hat auszusprechen, was alle wissen“, aber offensichtlich viele nicht aussprechen wollen, daß die Kirche „mit ihrem Schrumpfen leben“ müsse. Doch der Papst bleibe nicht dabei stehen. Vielmehr sehe er „im Prozeß des Gesundschrumpfens“ die Chance, die eigentliche Glaubenslehre wieder sichtbar werden zu lassen. Deshalb setze er mehr auf Fellay und die Piusbrüder als auf Küng und die Liberalen.[…]

Pfarrer-Rebellen beißen auf Granit
[…]Die Bischofskonferenz (BK) kündigt für ihre heute beginnende Vollversammlung eine „Aussprache über Reformvorschläge in der Kirche“ an. Aber viel Bewegung erwartet sich die Pfarrer­initiative unter der Führung von Helmut Schüller nicht. Beim Treffen der Plattform am Sonntag in Linz gaben sich die Pfarrer enttäuscht: „Rom will einfach nicht zur Kenntnis nehmen, dass sich das Priesterbild gewandelt hat“, so einer, der seit 45 Jahren im Dienst der Kirche steht. Von 370 Mitgliedern nahmen 81 teil: Dabei war auch der Name „Aufruf zum Ungehorsam“ zur Debatte gestanden. Schließlich hatten aber alle für die Beibehaltung gestimmt. Schüller: „Ungehorsam bringt mehr Klarheit.“ Er kritisiert die mangelnde Gesprächsbereitschaft der Bischöfe. Bei der Bischofskonferenz werden die Rebellen nicht zugegen sein. „Nach meinem Wissen haben alle Mitglieder der Bischofskonferenz mit Mitgliedern der Initiative gesprochen“, entgegnet BK-Sprecher Paul Wuthe. Die Reformer fordern u. a. Öffnung des Priesteramts für Verheiratete und Frauen. Das lehnt Schönborn ab.[…]

Die elendigen Häretiker 😀
[…]Am vergangenen Wochenende tagte in Linz die Anti-Rom-Bewegung und sorgte laut Medienberichten mit verbalen Entgleisungen gegen Rom erneut für Aufsehen. Das Treffen fand übrigens am Samstag in der Linzer Pfarre St. Konrad und am Sonntag in der Linzer Ursulinenkirche statt. Am Samstag hatten „Wir sind Kirche“ und Co. wieder einmal die üblichen Thesen zu Priesterehe oder Priesteramt für Frauen vertreten. Dabei wurde auch erklärt, dass jede „Gemeinde“ ein „Recht auf einen Vorsteher oder eine Vorsteherin“ habe. Im Klartext ist damit gemeint, dass die Gemeinde irgendjemanden als Priester bestimmen soll, der Bischof soll dann dazu höchstens noch formal seinen „Segen“ dazu geben. Herbert Kohlmaier, Mitglied der „Laieninitiative“, meinte in dem Zusammenhang laut „Standard“: „Unser Manifest richtet sich an die breite Öffentlichkeit, nicht an die Bischöfe. Die können brausen gehen.“ Bei der Tagung meinte der ehemaliger Grazer Theologieprofessor Peter Trummer laut „Kurier“ übrigens: „Es ist ein grundlegender Denkfehler, die Menschen ständig daran erinnern zu wollen, dass Jesus für die Sünden der Menschheit am Kreuz hängen musste. Wenn das stimmt, müsste man annehmen, Gott sei ein jähzorniger KZ-Häuptling.“[…]

Bistum Chur: Freiwilligenbetrag statt Kirchensteuer
[…]Aus Gewissensgründen keine Kirchensteuer bezahlen und doch Mitglied der katholischen Kirche bleiben? Dies ist im Bistum Chur bereits seit zwei Jahren möglich. Anstelle der Steuer zahlen diese Gläubigen nach dem formalen Kirchenaustritt einen freiwillig wählbaren Spendenbetrag direkt an das Bistum. Der Churer Bischof Vitus Huonder äußerte jetzt für diese Gewissensentscheidung Verständnis. Dies berichtete „Blick.ch“. Huonder erwiderte wörtlich auf die Frage, ob er eine solche Entscheidung von Gläubigen verstehe: «Ja, das verstehe ich. Die Gläubigen kennen die Positionen der Kirche und der Landeskirche und können nach Maßgabe ihres Gewissens handeln[…]

Das tapfere Schneiderlein
[…]Besondere Kritik übte Schneider daran, dass der Papst die theologischen Gespräche mit politischen Verhandlungen verglichen habe. Dies gehe an der Haltung der reformatorischen Kirchen vorbei: „Uns geht es um das rechte Verständnis der Schrift und Lehre und damit um die konkrete Wahrheit des Evangeliums, wenn wir ökumenische Gespräche führen.“ Schneider wehrte sich auch gegen die Warnung vor einer „Verweltlichung“ der Kirche. Gott sei in Christus zur Welt gekommen: „Deshalb leben wir unseren christlichen Glauben nicht weltfremd und nicht weltflüchtig, sondern weltverantwortlich und weltdurchdringend.“[…]

SPD-Religiotin und Diaspora
[…]“Die Zahl der Gottesdienstbesucher schrumpft beständig“, mahnte der Präsident des Bonifatiuswerks, Georg Freiherr von und zu Brenken. Seien im Jahr 1990 noch fast 22 Prozent aller Katholiken regelmäßig in die Sonntagsmesse gegangen, so seien es derzeit nur noch rund zwölf Prozent. „Glaube, so scheint es, ist immer weniger sichtbar“, sagte er. Deshalb sei es wichtig, die Weitergabe des katholischen Glaubens zu fördern. „Diese Aufgabe mag sich derzeit noch vor allem auf die nord- und ostdeutschen Regionen fokussieren, zugleich ist sie aber eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“ Die Festansprache hielt die rheinland-pfälzische Sozialministerin Malu Dreyer (SPD). Sie vertrat Ministerpräsident Kurt Beck, der sein Kommen zuvor wieder abgesagt hatte. In ihrer Rede zog die Ministerin eine Parallele zwischen der Diaspora-Aktion und dem deutschen Sozialstaat, da beides nur dann funktionieren könne, wenn die Menschen solidarisch miteinander seien. „Solidarität erschöpft sich nicht in politischer Ordnung. Wenn die Bürger im Alltag kein Interesse an Solidarität haben, bleiben politische Programme ohne Inhalt“. Deshalb müsse der Staat diejenigen schützen, die gesellschaftliche Werte weitergeben. Das seien vor allem die Kirchen, sagte Dreyer. Die Diaspora-Aktion des Bonifatiuswerks sei bedeutsam, weil sie auf eine „spirituelle Solidarität“ abziele. EXTRA: Während der zweiwöchigen Diaspora-Aktion finden bundesweit Informationsveranstaltungen über das Leben von Katholiken in der Diaspora statt. Am Diaspora-Sonntag, 20. November, werden die Kollekten aus allen katholischen Gottesdiensten dem Bonifatiuswerk zuteil. Im vergangenen Jahr nahm das Hilfswerk rund 14 Millionen Euro ein und verteilte davon etwa neun Millionen.[…]

Gut so, wenn es kein Personal mehr gibt, verschwinden die religiotischen Einrichtungen
[…]Die Leiterin eines katholischen Kindergartens im südlichen Landkreis München hat ihr Schicksal selbst in die Hand genommen – und gekündigt, um der Erzdiözese zuvorzukommen. Die Frau, die lieber nicht mit Namen in der Zeitung stehen will, ist geschieden und will wieder heiraten. Ihr Lebensgefährte ist ebenfalls geschieden, will aber seine kirchliche Ehe aus familiären Gründen nicht annullieren lassen. Die neue Ehe der Erzieherin ist vor der katholischen Kirche nicht gültig: Ein Verstoß gegen die sogenannte Loyalitätsobliegenheit und damit ein Kündigungsgrund nach Kirchenrecht. Als sogenannter Tendenzbetrieb darf die katholische Kirche verlangen, dass ihre Mitarbeiter mit ihren Zielen übereinstimmen. Dazu gehören diverse Loyalitätspflichten wie das Verbot des Abschlusses einer vor der Kirche ungültigen Ehe. Auch müssen erzieherisch und leitend tätige Personen der katholischen Kirche angehören. Natürlich hatte sich die 43-Jährige von einer Anwältin beraten lassen, welche Chancen sie hätte, ihren Job zu behalten. Doch die Chancen stehen schlecht. „Mir hat es immer Spaß gemacht, das Katholische und die Wertevermittlung. Jetzt bricht mir genau das Katholische das Genick“, sagt sie. Der Fall der Kindergartenleiterin sorgt für Unmut, besonders in dieser Zeit, in der es auf dem Stellenmarkt schlecht aussieht. Der zuständige Pfarrer ist höchst besorgt und bedauert es, dass man wegen solcher disziplinarischer Vorgaben gutes Personal verliere. Auch in der Kirchenverwaltung versteht man die Personalpolitik der Kirchenleitungen immer weniger. Man könne auch nicht nachvollziehen, warum das Kindergartenpersonal zwingend katholisch sein muss, während die Kinder alle Glaubensrichtungen hätten, sagt der Kirchenpfleger. Vor der Umgestaltung der Trägerstruktur des Kindergartens habe auch einmal ein evangelischer Bewerber eingestellt werden können, wenn sich kein gleichwertig qualifizierter Katholik fand. Heute, wo besagter Kindergarten unter der Trägerschaft eines Regionalverbunds steht, der wiederum der Erzdiözese untersteht, werde von vornherein nur katholisches Personal gesucht[…]