Bischof Müller: „Tod der Ökumene“


Gerhard L. Müller links im Bild

Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller wirft im PNP-Interview Vertretern der evangelischen Kirche einen „antikatholischen Tonfall“ vor. Manche Äußerungen zum Papstbesuch seien „unqualifiziert und polemisch“.

Von Karl BirkenseerPassauer Neue Presse

Knapp zwei Monate nach dem Papst-Besuch in Deutschland zieht die evangelische Kirche eine ernüchternde ökumenische Bilanz. Das Treffen in Erfurt sei „ohne Impulse“ geblieben, hieß es am Wochenende auf der EKD-Synode in Magdeburg, und auch vorher gab es eine Reihe sehr negativer Einschätzungen. Wie erklären Sie sich die Vehemenz der Enttäuschung?

Bischof Müller: Einige hatten offenbar erwartet, der Papst werde die katholische Kirche teilweise in eine evangelisch-konfessionelle Richtung lenken. Das ist natürlich blühender Unsinn und hat mit Ökumene nichts zu tun. Irgendwie wirkt es wie der Versuch, 500 Jahre nach der protestantischen Reformation nachträglich Recht zu bekommen. Für uns ist klar: Wir sind und bleiben katholisch. Auch wenn wir versuchen, Martin Luther gerecht zu beurteilen – wir brauchen ihn nicht, um erst im vollgültigen Sinn Christen zu werden. Deshalb bin ich sehr betrübt über unqualifizierte und polemische Äußerungen, die es hier und da gibt. Wer sich so äußert, muss damit rechnen, dass wir Katholiken das sehr ernst nehmen und diesen abschätzigen antikatholischen Tonfall scharf zurückweisen.

Auf der EKD-Synode wurde u.a. kritisiert, der Papst habe Martin Luther beim Erfurter Treffen zwar im internen Kreis, aber nicht öffentlich gewürdigt …

Müller: Ich kann es in keinster Weise akzeptieren, wenn gesagt wird, der Papst habe bei seiner Predigt in Erfurt Luther nicht gewürdigt. Das wäre auch ganz unlutherisch gewesen! In einer Predigtauslegung von Johannes 17 muss es um Christus und die Einheit seiner Jünger gehen, nicht aber um eine historisch-theologische Bewertung Martin Luthers. Im vorhergehenden Kolloquium hat der Papst den Punkt herausgegriffen, der auch ökumenisch fruchtbar ist: Luthers radikale Gottbezogenheit.

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2 Comments

  1. Mir ist es offengestanden schnurzpiepsegal, ob sich die Religioten untereinander irgendwann mal verökumenisieren. Bullshit bleibt Bullshit auch in gemischter, vereinigter oder verquirlter Form !

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