Humanistische Akademie Berlin: „Barmherzigkeit und Menschenwürde“


Quelle: hpd.de

Der vierte Band der Schriftenreihe der Humanistischen Akademie Berlin ist erschienen. Darin geht es um Selbstbestimmung, Sterbekultur und Spiritualität. In welchem Zusammenhang diese Begriffe mit dem weltlichen Humanismus stehen, darüber sprach hpd mit Herausgeber und Akademie-Direktor Horst Groschopp.

Von Martin BauerHumanistischer Pressedienst

hpd: Das Buch heißt „Barmherzigkeit und Menschenwürde“. Den Begriff der „Barmherzigkeit“ werden die meisten Leser eher dem Christentum zuordnen als dem weltlichen Humanismus …

Horst Groschopp: Das steht bewusst provozierend im Titel, weil es zur Menschenwürde dazugehört. Als ich im Frühjahr diesen Jahres katholischen Weltanschauungsbeauftragten die neueren Befunde der Humanismusforschung vortrug, erweckte genau die „Vereinnahmung“ des, wie sie meinten, „eigentlich ihnen gehörenden“ Begriffs, einiges Erstaunen, also die „Barmherzigkeit“, nicht die Rede vom weißen Schimmel des „weltlichen Humanismus“.

Humanismus ist per se eine zunächst heidnische, dann säkulare, über den „Neuhumanismus“ der Aufklärung historisch gewordene Kulturauffassung von „Barmherzigkeit“ und „Menschlichkeit“. Der Beitrag von Hubert Cancik in diesem Sammelband verfolgt philologisch genau die Entstehung des Begriffs. Für den praktischen Humanismus hatten wir im Humanistischen Verband schon immer die Ahnung, als wir uns sozialen Dienstleistungen zuwandten, es ginge um mehr als Bildung, Antikepflege und Menschenrechte.

Nun haben wir wissenschaftliche Belege dafür, dass das Christentum hier etwas übernommen hat, worauf wir unbefangen zurückgreifen können. Unsere Vorfahren, etwa Cicero, waren in diesem Sinne damals weniger praktisch – im Gegensatz zu den frühen Christen, die von den Juden die Einrichtungen der Fürsorge abschauten, was dann den Römischen Kaisern so nützlich erschien, dass sie das Christentum verstaatlichten.

Cancik zeigt nun, dass wir „Erdlinge“ – homo und humanus kommen von humus („Erde“) – über humanitas zur „Humanität“ fanden, die „Bildung und Barmherzigkeit“ bedeutet. Das Wort „Barmherzigkeit“ selbst ist dann die genaue Übersetzung von miseri-cordia.

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