Die göttlichen Alternativträume des R. Junker


Quelle: ag-evolutionsbiologie.de

Von Wolfgang JähnigAG Evolutionsbiologie

Der 1. Oktober 2010 markiert ein bemerkenswertes Datum. Seit 25 Jahren versucht Reinhard Junker als hauptamtlicher wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Studiengemeinschaft Wort und Wissen u.a. mit seinen Vorstellungen eines „Junge-Erde-Kreationismus“ die Erkenntnisse moderner Naturwissenschaft in Zweifel zu ziehen. An das Dienstjubiläum erinnerte S. Scherer mit einer Laudatio, in der u.a. auch Rückschläge und Enttäuschungen eingeräumt werden. Zitat Scherer: „Ein umfassendes, wissenschaftlich befriedigendes, alternatives ‚Schöpfungsmodell‘ ist nicht in Sicht.“ (1) In diesem Beitrag soll noch einmal kurz dargestellt werden, warum sich Junker mit seiner „biblisch fundierten Wissenschaft“ auf Abwegen befindet. Die Vorstellungswelt Junkers hinsichtlich eines „Junge-Erde-Kreationismus“ ist anhand eines Schlüsselbeitrags mit dem Titel „Lehrt die Bibel eine junge Schöpfung?“ ersichtlich. (2)

Zunächst geht die heutige Theologie hinsichtlich Bibel und speziell Genesis mit völlig anderen hermeneutischen (textinterpretatorischen) Ansätzen heran als Junker mit seinem wörtlichen Textverständnis. Sein literaler Biblizismus ist theologisch-wissenschaftlich nicht mehr haltbar; er entspricht eher dem Bibelverständnis des Mittelalters. Des Weiteren sind Junkers Vorstellungen über historisch-zeitliche Abläufe gänzlich abwegig, wie bereits in etlichen Beiträgen auf dieser Webseite aufgezeigt wurde. Junker im Originalton: „Ist es vielleicht möglich, eine in Jahrtausenden oder in Generationen bemessene Menschheitsgeschichte in eine zeitlich beliebig lange Organismen- oder Kosmosgeschichte einzubetten ? … Die Menschheitsgeschichte ist in der Größenordnung von Jahrtausenden zu bemessen“. (2)

In einem früheren Kommentar (3) wurde bereits vom Autor dieses Beitrages speziell auf die Widersprüche zur zeitlichen Einordnung der biblischen Sintflut von Wiskin und die von Junker in diesem Zusammenhang angeführten Bibelstellen mit seinem „Deutungsspielraum“ zum tatsächlich historischen Kontext als nicht stimmig belegt, es sei denn, man läßt die Logik einer Zeitabfolge, sowie sämtliche wissenschaftlichen, geochronologischen Erkenntnisse außen vor. Zudem wird die Logik auf den Kopf gestellt, wenn die eigene (und theologisch unhaltbare) Vorstellung „heilsgeschichtlicher Zusammenhänge“ als A-priori-Vorlage dient, um die Menschheits-, Organismen-, Erd- und Kosmosgeschichte entgegen allen wissenschaftlichen Erkenntnissen so hinzubiegen, dass sie mit der geforderten biblischen Chronologie in Übereinstimmung gebracht werden soll. Mit der Realität hat es nichts mehr zu tun, wenn die Fossilüberlieferung ab dem Kambrium in den zeitlichen Rahmen der Menschheitsgeschichte gestellt wird. Ein zeitliches Tohuwabohu, um einen Ausdruck der Bibel zu gebrauchen, wird konstruiert, z.B. um die Existenz von Fossilien als „Ausdruck des Todes im Zusammenhang mit Sünde“ zu begründen.

Junker und Wiskin befinden sich in einem Auslegungsdilemma. Ihre Denkweise ist nicht mehr variabel, insofern ist die angestrebte „Auslotung von Alternativspielräumen“ zur Evolutionstheorie nicht wirklich gegeben. Die „Quadratur des Kreises“ hat bisher niemand lösen können und wird vermutlich auch in Zukunft unlösbar sein. Wiskin hat es auf den Punkt gebracht, warum die Vorstellung eines „Junge-Erde-Kreationismus“ nicht aufgegeben werden kann. Zitat Wiskin: „Da die Zeitangaben der Bibel nicht unwesentlich sind, sind auch sie eine Zielscheibe des Teufels. Gelingt es Satan, die Chronologie des Wirkens Gottes in der Geschichte zu relativieren oder zu diskreditieren, wird Gottes Handeln ein Stück weit irreal, fern der Wirklichkeit, für viele unglaubwürdig.“ (4)

Wiskin widerspricht sich jedoch, wenn er folgendes schreibt: „Die Bibel lehrt aber nirgends direkt, wie alt die Erde war zu einem bestimmten Zeitpunkt, noch offenbart sie, wie alt sie werden wird. (5)

Im weiteren Verlaufe des Textes erfährt der erstaunte Leser folgende Angaben: „Und eine junge Erde? Auf ähnliche Weise sollte ein Christ in der Frage, ob die Erde jung oder sehr alt sei, sich am Wort Gottes orientieren. Was die Bibel sagt und nicht das, was die meisten Naturwissenschaftler meinen, ist entscheidend. Und auch bei der Auslegung der Heiligen Schrift sollte er sich nicht nach den gängigen naturwissenschaftlichen Vorstellungen richten. Was die Schrift selber sagt und nicht das, was sie nach Menschenmeinung sagen sollte, ist für die Auslegung entscheidend“. (6)

Deutlicher kann man es nicht sagen, wie Wiskin sich selbst in ein Auslegungsdilemma manövriert, oder um mit Goethe zu sprechen: „Es irrt der Mensch, solang er strebt“. Vermutlich wird wohl noch längere Zeit die Einschätzung von Scherer Bestand haben, bis endlich klar wird, dass die Bibel auf diese Weise nicht mißbraucht werden darf in einer unzulässigen Verschränkung von Wissenschaft und Religion.

___________________________________

(*) Fußnoten:

(1) Laudatio auf einen Weggefährten: Zum Dienstjubiläum von Dr. Reinhard Junker. In: Wort und Wissen, Info 3/10 (Nr. 92; September 2010)

(2) Reinhard Junker: Lehrt die Bibel eine junge Schöpfung? In: W+W- Disk.-Beitr. 1/94

(3) Wolfgang Jähnig: Canada, o Canada ! Richard Wiskins Dinosaurier, in: AG-Evolutionsbiologie, Newsletter 20.10.10

(4) Richard Wiskin: Die Bibel und das Alter der Erde. Hänssler, 4. Auflage 2003, S. 7.

(5) a.a.O., S. 7.

(6) a.a.O., S . 56.

Autor: Wolfgang Jähnig

2 Comments

  1. Es gibt wohl nichts zweifelhafteres als die von Religioten zusammen fantasierte Schöpfungsgeschichte ! Denn: vom Hörensagen lernt man bekanntlich das Lügen !

    Gefällt mir

  2. Es wird mal Zeit, dass die Theologen des Mainstream solche Abweichler aus den eigenen Reihen in den Griff kriegen. Aber das ist ja nicht mein Problem.

    Gefällt mir

Kommentare sind geschlossen.