Wenn die Predigt guttiert wird: Copy&Pastor


Deus ex machina: Ein Dozent für Predigtsprache prangert an, dass Pastoren sich ihre Predigten aus dem Internet kopieren. Aber kommt man vom Abkupfern in die Hölle?

Von Mark StöhrderFreitag

Man stelle sich den Pastor einer kleinen Gemeinde vor. Er sitzt in seinem Büro vor dem Computer, die Haushälterin hat ihm gerade frischen Kaffee gekocht. Es ist Donnerstag, außer einem Geburtstagsbesuch bei einer betagten Dame steht nichts an. Zeit zum Chillen also, Zeit zum Surfen. Erst kicker.de, dann ein wenig auf kirchenbedarf-friedrich.de. Doch der Gedanke an die Predigt am Sonntag stört den Frieden. Der 13. November ist der vorletzte Sonntag im Kirchenjahr, eher ein No-Name-Termin. Welche Botschaft unters Volk bringen, mit welcher Bibelstelle die Gläubigen erreichen? Der Pastor wählt ein spezielles Lesezeichen: predigten.de. Hier wird jeder Gottesmann fündig, dem gerade nichts Eigenes einfällt. Wegen ein bisschen Abkupfern ist noch keiner in die Hölle gekommen, oder?

Das Kopieren im Namen Gottes ist offenbar ziemlich beliebt. Der Schriftsteller Heinz Kattner, der auch als Dozent für Predigtsprache arbeitet, hat diese Praxis jüngst angeprangert. Durch das Verwenden von Textbausteinen oder gar ganzen Predigten, die auf zahlreichen Online-Datenbanken zum Download angeboten würden, gefährde der Geistliche seine Glaubwürdigkeit. Der Hauptkritikpunkt: Die Predigt habe überhaupt keinen persönlichen Bezug mehr zum Vortragenden, ent­halte oft theologische Floskeln, die die Gemeinde nicht erreichten. „Die Hörer wissen zwar, das gehört dahin, aber es bedeutet nichts für sie“, sagte Kattner dem Evangelischen Pressedienst.

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3 Comments

  1. Die Verfasser der Bibel haben doch allesamt auch voneinander abgeschrieben. Dabei haben sie allerdings sogar beim Abschreiben noch Fehler gemacht, was die vielen Widersprüche in diesem Märchenbuch erklärt.

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  2. „Der Pfad der Gerechten ist auf beiden Seiten gesäumt mit Freveleien der Selbstsüchtigen und der Tyrannei böser Männer. Gesegnet sei der, der im Namen der Barmherzigkeit und des guten Willens die Schwachen durch das Tal der Dunkelheit geleitet. Denn er ist der wahre Hüter seines Bruders und der Retter der verlorenen Kinder. Und ich will große Rachetaten an denen vollführen, die da versuchen, meine Brüder zu vergiften und zu vernichten, und mit Grimm werde ich sie strafen, auf dass sie erfahren sollen: Ich sei der Herr, wenn ich meine Rache an ihnen vollstreckt habe.“

    Kopieren statt kapieren!

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