Je religiöser desto anfälliger für Vorurteile

Das Kreuz mit den Religionen

Homophobie und Sexismus: Mit der Religion kommen die Vorurteile, sagt eine Studie. Schuld daran sei unter anderem der traditionelle Absolutheitsanspruch des Christentums.

WELT ONLINE

Wie stellen Sie sich besonders religiöse Menschen vor? Wie die nette ältere Dame von nebenan, die sonntags in die Kirche geht und für jeden ein gutes Wort hat? Weit gefehlt!

Stark Religiöse sind auffällig anfällig für abwertende Haltungen gegenüber Minderheiten. „Dies zeigt sich besonders in den Bereichen Sexismus, Homophobie und Rassismus“, sagte die Bielefelder Psychologieprofessorin Beate Küpper. Besonders oft neigten Protestanten in den östlichen Bundesländern zu rassistischen Äußerungen.
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Vatikan: Frauen sind Igitt!

Bei seinem letzten Besuch in Deutschland hat Papst Benedikt XVI. klar gemacht, dass Frauen in der katholischen Kirche keine Ämter übernehmen sollen

Die Theologin Johanna Rahner hält eine stärkere Einbindung von Frauen in die katholische Kirche für eine theologisch legitime Forderung – trotz dem Wunsch des Papstes, nicht mehr darüber zu sprechen. Ein Anknüpfungspunkt sei sicher das Diakonenamt – ein Amt, dass Frauen in der Vergangenheit auch schon ausgeführt haben.

Von Kirsten DietrichDeutschlandradio Kultur

Kirsten Dietrich: Die Kirche soll Modell für das gleichwertige und partnerschaftliche Zusammenleben und Zusammenwirken von Männern und Frauen sein. Das haben die deutschen katholischen Bischöfe in einem Hirtenwort beschlossen – vor ziemlich genau 30 Jahren. Viel verändert hat sich seitdem nicht, das sagen sogar Frauen, die sich sehr prominent in der katholischen Kirche engagieren – als Laiinnen natürlich, denn höhere Ämter oder genauer Weihen sind nach wie vor den Männern vorbehalten.

Am nächsten Wochenende trifft sich das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, das ZdK, also der Verband der Laien in der katholischen Kirche, zur Vollversammlung in Bonn-Bad Godesberg. Dort steht das Thema wieder einmal auf der Tagesordnung. Für ein partnerschaftliches Zusammenwirken von Männern und Frauen in der Kirche – unter diesem Titel wird Johanna Rahner einen Impulsvortrag halten. Johanna Rahner ist Professorin für Systematische Theologie am Institut für katholische Theologie der Universität Kassel, und ich habe sie vor der Sendung gefragt, woher sie denn die Inspiration für noch einen Anlauf zu diesem Thema nimmt.

Johanna Rahner: Ich denke, es ist die aktuelle Situation der katholischen Kirche. Gerade das letzte Jahr hat ja deutlich gemacht, dass wir fulminante strukturelle Probleme haben, und dann sind solche Fragen, wie eigentlich ein Miteinander in dieser Institution auch nach den Kriterien, wie wir in unserer normalen Lebenswelt miteinander umgehen … dass solche Fragen viel relevanter werden und natürlich jetzt ganz massiv wieder in den Vordergrund treten.

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Wieviel Jesus steckt in Kölns Moschee?

Die Bauherrin des größten Moscheekomplexes in Deutschland ist die Türkisch Islamische Union. Ihren Vorwurf, der unfertige Bau enthalte 2000 Baumängel, nennt der entlassene Architekt Paul Böhm konstruiert, Foto: DPA

Dem Architekten des Kölner Moscheeneubaus wurde gekündigt. Unter anderem wird ihm vorgeworfen, christliche Symbole darin versteckt zu haben. Ein Da-Vinci-Code?

Von Lucas WiegelmannWELT ONLINE

Es war wieder keine gute Woche für das Christentum. Der Bedeutungsverlust der Kirchen setzt sich fort, nun sogar im katholischen Köln. Das dortige Gezerre um den Moscheeneubau zeigt vor allem eines: Jetzt traut man den Christen nicht mal mehr eine ordentliche Verschwörung zu. Ein neuer Tiefpunkt in der andauernden Vertrauenskrise.

Zum Fall: Der Bauherr, der türkische Islamverein Ditib, hat dem Architekten des fast fertigen Moscheerohbaus gekündigt. Unter anderem mit der Begründung, er habe christliche Symbole in dem Bauwerk versteckt – kleine Kreuze zum Beispiel oder das „Chi-Rho“ (vulgo: PX), das griechische Monogramm für „Christus“. Ein Da-Vinci-Code mitten im neuen Zentrum des Islam in Deutschland! Endlich mal wieder ein Achtungserfolg der jahrtausendealten kirchlichen Geheimdiplomatie.

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Wikipedia und der Religionsfilter

So viele Sprache, so viele Sichtweisen: Braucht Wikipedia, aus dem Geist westlicher Aufklärung hervorgegangen, einen moralischen Filter? ©DPA

Bei der Online-Enzyklopädie Wikipedia wird darüber nachgedacht, einen Bildfilter einzubauen – um religiösen Geboten Rechnung zu tragen.

Von Jörg WittkewitzFrankfurter Allgemeine

Gibt es eine „gereinigte“ Bibel, die ohne Gewalt und blutrünstige Geschichten auskommt? Kaum vorstellbar. Ist doch vor allem das Alte Testament gespickt mit Geschichten, die zumindest Kinder erschrecken. Aber kein seriöser Pädagoge käme auf die Idee, für den Religionsunterricht eine „saubere“ Bibel zu fordern. Bei dem Online-Lexikon Wikipedia passiert aber genau das.

Die Wikimedia Foundation aus San Francisco, sozusagen die Mutter aller Wikipedia-Versionen, stellt die organisatorische und technische Infrastruktur bereit, damit Hunderttausende Nutzer gemeinsam die Millionen Artikel in 270 Sprachen erstellen können. Und ausgerechnet im Zentrum der digitalen Aufklärung will man nun einen Bilderfilter einführen. Jeder Nutzer kann dann sein Wikipedia personalisieren. Gedacht ist dies für Kulturen, in denen die Darstellung von nackten Körpern oder Gewaltszenen unerwünscht oder gar verboten ist. Die Gemeinschaft der Wikipedia-Autoren diskutiert diesen Filter vor allem in Deutschland sehr kontrovers und fühlt die Ideale der Aufklärung verraten. Einige Nutzer fassen sogar eine Abspaltung vom amerikanischen Mutterschiff ins Auge – eine Idee, der Dirk Franke, prominentester Wikipedianer in Deutschland, etwas Positives abgewinnen kann, da so das Wissensmonopol der Wikipedia eingeschränkt würde.

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Vom Neonazi und Mörder zum Baptisten-Prediger

Johannes Kneifel, Bild: rtl-Regional, Brightsblog

Johannes Kneifel hat einen Menschen getötet und er war Neonazi. Er hat sich zu Christus bekehrt. Inzwischen haben ihm, dem Ex-Knacki, Eltern in einem Kindergottesdienst sogar ihre Kinder anvertraut.

kath.net

Er hat einen Menschen getötet und er war Neonazi. Jetzt steht er kurz vor dem Abschluss seines Theologiestudium und er wird baptistischer Pastor werden. Die Rede ist von Johannes Kneifel, für den eines der schönsten Erlebnisse ein Kindergottesdienst war: „Da waren Eltern, die haben mir, dem Knacki, ihre Kinder anvertraut“. Doch zwischen früher und jetzt steht die radikale Bekehrung zu Christus. Darüber erzählte er bei einem Vortrag in der Osnabrücker Katharinenkirche, wie „Welt online“ berichtet.

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Die ARD, eine Heilige Dreifaltigkeit und Günter Jauch

Walter van Rossum, Bild: brightsblog

Über die Heilige Dreifaltigkeit und das Problem der Froschperspektive: Walter van Rossum erklärt den Sonntagabend in der ARD

Von Walter van RossumderFreitag

Am 4. Januar 1998 wurde der Name Sabine Christiansen zum Label und ging auf Sendung. Seitdem entfaltet sich allsonntäglich eine Heilige Dreifaltigkeit im Abendprogramm der ARD. Beginnend um 20.00 Uhr mit der Tagesschau. Eine Sendung, die seit Jahrzehnten daran arbeitet, die Welt als jenes Ritual darzustellen, als das sie selbst abläuft. Die Irritation des Realen perlt an ihr ab wie Wasser am Gefieder des schönen Schwans. Komplexität findet nicht statt, bloß ewig blasse Ergründlichkeit. Der Zuschauer wird zum Zaungast einer Welt, in der ein paar Dutzend Staatsschauspieler, Kardinäle und andere Repräsentanten „gesellschaftlich relevanter Gruppen“ von mobilen Kanzeln ihre von Referenten verfassten Verlautbarungen zur Kenntnis geben. Alles huldigt einem Informationsziel, das Chefredakteur Kai Gniffke in unsterbliche Worte gekleidet hat: „Was unser Auftrag ist und was wir leisten können, ist, die Leute fit für den nächsten Tag zu machen. Dass sie am nächsten Tag bestehen können, dass sie dann wissen, das habe ich doch schon einmal gehört“.

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