Neuigkeiten aus dem religiösen Paralleluniversum


 

Quelle: bruedergemeinde.de

Atheistenverband kritisiert Anklage gegen Blogger
[…]Der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) wendet sich gegen die Anklage eines Bloggers nach Paragraph 166 StGB wegen Äußerungen über die Römisch-Katholische Kirche. „Auch zugespitzt formulierte Kritik an Institutionen muss in einer Demokratie hingenommen werden“, sagte René Hartmann, Erster Vorsitzender des IBKA. „Ein Schutz gegen als überzogen oder verletzend empfundene Kritik steht nur Privatpersonen zu. Der besondere Schutz von Religionsgemeinschaften durch den § 166 StGB stellt eine vordemokratische Privilegierung dar. Der § 166 schränkt die Meinungsäußerung und den gesellschaftlichen Diskurs unzulässig ein. Er darf daher nicht länger angewendet, sondern muss abgeschafft werden.“ Hintergrund: Die Staatsanwaltschaft Berlin erhob Anklage gegen den Blogger Jörg Kantel. Dieser hatte in seinem Blog im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen in der Katholischen Kirche den Begriff „Kinderficker-Sekte“ benutzt.[…]

„Kirchen sollten in Europa eine größere Rolle spielen“, geht’s noch …
[…]Auf europäischer Ebene sollten die Kirchen „eine viel größere Rolle spielen“. Dies unterstreicht der frühere Vizekanzler und Präsident des Erhard Busek in einem Interview in der aktuellen Ausgabe der Kärntner Kirchenzeitung „Sonntag“. Derzeit würden sich die Kirchen allerdings „viel zu sehr mit sich selbst beschäftigen“ und die Probleme nicht mehr berühren, „die die Menschen wirklich betreffen“, so Busek. Dabei zeige sich jedoch zugleich eine Parallele zur Politik – denn beide hätten dem VP-Politiker zufolge „ein Inhaltsproblem“ und nur „sehr bescheidene“ Botschaften zu vermitteln. Dabei habe die Kirche eigentlich keinen Grund, sich zu verstecken, sei doch „die Sehnsucht, etwas von Gott zu hören, sehr groß“, ist Busek überzeugt. Was fehle, sei der Mut, die „Frohe Botschaft“ zu verkünden: „Ich will dafür gar nicht nur den Papst verantwortlich machen. Das gilt für alle, die im Lehramt tätig sind.“ Anstelle einer Frohen Botschaft konzentriere sich die Kirche aktuell vor allem in Österreich auf „ihre internen Probleme“. Zwar verstehe er etwa die Nöte der Geistlichen, wie sie sich in der „Pfarrer-Initiative“ artikulierten, nur seien „die Antworten darauf inadäquat“. Es genüge weder, Probleme zu ignorieren, noch „sich allein auf Rom auszureden“, so Busek, der selbst lange Jahre in der Katholischen Aktion aktiv war. Sorgenvoll betrachte er auch die aktuelle politische Lage. So stelle er einen Mangel an Qualität in der Politik fest – in Personen wie in der Behandlung von Sachfragen. Es gebe einen „Wirklichkeitsverlust“ der Politik, einen zu schwachen Meinungsaustausch und eine zu starke Einwirkung der Medien und der Meinungsforschung in die Politik. „Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Bundesregierung in der Früh die Kronenzeitung liest und dann weiß, was sie den ganzen Tag zu tun hat“, so Busek wörtlich. Dabei gebe es genügend Anlass, die aktuelle Krisensituation auch als Chance zu nutzen, da Krise immer zugleich auch den Zwang zur Entscheidung und zu entschiedenem Handeln bedeute, wie Busek betont. So gelte es etwa, einem wachsenden „nationalen Egoismus“ entgegenzutreten; Europa brauche gerade in der Krise „mehr Gemeinsamkeit“. Denn entweder es gelinge Europa, die Krise gemeinsam zu meistern, oder aber es drohe der Zerfall – dieser aber sein keine wirkliche Alternative.[…]

Kath.net triumphiert …
[…]Klaus Donaubauer (54), Aufsichtsratschef der katholischen Verlagsgruppe Weltbild, ist am Donnerstag mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurückgetreten. Der Finanzdirektor des Bistums Augsburg zog damit die Konsequenz aus der anhaltenden kontroversen Debatte um die inhaltliche Ausrichtung des größten katholischen Medienhauses im deutschsprachigen Raum. Donaubauer gehörte dem Aufsichtsrat seit 18 Jahren an und führte die vergangenen sieben Jahre den Vorsitz. Berichte über Erotikartikel und esoterische Literatur im Sortiment von Weltbild bescheren dem Unternehmen seit Wochen negative Schlagzeilen. Unter Druck stehen jetzt auch die anderen Aufsichtsräte wie beispielsweise der Jesuitenpater Hans Langendörfer oder auch Albert Post, die ebenfalls für das Programm von Weltbild mitverantwortlich sind.[…]

Piusanhänger stören interreligiösen Friedensmarsch
[…]Traditionalistische Jugendliche in Paris haben französischen Medienberichten zufolge versucht, eine interreligiöse Feier zu stören. Sie hätten versucht, die Zusammenkunft in einer Kirche im Norden der Stadt durch Absingen von Kirchenliedern zu unterbrechen, berichtet die katholische Wochenzeitung «La Vie» am Mittwoch auf ihrer Internetseite. Die Feier bildete demnach den Abschluss eines interreligiösen Friedensmarsches, an dem sich neben Christen, Muslimen und Juden auch Sikhs, Hindus und Buddhisten beteiligten. Die rund 20 Mitglieder der «Katholischen Jugend Frankreichs», die der Piusbruderschaft nahe stehe, seien aber von der Versammlung nach erstem Zögern ihrerseits umringt und mit einem eigens für die Zusammenkunft komponierten Lied angesungen worden. Nach kurzer Debatte erklärten sie sich laut «La Vie» bereit, sich zunächst ans Ende des Kirchenschiffs zurückzuziehen, um dort mit den Organisatoren zu debattieren. Später hätten sie die Kirche ganz verlassen. Die Begegnung in Paris war in Anlehnung an das Weltfriedenstreffen von Assisi von Ende Oktober veranstaltet worden.[…]

Pfarrer wegen NS-Vergleich vom Dienst suspendiert
[…]Die Evangelische Landeskirche in Württemberg hat den umstrittenen Pfarrer Johannes Bräuchle am Donnerstag „mit sofortiger Wirkung“ von allen Amtspflichten suspendiert. Der 64-Jährige hatte vergangene Woche den Gegnern des geplanten Tiefbahnhofs „Terror“ unterstellt, wie er aus der „SA-Zeit“ bekannt sei. Das Gesetz zur Volksabstimmung hatte er mit dem Ermächtigungsgesetz verglichen. Die Landeskirche war in den letzten Tagen unter Druck geraten – auch weil die frühere Kirchenarbeit Bräuchles nicht unumstritten ist. Der Rundfunkpfarrer Johannes Koch hatte Bräuchle scharf angegriffen. Dieser diskreditiere, verletze und hetze nicht zum ersten Mal. Die Suspendierung soll laut Kirchenleitung „eine abschließende Klärung der Angelegenheit ermöglichen“. Bräuchle arbeitete aktuell an öffentlichen Auftritten der Landeskirche mit und war für die Schausteller-Seelsorge verantwortlich. Auch der Verein Pro-Stuttgart-21, in dem Bräuchle zum Vorstand zählt, zog am Donnerstag Konsequenzen. Bräuchle lege mit sofortiger Wirkung sein Amt als Vorstand nieder, hieß es. „Vereinbart war, dass ich das Amt ruhen lasse, aber es gilt das geschriebene Wort“, kommentierte Bräuchle selbst die Entscheidung des Vereins. Er werde sich bis zur Volksabstimmung nicht mehr zu Stuttgart 21 äußern.[…]