Neuigkeiten aus dem religiösen Paralleluniversum


 

Quelle: bruedergemeinde.de

Da schau her …
[…]Die von Polens Regierung geplante Auflösung des staatlichen Kirchenfonds erfordert nach Kirchenangaben keine Änderung des Rechtsabkommens mit dem Vatikan. Das teilte der Vorsitzende der Konkordatskommission der Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Budzik, am Wochenende mit. Er betonte zugleich, die Kirche sei offen für eine Reform des Sozialversicherungssystems für Geistliche. Polens wiedergewählter Ministerpräsident Donald Tusk hatte am Freitag im Parlament die Abschaffung des sogenannten Kirchenfonds angekündigt, aus dem der Staat die Sozialversicherungsbeiträge für einen Teil der Geistlichen aller Konfessionen zahlt. Er sei auch bereit dazu, das Konkordat mit dem Vatikan zu ändern, wenn es erforderlich sei. Erzbischof Budzik nannte den von den kommunistischen Machthabern 1950 als Entschädigung für die Verstaatlichung von Kirchengütern eingerichteten Kirchenfonds „anachronistisch“. Die Bischöfe hätten deshalb selbst dessen „Umgestaltung“ vorgeschlagen. Das Konkordat regle keine Versicherungs- und Finanzierungsfragen der Kirche, so der Erzbischof von Lublin. Es verlange jedoch, dass Regierung und Kirche solche Themen gemeinsam in einem Gremium behandeln. Budzik schlug erneut die Einführung eines freiwilligen Kirchenbeitrags der Steuerzahler vor. Bei der Einkommensteuererklärung solle die Möglichkeit geschaffen werden, ein Prozent der Steuer einer Religionsgemeinschaft eigener Wahl zuzusprechen[…]

Politik braucht Religioten, na klar …
[…]Der neue evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm tritt für eine politisch engagierte Kirche ein. „Wer fromm ist, muss auch politisch sein“, sagte er am Montag vor der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) in Rosenheim. Ein Christ müsse sich für die Mechanismen interessieren, die Menschen in Not bringen. „Deswegen wünsche ich mir eine öffentliche Kirche, die für eine neue politische Kultur eintritt, die kleinkarierte parteipolitische Streitereien überwindet und jenseits der politischen Lager um Lösungen für die großen Zukunftsfragen der Menschheit ringt“, sagte Bedford-Strohm. Die gut 100 Synodalen des Kirchenparlaments beraten bis Donnerstag unter anderem über den knapp 775 Millionen Euro umfassenden Haushalt für das kommende Jahr.[…]

Märchenstunde: „Jesus Christus, die Seele Europas“
[…]Mit Blick auf die Krise der Europäischen Union hat Kardinal Reinhard Marx eine „geistige Erschöpfung Europas“ beklagt. Europa sei „müde, ohne Vision und ohne Ziel“, sagte er am Wochenende in Freising. Die Politiker erweckten den Eindruck, als würden sie gezogen und geschoben, ohne dass Europa neu gedacht werde. Die Seele Europas seien aber nicht die Finanzmärkte, sondern dies sei Jesus Christus. Zugleich stelle sich die Frage, ob nicht auch die Kirche erschöpft sei, so der Münchner Erzbischof. Bei seinem Deutschlandbesuch habe der Papst zur Erneuerung aufgefordert. „Er will uns sagen: Ihr könnt als Christen Euren Weg nur aufnehmen, wenn Ihr Euch auf das Euch Geschenkte besinnt. Passt auf, dass Ihr die Ziele nicht mit den Mitteln verwechselt“.[…]

Evangelikale Zwangsbekehrungen
[…]Die Polizei im nordindischen Bundesstaat Kaschmir hat einen evangelischen Pastor und einige Gemeindemitglieder wegen angeblicher „Zwangsbekehrungen“ verhaftet. Den Gläubigen werde vorgeworfen, 15 jugendliche Muslime zum Übertritt zum Christentum gezwungen zu haben, berichtet der vatikanische Missionspressedienst Fides am Montag. Zwei Wochen zuvor habe der Geistliche beim islamischen Gerichtshof in Srinagar als Zeuge ausgesagt, nachdem die Jugendlichen in seiner Kirche getauft worden waren. Damals habe der Pastor zugegeben, an der Bekehrung der jungen Menschen beteiligt gewesen zu sein. Sie hätten die Taufe jedoch frei gewählt, ohne durch irgendwelche Versprechungen getäuscht worden zu sein, schreibt Fides mit Bezug auf die christliche Organisation „Global Council of Indian Christians“ (GCIC). Nach dieser Aussage habe der Großmufti von Srinagar dem Geistlichen die Anwendung des islamischen Rechts und ein Eingreifen der Polizei angekündigt, so Fides. Die GCIC sehe in der polizeilichen Intervention eine Verletzung des indischen Rechts, das in der Verfassung das Recht auf Konversion schütze. Muslimische Geistliche könnten nicht veranlassen, dass die Scharia auf Christen angewendet werde.[…]

Warnung an Häretiker
[…]Der Kirchenhistoriker und Kardinal Walter Brandmüller warnt vor einem Missbrauch der kirchlichen Predigt. Bei einer Priesterweihe im überlieferten Ritus im bayerischen Wallfahrtsort Bettbrunn bei Ingolstadt erklärte er am Samstag: „Groß ist die Zahl der falschen Propheten, die die Menschen in die Irre führen.“ Leider gebe es „nicht selten“ Predigten, die mit der Lehre der Kirche nicht übereinstimmten. Die Zuhörer hätten zwar die „Pflicht“, eine Predigt bereitwillig und in Ehrfurcht anzunehmen. Dies könne aber nur dann verlangt werden, wenn der Prediger nicht zum Sprachrohr seiner eigenen Befindlichkeit werde. Brandmüller empfahl als Richtschnur für die Gläubigen den Katechismus der katholischen Kirche oder den neu erschienenen Jugendkatechismus „Youcat“. An beiden könne man ablesen, „ob eine Predigt wirklich dem Maßstab Gottes genügt.“ Erst dann dürfe „Glaubensgehorsam“ gefordert werden. Eine gute Predigt verlange zudem das „lebenslange Studium der Heiligen Schrift“. Die Predigtvollmacht wiederum sei unauflöslich an die Weihe gebunden. Nur Bischof, Priester, Diakon dürften und könnten „im Namen und in der Vollmacht Jesu Christi das Evangelium verkündigen“. Folglich ist die sogenannte Laienpredigt illegitim. Zeuge des Evangeliums zu sein, sei hingegen jedem getauften Christen aufgetragen[…]