Rachid Ghannouchi: Religion ist eine persönliche Angelegenheit


Rachid Ghanouchi in einer Aufnahme vom 25. April 2011. (Bild: Keystone)

Der Anführer der tunesischen Wahlsiegerin an-Nahda wird einerseits als gemässigter Islamist gelobt. Andere misstrauen ihm aufgrund früherer Aussagen. Im Gespräch versichert er, dass Tunesien ein offenes Land bleiben werde.

NZZ ONLINE

«Die Revolution in Tunesien hat mir ein neues Leben geschenkt», sagt Rachid Ghannouchi in feinem Hocharabisch vor einer Gruppe deutscher Journalisten. Der ältere Herr, der nach 22 Jahren Exil aus London in sein Land zurückgekehrt ist, war vom tunesischen Regime Ben Alis terroristischer Aktivitäten bezichtigt worden. Zunächst Mitglied der Nasseristen, einer säkularen panarabischen Partei, hatte er sich 1968 nach dem Sechstagekrieg dem politischen Islam zugewandt, der angesichts des Scheiterns säkularer Regimes einen Aufschwung erlebte. In den achtziger Jahren begann er auch vermehrt, sich mit demokratischen Ideen auseinanderzusetzen. Im Golfkrieg 1991 rief er zum Kampf gegen die USA und Saudiarabien auf. Unter anderem die USA, Saudiarabien und Frankreich belegten ihn mit einem Einreiseverbot.

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