Die päpstliche Diktatur


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Im Vatikan kommt die päpstliche Macht zuerst
Nur wenn sich das nächste Konklave irrt und wie im Fall von Johannes XXIII. einen versteckten Reformer wählt, könnte sich etwas ändern

Von Gerfried SperlDer Standard

„Die Macht in der Kirche ist unteilbar“, erklärte der vatikanische Regierungschef (Kardinalstaatssekretär) Tarcisio Bertone im März 2010 gegenüber der italienischen Tageszeitung Corriere della Sera. Er bezog sich dabei auf die Kritik an seiner offiziellen Position, die Missbrauchsfälle der letzten Jahrzehnte seien persönliche Fehltritte von Priestern. Eine Mitverantwortung der Kirche gebe es nicht. Wer das behaupte, untergrabe das Vertrauen in die Kirche.

Bertones Aussagen stehen völlig im Einklang mit der unter Johannes Paul II. erneut fixierten päpstlichen Zentralgewalt, die einer geistlichen Diktatur mit weltlicher Ausprägung gleicht. Ganz im Sinne des kanonischen Rechts von 1917. Darin wird dem Papst die Jurisdiktionsgewalt nicht nur über die Bischöfe, sondern auch „über alle Hirten und alle Gläubigen“ übertragen. Aufweichungen durch das II. Vatikanum unter den Päpsten Roncalli und Montini wurden von Papst Wojtyla eliminiert.

Dieser autoritären Position hängt auch Benedikt XVI. (Joseph Ratzinger) an. Die Reformversuche der österreichischen Pfarrerinitiative rund um Helmut Schüller sind deshalb schon kirchenrechtlich zum Scheitern verurteilt. Denn dieses Pontifikat bewegt sich nicht, erlaubt keine Veränderung.

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