Oh Gott, lass mein Land Großmacht sein!


Chlodwig I., Quelle: mgb-home.de

Heute vor 1500 Jahren starb Chlodwig, Herrscher der Franken. Eine neue Biografie erzählt, wie ein skrupelloser Kleinkönig innerhalb von nur drei Jahrzehnten ein Riesenreich schmiedete, aus dem schließlich Deutschland und Frankreich hervorgingen

Von Berthold SeewaldWELT ONLINE

Die Geschichte vom „Kelch von Soissons“ zählt zu den großen Mythen Frankreichs. Bei einem Feldzug im Jahr 486 hatte ein fränkischer Krieger ein prachtvolles Gefäß erbeutet. Sein König, obgleich Heide, wollte es dem Eigentümer, dem Bischof von Reims, zurückgeben und erbat das gute Stück. Doch der wütende Soldat zerschlug den Kelch. Ein Jahr später erkannte der König den Mann bei einer Truppeninspektion wieder. Er rügte den Zustand von dessen Waffen und warf sie ihm vor die Füße. Als dieser sie aufheben wollte, hieb Chlodwig „ihn mit der Axt in den Kopf“.

Die Sage, die der Bischof Gregor von Tours in seinen „Zehn Bücher Geschichten“ überliefert, bündelt die zentralen Probleme Galliens am Ende der Antike: „Plünderungen, das Aufeinandertreffen von Heiden und Christen, das Verhältnis der Bischöfe zu andersgläubigen Herrschern, die Hierarchie innerhalb eines ,barbarischen‘ Heeres, insbesondere die Stellung des Königs“, so deutet der Mediävist Matthias Becher die berühmte Stelle. 1500 Jahre nach dem Tod Chlodwigs, für den gemeinhin der 27. November 511 angenommen wird, hat der Bonner Historiker jetzt die erste deutschsprachige Biografie des Königs vorgelegt („Chlodwig I.“, siehe Interview). Denn anders als in Frankreich hielten sich Deutsche in der Beschäftigung mit dem brutalen Machtmenschen zurück.

weiterlesen