Kauder fordert klare Reaktion auf Christenverfolgungen

AFP

Nach der Serie von Anschlägen auf nigerianische Christen an den Weihnachtstagen hat Unionsfraktionschef Volker Kauder eine klare Reaktion der Muslime auf Christenverfolgung in vielen Ländern gefordert. Kauder kündigte im Deutschlandfunk zudem eine Reise in das afrikanische Land im kommenden Jahr an. Bei einem Bombenanschlag auf eine Koranschule im Süden Nigerias wurden mindestens sieben Menschen verletzt.

AFP

Der Islam dürfe nicht schweigen, sondern müsse sich überall in der Welt als eine friedfertige Religion darstellen, sagte Kauder im Deutschlandfunk. Der CDU-Politiker kündigte an, sich im neuen Jahr in Nigeria selbst ein Bild zu machen. Auch werde er sich dafür einsetzen, dass das Thema Christenverfolgung sowohl von der UN-Vollversammlung als auch vom Europarat behandelt werde. Im Gespräch mit den Mittwochszeitungen der WAZ-Gruppe verwies Kauder auch auf die schwierige Lage der Christen im Irak und im indischen Bundesstaat Orissan.

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) sprach sich im „Tagesspiegel“ gegen religiöse Interpretationen der Gewalttaten aus. Man solle lieber fragen, wem diese Angriffe auf Kirchen in Nigeria nutzten, sagte der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek. Sie nutzten nicht dem Islam, sondern jenen, die kein Interesse an der Stabilität des ölreichen Landes hätten.

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Nigerianische Christen kündigen „Antwort“ bei weiteren Anschlägen an

Nach der Anschlagsserie an den Weihnachtstagen hat der Präsident der Vereinigung der Christen Nigerias, Ayo Oritsejafor, im Falle erneuter Anschläge eine „angemessenen Antwort“ angekündigt. „Die christliche Gemeinschaft auf nationaler Ebene wird keine andere Wahl haben, als auf angemessene Weise zu antworten, wenn es weitere Angriffe auf unsere Mitglieder, unsere Kirchen und unseren Besitz gibt“, sagte Oritsejafor am Mittwoch kurz vor einem Treffen mit Staatspräsident Goodluck Jonathan.

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Evangelische Kirche = Institutionalisierte Bettelei

Quelle: DERWESTEN

Freiwilliges Gemeindegeld soll Arbeit der Protestanten vor Ort unterstützen. Ev. Kirchenkreis verzeichnet positive Resonanz.

DERWESTEN

Im Ev. Kirchenkreis Hattingen-Witten sinkt die Zahl der Gemeindeglieder. Die Höhe der Zuweisungen an die Gemeinden dagegen steigt, ist aber begrenzt. Um Finanzlücken auszugleichen, wurde ein freiwilliges Gemeindegeld beschlossen. Das Wunder ist: Es funktioniert.

Kirchenstatistiken zufolge zahlt in beiden großen Konfessionen nur noch knapp ein Drittel der Mitglieder Kirchensteuern. Keine Abgaben müssen beispielsweise Hausfrauen, Rentner, Arbeitslose, Schüler oder Studenten entrichten – wer keine Steuern zahlt, zahlt auch keine Kirchensteuer. Von diesen Gemeindegliedern hat der Kirchenkreis ein freiwilliges Gemeindegeld erbeten – die Höhe bleibt jedem selbst überlassen.

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Künstliche Befruchtung – katholisch und evangelisch

Schwangere Frau (Bild: Stock.XCHNG / Elliott McFadden)

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder möchte die künstliche Befruchtung stärker finanziell fördern. Doch auch aus den Reihen der Union kommt Kritik – unter anderem, weil die christlichen Kirchen der künstlichen Befruchtung skeptisch gegenüberstehen. In der Theologie wird das Thema kontrovers diskutiert.

Von Rainer BrandesDeutschlandfunk

Die lehramtliche Meinung der katholischen Kirche ist eindeutig. Sie lehnt jede Form der künstlichen Befruchtung bei Menschen ab. Die Grundlagen dieser Lehre finden sich in der Instruktion „Donum Vitae“. Diese lehramtliche Erklärung hat die Glaubenskongregation des Vatikans 1987 herausgegeben. Ihr damaliger Vorsitzender war Kardinal Joseph Ratzinger, der heutige Papst Benedikt der Sechzehnte. Kerngedanke des Dokumentes ist die Einheit von sexueller Liebe und Zeugung, erklärt der Freiburger katholische Moraltheologe Eberhard Schockenhoff.

„Die katholische Kirche geht in ihren Lehräußerungen davon aus, dass die Liebe der Eltern und das sexuelle Zusammensein der Eltern und die Zeugung eines Kindes zusammengehören, weil nur auf diese Weise gewährleistet sei, dass das Kind auch tatsächlich als Frucht der Liebe, als Geschenk der Liebe der Eltern und nicht als Produkt eines technisch-medizinischen Eingriffes dann zur Welt kommen kann.“

Demnach äußert sich die Liebe Gottes in der körperlichen Liebe von Mann und Frau. Diese strikte Ablehnung der künstlichen Befruchtung unter Berufung auf die Einheit von Liebe und Sexualität stößt allerdings auch innerhalb der katholischen Kirche auf Kritik, vor allem bei gläubigen Ehepaaren, die auf natürliche Weise keine Kinder bekommen können.

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Das „religiöse“ Jahr in Deutschland

Papst Benedikt XVI. hält seine Rede im Deutschen Bundestag - sein Auftritt dort war nicht unumstritten. (Bild: AP / Markus Schreiber)

Kirchentag, Papstbesuch, Islamunterricht

Von Gottfried BohlDeutschlandfunk

Nach den Missbrauchsfällen von 2010 ging es 2011 für die Kirchen vor allem um die Rückgewinnung ihrer Glaubwürdigkeit. Der Papst kam nach Deutschland und sprach erstmals vor dem Parlament – und Muslime beruhigten christliche Gemüter.

Bischof Franz Josef Bode: „Ich meine, es wäre ein sehr spannendes Jahr gewesen. Es stand ja sehr im Zeichen der Aufarbeitung der Erschütterung des Jahres vorher. Wir haben den Dialogprozess angefangen und wir haben den Papstbesuch erlebt, der viele, viele Menschen ermutigt hat zum Glauben, aber auch zum Nachdenken über viele Fragen.“

Die katholische Kirche in Deutschland blickt zurück auf ein ereignisreiches Jahr, berichtet der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode. Nach der Missbrauchskrise 2010 ging es 2011 zunächst einmal darum, neue Glaubwürdigkeit zu gewinnen. Es gab Gesten der Reue, schärfere Regeln zur Prävention, wissenschaftliche Untersuchungen der Missbrauchsfälle und auch Zahlungen an Opfer. Gänzlich überwunden ist das Trauma damit natürlich noch lange nicht, räumt der Münchner Kardinal Reinhard Marx ein:

„Das ist nicht einfach erledigt durch ein paar schöne Worte. Das ist klar, das ist ein langer Prozess. Deswegen braucht man weiterhin Dialogmöglichkeiten und Wege – sowohl im eigenen Bistum wie auch in der Kirche in Deutschland, in der katholischen Kirche in Deutschland. Das ist immer wieder ein mühsamer Weg.“

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Lieber böse als dumm

«Wir haben akzeptiert, dass die Politiker vor den Finanzmärkten eingeknickt sind»: Der Philosoph David Richard Precht. Bild: AFP

Richard David Precht, Philosoph und Bestsellerautor, sieht in der Ausdünnung des Mittelstandes eine grosse Gefahr für unsere Gesellschaften.

Von Guido KalbererTages Anzeiger

Was sind aus Ihrer Sicht die grossen Fragen 2012?
Der Sprengstoff liegt heute darin, dass unser System zwar legal ist, aber an Legitimität eingebüsst hat. Die Finanzkrise bedroht viel mehr als nur die Wirtschaft. Die Macht der Banken entstand seinerzeit dadurch, dass wir bereit waren, in den fetten Jahren Macht an sie zu delegieren. Wir haben akzeptiert, dass unsere Politiker vor den Finanzmärkten eingeknickt sind, weil die Banken mit Abwanderung drohten. Das wird sich nicht mehr wiederholen. Heute ist das Ganze sehr fragil geworden. Dabei haben wir vorderhand noch das Glück, dass in keinem westeuropäischen Land die Leute kollektiv ihre Spareinlagen verloren haben. Wenn das passieren sollte, wird es enormen politischen Unmut geben. Die entscheidende Frage wird sein, ob dieser Unmut genutzt wird, um das System demokratischer zu gestalten oder um Populisten an die Macht zu bringen.

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Bethlehemer Geburtskirche: Wenn der Heilige Geist sich prügelt

dpa

In der Bethlehemer Geburtskirche sind Priester zweier orthodoxer Konfessionen aufeinander losgegangen.

B.Z.

Der Friede des Herrn war nicht mit ihnen. Auch vom heiligen Geist scheint so mancher Priester der griechisch-orthodoxen sowie der armenisch-orthodoxen Kirche in Bethlehem nicht gerade erleuchtet zu sein.

Während eines Kirchenputzes in der Bethlehemer Geburtskirche droschen Gottesmänner beider Konfessionen mit Besenstielen aufeinander ein. Palästinensische Sicherheitskräfte mussten die aufgebrachten Kutten-Krieger trennen.

Beide Gruppen warfen sich gegenseitig vor, die Priester der jeweils anderen Konfession seien in ihren Bereich eingedrungen. Die beiden orthodoxen Kirchen teilen sich die Kirche über der Grotte, in der Jesus Christus geboren sein soll, mit der katholischen Kirche. Die Bereiche sind genau aufgeteilt und werden eifersüchtig von den Priestern gehütet.

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Schweiz: Gefängnisseelsorge – multiple Götter

Quelle. bistummainz.de

Laut einer Studie des Nationalfonds sollte sich die Gefängnisseelsorge stärker auf die religiöse Vielfalt in den Strafanstalten einstellen. Für Frank Stüfen, Leiter der Zürcher Gefängnisseelsorge, ist diese Forderung in der Realität weitgehend erfüllt.

Von Dorothee VögeliNZZ Online

Eine Nationalfondsstudie erweckt den Eindruck, die Schweizer Gefängnisse würden sich zu wenig um den Einbezug aller religiösen Gruppierungen kümmern. Auf die Zürcher Strafanstalt Pöschwies treffe dieser Befund nicht zu, sagt der reformierte Pfarrer Frank Stüfen. Zusammen mit seinem katholischen Amtskollegen ist er offiziell für alle 440 Insassen der Pöschwies zuständig. Spricht jemand weder Deutsch noch Englisch, stehen fremdsprachige Seelsorger zur Verfügung. Abwechslungsweise leiten die Pfarrer sonntags einen Gottesdienst, während Imame das Freitagsgebet übernehmen. Diese können sich in der Pöschwies genauso wie die christlichen Seelsorger frei bewegen. Auf Wunsch erhalten Muslime ein Menu ohne Schweinefleisch, und es finden interreligiöse Feiern statt.

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Kirchen in Sambia: Homo-Verfolgung statt Entwicklungshilfe

Kirchen in Sambia setzen fragwürdige Prioritäten Bild: Jun Acullador / flickr / cc by-nd 2.0

Im bitterarmen Sambia fordern die katholische und evangelische Kirche, dass der Staat lieber auf westliche Entwicklungshilfe verzichten solle als auf die Verfolgung von Schwulen und Lesben.

QUEER.DE

Wie der „Catholic News Service“ meldet, haben sich neben der katholischen Kirche auch die Anglikaner und evangelikale Kirchen dagegen ausgesprochen, die Gesetzgebung gegenüber sexuellen Minderheiten – wie von westlichen Ländern gefordert – zu lockern. Anlass für die harsche Reaktion der Kirchen war eine Anfang Dezember gestartete Initiative der USA, mit der weltweit Homo-Rechte gefördert werden sollen (queer.de berichtete). Auch europäische Länder haben angekündigt, ihre Entwicklungshilfe an die Einhaltung von Menschenrechten für Schwule und Lesben zu koppeln.

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Benny der „Spalt-Papst“

Papst Benedikt XVI.

Offene Kritik am Papst ist selten – gerade in Italien. Doch der angesehene Vatikan-Experten Politi findet in seiner gerade erschienenen kritischen Papst-Bilanz klare Worte. Er nennt Benedikt XV. einen „sanften Spalter“, der ständig neue Konflikte schaffe und Antworten schuldig bleibe.

Von Tilmann KleinjungARD-Hörfunkstudio Rom

„Es hat in Benedikts Amtszeit so viele Krisen gegeben wie selten zuvor in der Kirchengeschichte“, sagt der Vatikanexperte Marco Politi. Der Journalist, der 20 Jahre für die italienische Tageszeitung „La Repubblica“ aus dem Vatikan berichtete, hat in Italien ein Buch über die aus seiner Sicht glücklose Amtsführung Benedikts XVI. veröffentlicht. Der Titel: „Joseph Ratzinger: Krise eines Pontifikats“ (auf italienisch:“Crisi di un papato“). Bestes Beispiel dafür sei die Deutschlandreise des Papstes im Herbst. Auf die Sorgen und Bedürfnisse der Menschen sei Benedikt nicht eingegangen. „Es war ein einziger Monolog.“

Ein freundlicher Gesprächspartner

So etwas gibt es selten in Italien: offene Kritik am Papst. Vielleicht liegt es an seiner engen Beziehung nach Deutschland, dass Politi sich traut, von der „Krise eines Pontifikats“ zu schreiben. Der 64-Jährige hat eine deutsche Mutter und ist einige Jahre in München zur Schule gegangen. Mit dem Papst verbinden ihn seine Muttersprache und das letzte Interview vor der Papstwahl, das Kardinal Ratzinger ausgerechnet Politi gab. Er habe Ratzinger damals als freundlichen, zugewandten Gesprächspartner erlebt, aber bestimmt in seinen Auffassungen. „Er ist ein sanfter Spalter“, sagt Politi über Ratzinger. „In Italien ist die Hälfte der Katholiken nicht mit ihm einverstanden. Das wollte ich in meinem Buch erklären.“

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Alltagsrassismus grenzenlos

Symbolfoto (Gedenkveranstaltung gegen Gewalt und Rassismus im historischen Sitzungssaal des Wiener Parlaments im Mai 2011); Bild: Wiener Zeitung

Politparolen wie „Daham statt Islam“, Brandreden gegen eine „muslimische Mehrheit“ sowie alltägliche Abwertungen und Klischeedarstellungen von MigrantInnen in Medien zeugen von einer fremdenfeindlichen Grundstimmung in Österreich, die rassistischen Diskriminierungen Vorschub leisten und damit alltagstauglich machen.

Wiener Zeitung

Wie ist es möglich, dass in Österreich rassistische Denk- und Handlungsweisen auch von der Politik legitimiert werden und dass Rechtsextremismus, Populismus und Rassismus ineinander greifen, sich gegenseitig verstärken und dadurch untrennbar sind? Darüber diskutieren im Rahmen des ZARA:Talk die Journalistin Corinna Milborn, Karl Öllinger, (Plattform „stoppt die rechten“, und Nationalratsabgeordneter Die Grünen) sowie Univ. Prof. Mag. Dr. Reinhold Gärtner von der Universität Innsbruck.

Der ZARA:Talk findet am Montag, dem 23. Jänner 2012, um 19:00 Uhr in der  Hauptbücherei am Gürtel, Urban-Loritz-Platz 2a, 1070 Wien, statt.

Das Gespräch wird außerdem aufgezeichnet und zu einem späteren Zeitpunkt auf dem Community-Sender Okto ausgestrahlt. Zusätzlich ist er über die Internetplattform http://www.ichmachpolitik.at als Video abrufbar.

Zahl der Christen schrumpft weiter

idea.de:Verwüstung nach einem Bombenanschlag auf eine Kirche in Kirkuk. Foto: dpa

Die Anschläge auf Kirchen in Nigeria am ersten Weihnachtsfeiertag haben das Schicksal verfolgter Christen in vielen Ländern der Welt erneut in den Fokus der Weltöffentlichkeit gerückt. Mit am härtesten trifft es die Christen im Irak, die dort seit fast 2.000 Jahren zuhause sind.

idea.de

Schätzungen zufolge ist höchstens die Hälfte der beim Einmarsch der USA und ihrer Verbündeten im Jahr 2003 im Land lebenden eine Million Christen geblieben. Der Grund: Islamische Terroristen wollen den Irak von Christen „säubern“. Als Folge hat eine Fluchtwelle ins Ausland und in das nordirakische Kurdengebiet eingesetzt, wo Christen vor Übergriffen besser geschützt sind. Einem Bericht des ARD-Hörfunkstudios Amman (Jordanien) zufolge sind gegenwärtig zwei Millionen der insgesamt 29 Millionen Iraker im eigenen Land auf der Flucht.

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Protest gegen den Fanatismus orthodoxer Juden

Tausende Israelis protestieren in Beit Schemesch bei Jerusalem gegen religiösen Fanatismus und Geschlechtertrennung.© Menahem Kahana/AFP/Getty Images

In Israel haben mehrere Tausend Menschen gegen den Fanatismus ultraorthodoxer Juden protestiert. Sie wollen sich nicht deren Lebensstil aufzwingen lassen.

ZEIT ONLINE

Mehrere Tausend Israelis haben in der Stadt Beit Schemesch bei Jerusalem gegen religiösen Fanatismus demonstriert. Menschenrechtsgruppen hatten zu der Kundgebung in der Stadt, in der viele ultraorthodoxe Juden leben, aufgerufen. Auch Staatschef Schimon Peres hatte seine Landsleute aufgefordert, sich an der Demonstration zu beteiligen.

Die Demonstranten trugen Schilder mit den Aufschriften „Befreit Israel von religiösem Zwang“ und „Bewahrt Israel davor, zu Iran zu werden“. Auslöser für die Proteste ist unter anderem der eskalierende Streit um die von ultraorthodoxen Juden geforderte Geschlechtertrennung in der Öffentlichkeit.

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Ein „brighter“ Vogel und Wissenschaftskommunikation

Quelle: freitag.de

Obwohl viele große Sachbücher seinen Namen tragen, ist der promovierte Biologe und Übersetzer Sebastian Vogel nur heimlich ein Star

Von Kathrin Zinkantder Freitag

Es ist so eine Metapher, die bis heute vor allem Wissenschaftler mögen und an die sich das Publikum leider auch schon gewöhnt hat: Wer etwas über Forschung schreibt, hat in allererster Linie Dolmetscher zu sein. „Komplizierte Sachverhalte anschaulich darstellen“, die fremde Sprache mit ihren Fachbegriffen in eine für Unkundige verständliche Sprache transformieren, das ist die Mission dieses Dolmetschers, der Fachdeutsch ins Deutsche übersetzt, um Bürger im Sinne der Wissenschaft zu informieren – sie aber nicht anspornt, kritische Fragen zu stellen. So war sie zumindest mal gemeint, die Metapher. Aber stimmt sie überhaupt noch?

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Das bröslige Boson

Stets mit dem wichtigsten Element des Sieges gefeiert: einem ganz himmlischen Glas Champagner. Bild: reuters

Elementarteilchenforschung: Ein tolles Jahr mit dem Europäischen Kernforschungszentrum Cern neigt sich dem glücklichen Ende zu.

Von Krikitaz

Rechtzeitig zum Jahreswechsel machen die verrückten Wissenschaftler vom Cern wieder auf sich aufmerksam. Cern – das ist diese Riesenforschungsanlage bei Meyrin im Schweizer Kanton Genf, die manche für den nächsten Weltuntergang verantwortlich machen, weil dort Elementarteilchen aufeinandergejagt werden.

Und dabei ist es passiert: Stellt euch vor, sie haben dort das Gottesteilchen gesehen, das flüchtige Higgs-Boson. Na gut, „gesehen“ ist eher im übertragenen Sinne zu verstehen, aber man kann mit „etwa 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit sagen, dass das Higgs-Boson existiert“, konstatiert die taz.

Die skeptischere Spiegel-Online-Redaktion sprach nur von einer 95-prozentigen Wahrscheinlichkeit, aber das ist ja auch schon unwahrscheinlich wahrscheinlich. Als richtiger Beweis gilt in der Physik aber erst eine Wahrscheinlichkeit ab 99,9999 Prozent. Früher war für einen Beweis noch die 100-Prozent-Wahrscheinlichkeit erforderlich, aber beim letzten physikalischen Konzil wurden die Grenzen etwas gelockert.

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Islam: Säkular in der Vormoderne

Rüdiger Lohlker, wienerzeitung.at

Von Stefan BeigWiener Zeitung

Im Westen gilt „Scharia“ als Schreckgespenst. Doch was bedeutet der Begriff?

Rüdiger Lohlker: Es gibt mehrere Bedeutungen. Das islamische Recht im ältesten Sinn meint die Auseinandersetzung der Rechtsgelehrten mit der Beurteilung der menschlichen Handlungen durch Gott. Da wir nicht genau wissen, was Gott im Sinn hat, müssen wir versuchen, es zu verstehen. Eine andere Bedeutung hat Scharia, wenn sie als Parole verwendet wird, um islamisches Recht einzuführen.

Scharia hat für Muslime auch eine rein lebenspraktische Bedeutung?

Ja. Natürlich kann man auch Scharia als Vorstellung des richtigen Lebens enger und weiter sehen. Entweder bleibt man eng am Buchtstaben, um zu bestimmen, was erlaubt und was verboten ist, oder man sucht auch den Geist hinter dem Buchstaben.

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Pius-Bruderschaft: Fundamentalistische Mission bei den Muslimen

Das Weihnachtsfest bietet nach Ansicht der traditionalistischen Piusbruderschaft „treffliche Anknüpfungspunkte“ für einen neuen Dialog mit dem Islam. Auch der Koran erwähne die Jungfrauengeburt Mariens und die Existenz Jesu, sagte der deutsche Distriktobere der Gemeinschaft, Franz Schmidberger, bei seiner Weihnachtsansprache in Stuttgart.

Radio Vatikan

Eine wesentliche Differenz zwischen Islam und katholischer Kirche liege allerdings im Gottesbegriff, betonte der Distriktobere. Der Islam schließe eine Gottessohnschaft Jesu aus: „Deshalb kennt der Islam auch das Weihnachtsgeheimnis nicht, denn wenn Gott nicht dreifaltig ist, dann kann das Kind in Bethlehem auch nicht die menschgewordene, zweite Person sein“, so Schmidberger. Genau diese „klare Unterscheidung“ eröffne aber eine „hervorragende Gelegenheit, den Diskurs mit dem Islam einzuleiten“.

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Gezähmte Barbaren

Zeichnung der Schlacht bei den Thermopylen, ©Hulton Archive

Steven Pinkers optimistisches Buch „Gewalt“ behauptet, die Welt sei friedlicher geworden. Aber hat der Mensch tatsächlich gelernt, sich selbst zu kontrollieren?

Von Eva IllouzZEIT ONLINE

An Steven Pinkers wuchtigem neuen Buch Gewalt gibt es vieles zu bewundern. Zum einen wird seine zentrale These, der zufolge wir aufgrund eines Rückgangs der Gewalt in besseren Zeiten leben als je zuvor, in ihrer Gewagtheit Konservative wie postmoderne Untergangsapostel gleichermaßen ärgern.

Dass jemand so unerschütterlich wie unmissverständlich an der Idee des moralischen Fortschritts festhält, ist zwar nicht neu. Erfrischend unmodisch aber ist es allemal. Hinzu kommt, dass uns das Buch auf eine atemberaubende Bildungsreise mitnimmt, durch Moralphilosophie, Geschichte, Statistik, Soziologie, Anthropologie, Neurowissenschaften, Evolutionsbiologie, Kognitionspsychologie und Spieltheorie. Alle diese Disziplinen werden mit leichter Hand ins Feld geführt, um zu beweisen, dass Ihr und mein Risiko, durch die Gewalttat eines Fremden oder Nachbarn ums Leben zu kommen, aufgrund beträchtlicher Veränderungen unserer Denk- und Gefühlsmuster erheblich gesunken ist.

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Nachweihnachtliche Religionsbullshistic

Das Kreuz mit den Religionen

Papst Benedikt XVI. hat in seiner Weihnachtsbotschaft angesichts der Krisen und Kriege in der Welt zu Frieden und Solidarität mit den Leidenden aufgerufen.

sueddeutsche.de

Vor Zehntausenden von Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom setzte sich das Oberhaupt der Katholiken am Weihnachtstag für den «Weg der Versöhnung, des Dialogs und der Zusammenarbeit» ein. «Der Herr eile der Menschheit zu Hilfe, die durch so viele Konflikte verwundet ist, die noch heute die Erde mit Blut beflecken», sagte Benedikt: «Wir machen uns zu dem Sprecher derer, die keine Stimme haben». Der Sohn Marias sei für alle geboren, er sei der Retter aller, so machte der Papst den Menschen Hoffnung.

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Jesus war ein Essener(Essäer)

Einige Historiker zählen das weihnachtliche Geburtstagskind zu den Essäern, zu deutsch Essenern. Die religiöse Gruppe hatte im Antiken Judentum aber nicht viel zu lachen. Warum Jesus es als Essener heute deutlich besser hätte, klären wir in einem nicht ganz ernst gemeinten Vergleich.

Von Jennifer SchumacherDERWESTEN

Jesus war ein Essener. Diese Theorie haben zumindest einige Historiker, die das weihnachtliche Geburtstagskind zu den Essäern, zu deutsch Essenern, zählen. Diese religiöse Gruppe im antiken Judentum hatte allerdings nicht viel zu lachen: Die Essener von damals waren strenge Asketen und Vegetarier, lehnten den Umgang mit Frauen ab, mieden Städte, befolgten streng den Sabbat und hatten weder Geld noch Grundbesitz.

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