Nanni Moretti: »Ich bin froh, ein Atheist zu sein«


Bild: (c) Dapd (PROKINO Filmverleih)

Nanni Morettis Vatikan-Komödie »Habemus Papam« kommt nächste Woche ins Kino. Ein Gespräch mit dem Italo-Regie-Star über die Kirche, ihre Skandale und Krach mit Michel Piccoli.

Von Christoph HuberDie Presse

In Ihrem Film „Habemus Papam“ spielt Michel Piccoli einen Kardinal, der zum Papst gewählt wird: Da packt ihn die Panik, und er flieht aus dem Vatikan. Als Religionssatire ist das wesentlich milder als die Filme des Regisseurs Luis Buñuel. Von dem stammt ja das berühmte Zitat, er danke Gott dafür, ein Atheist zu sein. Wie ist das denn bei Ihnen?

Nanni Moretti: Ich bin froh, ein Atheist zu sein! Aber in meiner Jugend war ich gläubig, etwa bis ich 16Jahre alt wurde. Dann habe ich das Vertrauen verloren.

Warum haben Sie den Film dann im Vatikan angesiedelt? Für die Geschichte eines Mannes in der Krise hätten Sie ja nicht unbedingt auf die Kirche zurückgreifen müssen.

Bei der Arbeit am Drehbuch war mir das Bild für eine Szene gekommen, aus der ein Film werden konnte: Wie der Papst, nachdem seine Wahl angekündigt worden ist, es nicht schafft, die paar Meter zu gehen, um sich der wartenden Menge zu zeigen. Das war der Ausgangspunkt: Es ist eine Erzählung davon, dass es die Möglichkeit gibt, „Nein“ zu sagen. Wäre es ein Politiker oder ein Hochfinanz-Manager, der seine Rolle ablehnt, dann wäre es meiner Meinung ein etwas kleinerer, vielleicht sogar ein ärmlicher Film geworden.

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2 Comments

  1. Auch Echnaton hat an einen Gott geglaubt. Andere Urzeitmenschen an viele Götter. „Ei wo sind ´se denn?“

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