„Menschenrechte stehen über göttlichem Recht“


Geht der Sexualkundeunterricht katholischen Eltern zu weit, sollen sie ihre Kinder in eine katholische Schule schicken, empfiehlt Bischof Huonder (Materialien aus dem "Sex Pack" aus dem Kanton Basel) (Keystone)

Der Churer Bischof Vitus Huonder relativiert die Menschenrechte und fordert für Eltern das Recht, Kinder von der Sexualkunde zu dispensieren. Ex-Bundesgerichts-Präsident Giusep Nay sieht darin den Versuch, Katholiken Menschenrechte vorzuenthalten.

Von Renat Kuenzi und Peter Siegenthalerswissinfo.ch

Die Bildungsfreiheit als Menschenrecht garantiere auch Gläubigen der römisch-katholischen Kirche die Freiheiten in der Sexualerziehung, sagt der Bündner Jurist im Gespräch.

Nay war von 2005 bis 2006 Präsident des Bundesgerichts in Lausanne und amtierte von 1989 bis 2006 am höchsten Schweizer Gericht als Richter.

swissinfo.ch: Haben Sie die Polemik um den Hirtenbrief von Bischof Huonder mitverfolgt? 

Giusep Nay: Ich würde keinesfalls von Polemik sprechen, sondern von sehr berechtigten Fragen, die sich stellen und die auch mir unterbreitet wurden.

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3 Comments

  1. @K.O.

    Kindern mit der Hölle zu drohen, zählt für mich aber auch zum Lügen. Ich finde nicht, dass Eltern das Recht haben, ihre Kinder zu verängstigen.

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  2. Da stellt sich zuerst die Frage, was ist eine Lüge oder ab wann ist etwas eine Lüge. Nach der Archäologie und historischen Forschung stimmt nichts vom Inhalt der Bibel. Es sind Mythen, mit denen sich unwissende Analphabeten die von ihnen erlebte Welt erklärt haben. Da nicht jeder gute Phantasien entwickeln konnte, hat jeder Schreiber alter Texte vom jedem anderen kopiert.

    Eltern erzählen ihren Kindern Geschichten und halten zu Handlungen an, weil sie ungebildet, bildungsresistent und durch Gehirnwäsche geprägt sind und objektiv falsch handeln, Dann sind solche Geschichte außer Lügen auch eine grobe Fahrlässigkeit. Die BRD hat 8 % Analphabeten trotz allgemeiner Schulpflicht. Das sind Menschen die kaum ihren Namen schreiben können, aber sie dürfen ihre Kinder „erziehen“. Regelmäßig in die Kirche gehen in der BRD nur noch 3%.

    Eltern erzählen ihren Kindern Geschichten, die sachlich falsch sind und von der Wissenschaft als krasse Dummheit bewertet werden, das ist zusätzlich zur Lüge auch kriminell. Klassisches Beispiel ist die Verweigerung von Bluttransfusionen bei den Zeugen Jehovas, vielfach mit Todesfolge für jemanden, der medizinisch leicht zu retten wäre.

    Ab wann die Gesellschaft die Freiheit der Eltern in der Kindererziehung beschränken darf oder soll, wenn sie grob fahrlässig oder gar kriminell handeln, das ist fast immer unklar. Bis heute geschieht beinahe nichts. Die Verursacher solchen Handelns wie diverse Religionen und Sekten werden dagegen nie belangt. Mit einem Eingriff der Gesellschaft in das Handeln von Religionen und Sekten stände zwangsläufig eine Bewertung an, etwa welchen Wert hat Exorzismus, hilft Beten überhaupt, ist Eucharistie nur Dämonenhumbug, ist Ablaß von Sünden Betrug ?

    Wer bitte soll rechtsbindend entscheiden, was im Einzelfall falsch und was richtig ist. Bei den ZJ scheitern die Ärzte an der persönlichen Freiheit der Betroffenen für eine objektiv falsche Überzeugung in den Tod zu gehen. Dabei geht es nicht um Gottes Recht, fiktive Geister haben keine Rechte, sondern es geht um das persönlich Recht saublöd zu sein und auch so zu handeln.

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  3. Eltern haben natürlich das Recht, ihre Wertevorstellungen ihren Kindern weiterzugeben. Sie haben aber nicht das Recht, ihren Kindern Informationen zu verweigern oder vorzuenthalten, oder gar falsche Informationen zu verbreiten.
    Sie haben das Recht, ihren Kindern zu sagen, sie kämen wegen ausserehelichen Geschlechtsverkehr oder Homosexualität oder Verhütung in die Hölle (und die Kinder müssen lernen, sich mit den Wertvorstellungen ihrer Eltern auseinanderzusetzten und damit zurechtzukommen) – sie haben aber nicht das Recht, ihren Kindern Informationen zu Verhütungsmethoden und safe sex vorzuenthalten, zu behaupten, Masturbation führe zu Blindheit, Mädchen seien asexuell oder Kondome schützen nicht gegen HIV,
    Wer seine Werte nur mit Lügen und dem Vorenthalten von Informationen durchsetzen kann, der sollte sich doch mal fragen, ob es da nicht doch Probleme mit seiner Entellung gibt. Lüge als Mittel zum Zweck: ist das christlich?

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