Bill Hicks – Play from your fucking heart


Bill Hicks (1961 - 1994)

William Melvin „Bill“ Hicks wäre heute 50 Jahre alt geworden. Der US-amerikanische Comedian hinterfragte ständig was in der Welt vor sich ging – von Religion über Politik zu Sexualität und Drogen. Ihm war es egal ob das Publikum ihn für seine Attacken auf die gesellschaftliche Bigotterie ausbuhen würde. Er sagte was er zu sagen hatte.

Hicks hatte eine kleine, aber eingeschworene Fangemeinde. Sein Humor bewirkte mehr als die Menschen zum Lachen zu bringen. Er öffnete die Augen für eine neue Denkweise. Unglücklicherweise war Hicks Comedy viel zu kontrovers für die meist Konservativen in Fernsehsendern und Politik. Er war seiner Zeit voraus. Selbst in 2011 ist Bill Hicks zu „gefährlich“ für die Hauptsendezeit auf z.B. CBS.

Bill Hicks wuchs hauptsächlich in Houston, Texas auf – seine Eltern strenggläubige Baptisten – und in ziemlich jungem Alter erkannte er bereits den Wahnsinn des modernen amerikanischen Familienlebens. Obwohl gesagt werden muss, dass sich viel jugendliche Angst anscheinend aus dünner Luft materialisierte und nur weil es schien das Richtige zu tun, hatte Hicks einen ziemlich guten Riecher, was das Problem war: Regeln, der Status quo und Stagnation.

Mit 15 schlich Hicks sich heimlich aus dem Haus um in Comedy-Clubs in Houston aufzutreten. Kurze Zeit später war er bereits die Hauptattraktion. Im Alter von 18 Jahren tourte er in Vollzeit durch die USA. Mit 19 zog er nach Los Angeles und stand auf der Bühne des Comedy Store in Hollywood, wo fast jeder bekannte Comedian auftrat: Seinfeld, Dice, Leno, Shandling. In Los Angeles machte Bill Hicks auch seine erste Erfahrung mit Drogen.

Er verbrachte die meiste Zeit der 1980er Jahre mit Alkohol und Rauschgift. Die Theater begannen sich zu leeren und er bekam eine schlechte Reputation als Künstler. Zum Ende der 1980er Jahre hörte Hicks auf, Drogen zu nehmen und begann ununterbrochen aufzutreten. Er absolvierte mehr als 250 Shows pro Jahr und wurde bekannter. Er trat 11-mal in David Lettermans Late Show auf. Sein zwölftes Erscheinen fiel einer umstrittenen Schere zum Opfer. Der Auftritt, Angriffe auf Pro-Lifer und Christen enhaltend, war vor der Sendung genehmigt worden und ein voller Erfolg beim Publikum. Letterman selbst gratulierte Hicks zu seiner Vorstellung. Trotzdem wurde dieser Teil der Show später nicht ausgestrahlt. Weder der Sender CBS noch die Produzenten der Show wollten die Verantwortung für diese Entscheidung übernehmen.

Hicks schrieb, wegen des Vorfalls, einen langen Brief (der auch ein Transkript seines Auftritts enthielt) an John Lahr vom New Yorker Magazin. Es ist ziemlich offensichtlich welche spezielle Gruppe CBS nicht vor den Kopf stoßen wollte. Die ganze Situation zeigt, dass es O.k. ist hirnlose Witze zu erzählen, aber falsch den Rand zu überschreiten und sich über Gruppen wie die christliche Lobby lustig zu machen. Und es ist auch faszinierend, zu sehen, dass je weniger kritisch man verschiedenen Problemen bezüglich des Status quo gegenübersteht, desto leichter wird man zur Beute der Werbeindustrie.

Bill Hicks war ein Anhänger der politischen Willens- und Handlungsfreiheit. Meinungsfreiheit war für ihn ein absolutes Gut. Jede Art der Zensur war mit Faschismus gleichbedeutend. Nach Bill Hicks Ansicht waren hauptsächlich die USA schuld am Krieg in der Welt. „We keep arming these little countries and then we go and blow the shit out of them. We’re like the Bullies of the world, you know.“ Der Irakkrieg war für ihn unverhältnismäßig: „First of all, it needs to be said: There never was a war. How can i say that? Well, a war is when two armies are fighting.“

Sich weiter mit dieser Idee bewegend, begriff er, dass all das mit den Medien, der Regierung, und großen Unternehmen zu tun hatte. In diesem Spiel war das Fernsehen ein zweckentfremdetes Mittel, dazu da die Bevölkerung ruhig zu halten. Es konnte natürlich auch die feine Strategie des Konsums, auf der unsere Gesellschaft beruht, erschüttern:

So there, we have figured it out, go back to bed America, your government has figured out how it all transpired. Go back to bed America, your government is in control again. Here, here’s American Gladiators. Watch this, shut up! Go back to bed America, here’s American Gladiators. Here’s 56 channels of it. Watch these pituitary retards bang their fucking skulls together and congratulate you on living in the land of freedom. Here you go America – you are free, to do as we tell you.

Es ist nicht falsch zu sagen, dass Bill Hicks die Kirche hasste. Er wies auf den potenziellen Konflikt hin, als der Feuerknopf für die Atomraketen von fundamentalistischen Christen kontrolliert wurde, die wörtlich an die „Feuer und Schwefel“-Ereignisse im Buch der Offenbarung glauben. Er stellte die Praxis infrage, Kreuze zu tragen, vorschlagend, dass das letzte Ding, das Jesus würde sehen wollen, ein Kreuz sei. „It’s like going up to Jackie Onassis with a little sniper-rifle pendant on. Hello Jackie, we’re thinking to John.“

Hicks war ein großer Befürworter der Evolution, nicht nur der Evolution der menschlichen Form, auch der Evolution des Gedankens, des Bewusstseins. Ideen sind nicht schlecht oder gefährlich und je mehr wir zensieren, je mehr wir echte künstlerische Freiheit ersticken, desto mehr stagniert die menschliche Evolution. Diese Stagnation wird von Produzenten und Sponsoren der Sender, die den Zuschauer so dumm und gedankenlos wie möglich halten wollen, verursacht.

Seine Karriere fand ein frühes Ende. Bill Hicks starb am 26. Februar 1994 an den Folgen eines Krebsleidens.

A lot of us amateurs can make people laugh and some of us can occasionally even make people think twice about the daily nonsense of their lives. But with his clarity of vision and gift of words, if Bill Hicks had had any more time he might have started a revolution.

– Keith Olberman

Was Hicks revolutionär machte, und eine Legende in der Folge von Lenny Bruce und George Carlin, war seine kompromisslose Reise zum Kern der Wahrheit, jede Facette der Hölle auf Erden bis in ihre Einzelteile auseinanderpflückend.

The world is like a ride in an amusement park and when you choose to go on it you think its real, cos that’s how powerful our minds are. The ride goes up and down and round and round, it has thrills and chills and it’s very brightly coloured and it’s very loud. And it’s fun, for a while. Some people have been on the ride for a long time and they begin to question, is this real? Or is this just a ride? And other people have remembered and they come back to us and say “Hey! Don’t worry, don’t be afraid ever because – this is just a ride. And we shoot those people…. we always kill the good guys who try and tell us that, you ever notice that? And let the demons run amok …but it doesn’t matter, because it’s just a ride. And we can change it any time we want. It’s only a choice. No effort, no work, no job, no savings of money. Just a simple choice, right now, between fear and love. The eyes of fear want you to put bigger locks on your doors, buy guns, close yourself off. The eyes of love instead see all of us as one.

Here’s what we can do to change the world, right now, to a better ride. Take all that money we spend on weapons and defenses each year and instead spend it feeding and clothing and educating the poor of the world, which it would pay for many times over, not one human being excluded, and we could explore space, together, both inner and outer, forever, in peace.

Das waren seine letzten Worte am Ende eines Auftritts.

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