Vernunft und Glaube


Aus Spektrum der Wissenschaft 01/2012 Kostenloses Probeheft

Die Theologie reklamiert für sich rationales Denken und Wissenschaftlichkeit – trotz ihrer Bindung an die Religion. Dabei geht es ihr vor allem darum, innere Widersprüche zu beseitigen, aber auch um die Auseinandersetzung und Abstimmung mit anderen Disziplinen. Doch ist hier ein Konsens überhaupt möglich?

Von Christian TappSpektrum.de

Die Vernunft „ist die höchste Hur, die der Teufel hat“. „Wer … ein Christ sein will, der … steche seiner Vernunft die Augen aus.“ Keine Frage: Solche Äußerungen muss man vor ihrem historischen Hintergrund lesen, in diesem Fall der Reformationszeit. Und man sollte Martin Luthers Position nicht mit solchen polemischen Spitzen verwechseln. Aber sind solche Sprüche nicht typisch für eine verbreitete Einstellung im Verhältnis von Vernunft und Glaube? Häufig treffe ich auf diese Gegensätze: Entweder jemand ist rational, denkt nach und zweifelt, oder er glaubt eben einfach. Entweder einer ist modern und weltoffen, oder er verschanzt sich hinter traditionellen Riten und Ansichten. Entweder man kann als Philosoph radikal Fragen stellen, oder man ist „verkommen in der Verbrämung mythischer und theosophischer Metaphysik und Mystik“ (Heidegger). Wie steht es wirklich um das Verhältnis von Glaube und Vernunft, von Religion und Wissenschaft?

Das Christentum hat in seiner Geschichte immer beide Tendenzen gekannt, hat sich mal der Vernunft geöffnet und sich dann wieder ängstlich vor ihr verschlossen. Schon Paulus schrieb der Gemeinde von Kolossai folgende Warnung ins Stammbuch: „Gebt Acht, dass euch niemand mit seiner Philosophie und falschen Lehre verführt, die sich nur auf menschliche Überlieferung stützen und sich auf die Elementarmächte der Welt, nicht auf Christus berufen“ (Kolosser 2,8). Auf der anderen Seite hat kaum ein anderer biblischer Autor so sehr vernünftig für den Glauben argumentiert wie Paulus.

Die grundsätzlich positive Haltung zur Vernunft hat besonders in der katholischen Tradition stets dominiert. Doch gab es immer auch einen gewissen Argwohn gegenüber allzu kritischem Denken. Und das nicht ohne Grund: Denn dem Selbstverständnis der Christen zufolge ist der Glaube nichts, was man sich selbst gemacht hat, sondern ein Geschenk, das man durch eine lange Traditionskette hindurch aus Gnade erhalten hat.

Was aber heißt hier „der“ Glaube? Schließlich ist es keineswegs deckungsgleich, was in kirchlichen Lehrtexten steht, in Predigten verkündet, im Religionsunterricht gelehrt oder von Christen tatsächlich geglaubt wird. Außerdem fallen im deutschen Wort „Glaube“ zwei Aspekte zusammen, die etwa das Englische durch faith und belief auseinanderhält. Was also ist Glaube, und was macht sein Wesen aus? Das versucht die Fundamentaltheologie zu klären. Sie geht davon aus, dass Glaube etwas mit religiösen Überzeugungen zu tun hat, also mit bestimmten Inhalten, die für wahr gehalten werden; daneben aber auch mit Vertrauen und einer persönlich-existenziellen Antwort auf eine göttliche Offenbarung.

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5 Comments

  1. Das ganze ist damit zu erklären: Der Kaiser sagte zum Priester: Halte du die Menschen dumm, ich halte sie arm.
    So ist es früher gewesen, und wird weiter fortgesetzt, bis in die heutige Zeit.

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  2. Das Christentum hat in seiner Geschichte immer beide Tendenzen gekannt, hat sich mal der Vernunft geöffnet und sich dann wieder ängstlich vor ihr verschlossen.
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    Das Christentum hat sich niemals irgendwann der Vernunft geöffnet. Wissen ohne Glauben gilt als antireligiös – wer wenig weiß, der muss viel Glauben.

    Papst Ratzfatz erleuchtet mit seiner kreationistischen Enzyklika Spe-Salvi die Menschheit: „den positiven Beiträgen aus der Wissenschaft Rechnung zu tragen und zu Lösungen zu kommen, die in voller Übereinstimmung mit der Lehre der Kirche stehen“.

    Wissenschaft ist eine Methodologie des Zweifels, sie nutzt Hypothesen, Theorien, Fossilien, Tests wieder und immer wieder auf der Suche nach begründbaren Antworten für eine allen Forschern zugängliche und beliebig wiederholbare Realität. Forschendes Denken im Zweifel als zentrales Element neuer Erkenntnis reduziert die religiöse ewige Wahrheit als Unsinn. Die etwa 4350 Religionen erschöpfen sich als parasitärer geistiger Diebstahl in anderen Kulten. Zweifel an den geklauten Mythen der Religion sind verboten und werden mit Drohungen vom Ausschluß bis hin zum Mord bestraft.

    Das Christentum vernichtet ab 500 n.C. diktatorisch alle Formen unabhängigen und kritischen Wissens, die Bibel wird zum Maß aller Dinge. Das 3-teilige öffentliche Schulsystem des antiken Roms mit Fachschulen für Medizin, Recht und Philosophie müssen schließen. Öffentliche Bibliotheken und Thermen werden verboten oder abgefackelt. Nur die Bischöfe bestimmen die Grundlagen der Wissenschaften.

    Analphabetentum breitet sich wieder aus, mit bis zu 95% sind selbst Könige und Kaiser unfähig die Gesetzte zu lesen, die sie entscheiden. Das römische Weltreich ist nicht an einfallenden Barbaren zerbrochen, sondern weil ausgebildete Verwalter auf allen Ebenen fehlen, die gut rechnen und schreiben können. Universitäten und deren Fakultäten werden bis 1827 n.C. geschlossen, wenn die Wissenschaft keine Erkenntnis gemäß der Bibel liefert. Die Universität von Salamanca reduziert sich so von 12.500 Studenten auf 300 in nur 250 Jahren.

    Dogmen wie ein männlicher Fötus erhält nach 40 Tagen eine Seele, ein weiblicher aber erst nach 80 Tage, obwohl eine Unterscheidung unmöglich ist, sind bindend. Das bezeugt medizinisches Unwissen des All-wissenden gepaart mit Menschenverachtung. Das All-Wissen der Päpste wie Leo XII ist sinnfreies Geschwurbel in krasser Idiotie: „Jeder, der eine solche (Pocken)Impfung vornimmt, ist kein Sohn Gottes mehr … Die Pocken sind ein Gericht Gottes….die Impfung ist eine Herausforderung des Himmels“.

    Wer glaubt, der hat sein Vernunft in die Mülltonne gesteckt

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  3. Was hat dieser Glaube noch mit Vernunft zu tun. Diesen Brief habe ich heute an unsere Oberchristin Frau Merkel geschrieben. Werte Frau Kanzlerin
    Wann fangen Sie an sich um die wirklichen Probleme zu kümmern?
    Wieso durfte der Oberhirte der katholischen Kirche unseren Bundestag betreten, bei diesen grauenvollen Unternehmen Kirche, deren Vorsitz er innehat. Niederlande: Untersuchungskommission legt Bericht vor
    Geistliche missbrauchten Tausende Kinder

    Das Ergebnis einer Untersuchungskommission ist erschreckend: In den Niederlanden wurden zwischen 10.000 und 20.000 Kinder in katholischen Einrichtungen missbraucht. Die Kirche habe zudem versucht, derartige Fälle aus Angst vor Skandalen zu vertuschen.

    Von Ludger Kazmierczak, WDR-Hörfunkstudio Den Haag

    Eine Hand hält ein Stück Papier und eine Kette mit einem Kreuz (Foto: dpa) Großansicht des Bildes Die Zahl der Missbrauchsfälle in den Niederlanden liegt bei bis zu 20.000. Nachdem die sechsköpfige Untersuchungskommission im August des vergangenen Jahres ihre Arbeit aufgenommen hatte, brachen viele Missbrauchsopfer ihr Schweigen. Rund 1800 Meldungen gingen ein – Berichte über leichten, schweren und nicht selten sehr schweren Missbrauch. Nach Auswertung aller Aussagen kommt die von der Bischofskonferenz berufene Kommission zu dem Schluss, dass allein zwischen 1945 und 1981 zwischen 10.000 und 20.000 Minderjährige in katholischen Heimen und Internaten von Geistlichen sexuell missbraucht wurden.
    „Kultur des Schweigens“

    Und die Kirche, so der Vorsitzende der Kommission, Wim Deetmann, habe von diesen Fällen gewusst und mit einer Kultur des Schweigens auf die Problematik reagiert: „Die Behauptung, dass die Kirche von dem Risiko nichts wusste, dass sie überhaupt nichts wusste, kann so nicht stehen bleiben. Das betrifft übrigens nicht nur die Orden und die Geistlichkeit, auch in Teilen der katholischen Bevölkerung wusste man davon.“ Wieso schweigen Sie zu diesen wirklichen Problemen, die mit Geld niemals wieder gut zumachen sind. Als bekennende Christin müssen Sie da doch auf den Tisch hauen.
    Herzliche Grüße

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  4. Schon alleine die Lutherschen Wahnsinnssprüche beweisen eindeutig, „Vernunft und Glaube“ sind so gegensätzlich wie „Theologie und rationales Denken“. Der ständige Versuch der Theologen und ihrer Wasserträger, beides in Einklang bringen zu wollen, wurde bereits in der griechischen Sagenwelt durch die beispielhaft, unnütze Tätigkeit des Sisyphus ad absurdum geführt. Eines muß man allen Narren allerdings lassen, sie sind ungeheuer hartnäckig.

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