E. Schockenhoff: Päpstliche Kommunikationsstörungen


Bei seinem letzten Besuch in Deutschland hat Papst Benedikt XVI. klar gemacht, dass Frauen in der katholischen Kirche keine Ämter übernehmen sollen

Eberhard Schockenhoff ist Professor für Moraltheologie in Freiburg und einer der renommiertesten Vertreter seines Fachs. Johannes Adam hat mit ihm über Erscheinungsbild und Außenwirkung der katholischen Kirche gesprochen.

Von Johannes Adam Badische Zeitung

BZ: Herr Schockenhoff, der Papstbesuch in Deutschland war für viele ein Ereignis. Die in diesen Besuch gesetzten und zum Teil überzogenen Hoffnungen, etwa bei der Ökumene oder dem Kommunionempfang wiederverheirateter Geschiedener, aber wurden fast alle enttäuscht. Hinterher herrschte eine Leere, war es, als seien Kirche und Gesellschaft in ein Loch gefallen. Sehen Sie das auch so?
Eberhard Schockenhoff: Dass es überzogene Hoffnungen im Vorfeld gab, ist sicher richtig. Allerdings gab es auch realistische Erwartungen, die durchaus erfüllbar gewesen wären. Diese Hoffnungen wurden enttäuscht, weil der Papst auf dem Gebiet der Ökumene und der wiederverheirateten Geschiedenen keine Bewegung gezeigt hat. In der Ökumene wurde die Frage gestellt, wie es sich in konfessionsverschiedenen Ehen verhält. Es ist immerhin so: Zwei getaufte Christen, ein evangelischer und ein katholischer, sind durch die Ehe verbunden, die ja nach katholischem Verständnis ein Sakrament ist. Somit ist der evangelische Teil gleichsam schon in der sakramentalen Ordnung der katholischen Kirche. Es ist gar nicht so einfach zu begründen, warum er dann von der Kommunion ausgeschlossen werden soll, auch wenn beide Kirchen noch immer unterschiedliche Vorstellungen von dem haben, was Einheit bedeutet. Das ist das grundsätzliche Problem, das einer generellen Abendmahlsgemeinschaft im Weg steht. Nach katholischer Auffassung gehört die sichtbare Einheit zum Verständnis der Kirche hinzu. Nach evangelischem Verständnis ist zur Einheit ausreichend, dass Kanzeltausch und Mahlgemeinschaft möglich sind. Dann können die Kirchen auch nach dem Modell der versöhnten Verschiedenheit getrennt nebeneinander existieren. Trotz dieser Differenzen wäre realistisch erwartbar gewesen, dass bei konfessionsverschiedenen Ehen die katholische Kirche selber einen ersten Schritt tut.

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