Mittelalter: Zu Unrecht verachtet


Niclaus Gerhaert von Leyden (um 1430–1473), Selbstbildnis Foto: Musée de l'Oeuvre Notre-Dame, Strasbourg/M. Bertola

Die mittelalterliche Gesellschaft war, weiß Gott, keine Spaßgesellschaft. Dennoch ist die Auseinandersetzung mit den finsteren Zeiten aktueller denn je. Denn das Mittelalter kann den Deutschen bis heute einiges über sie selbst erzählen

Von Christian ThomasFrankfurter Rundschau

Überall ist Mittelalter“ lautete vor einigen Jahren der Titel eines enorm erfolgreichen Buchs, eines Longsellers seitdem, der das Langzeitgedächtnis mit dem Gedanken an eine Zeit der drastischen Gegensätze vertraut machte. Nicht dass das Buch Horst Fuhrmanns exklusiv bekanntmachte mit einer uns weiterhin prägenden Geschichte, wohl aber nachdrücklich mit der unübersehbaren Vielfalt ungelöster Probleme. Der Untertitel „Gegenwart einer vergangenen Zeit“ war kein leeres Versprechen.

Vielerorts war Mittelalter, auch im abgelaufenen Jahr, in Naumburg ebenso wie in Frankfurt am Main, von Basel über Speyer bis Berlin und Potsdam, wo Brandenburgs Mittelaltererbe gerade in zwei Ausstellungen vor Augen geführt wird, als ferner Schatz, als naheliegende Erbschaft einer Zeit krasser Missverhältnisse und eklatanter Widersprüche. Nicht dass die mittelalterliche Gesellschaft bereits eine Risikogesellschaft gewesen wäre, aber im mittelalterlichen Leben war die Unsicherheit allgegenwärtig.

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1 Comment

  1. Im Geiste stecken die Schwarzröcke noch immer im tiefsten Mittelalter. Wenn es ihnen nicht zu peinlich wäre, würden sie noch immer mit dem Hexenhammer unter dem Arm Frauen verfolgen, die jetzt sogar aktive Mitarbeit einfordern. Sie sind eigentlich selbst schuld. Sie, die am meisten unter diesen Zuständen gelitten haben, hängen diesem Irrglauben am stärksten an.

    Aktiver Exorzismusdienst ist doch auch ein wahrhaft guter Beweis für die Rückständigkeit dieser Gang.

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