Ein Comeback für Lamarcks Theorie zur Vererbung erworbener Eigenschaften?


Quelle: Neue Zürcher Zeitung

Die Anzeichen häufen sich: Umwelteinflüsse hinterlassen vererbbare Markierungen auf dem Erbgut und ändern womöglich sogar den gene- tischen Code. Bestätigt sich dies, müsste die Evolutionstheorie erweitert werden.

Von Johannes GräffNZZ Online

Der französische Zoologe Jean-Baptiste Lamarck stellte 1809 in seinem Buch «Philosophie Zoologique» eine neue Theorie zur Entstehung der Arten vor. Diese besagt, dass wechselnde Umweltbedingungen die Eigenschaften eines Organismus derart beeinflussen, dass diese sich über Generationen hinweg weitervererben und am Ende die betroffene Art selbst verändern. Das hierfür am meisten zitierte Beispiel ist der Hals der Giraffe. Demnach haben Giraffen einen langen Hals, weil dieser sich durch ein ständiges Strecken nach den am höchsten hängenden Blättern verlängerte. Die Giraffen mit den längsten Hälsen können sich am besten ernähren und haben mehr Nachkommen, an die sie ihre langen Hälse vererben.

Darwin war überzeugender

Lamarcks Theorie einer Vererbung erworbener Eigenschaften findet in der modernen Evolutionsbiologie jedoch wenig Anklang. Dies hat zum einen mit weiteren von Lamarck postulierten, heutzutage jedoch abstrus anmutenden evolutionären Kräften zu tun, zum Beispiel einer Art «Vervollkommnungstrieb», wonach jeder Organismus nach einem ihm vorgegebenen idealen Artvorbild strebt. Zum anderen wurde Lamarcks Idee von Charles Darwins 1859 vorgestellter und heute in Wissenschaftskreisen breitflächig akzeptierter Theorie der natürlichen Selektion verdrängt. Diese besagt, dass neue Eigenschaften eines Organismus rein zufällig entstehen und der Umwelt lediglich eine Selektionsrolle zukommt.

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3 Comments

  1. Was soll überhaupt der Darwinismus sein?
    Es gibt eine Evolutionstheorie (von mehreren), die von Darwin vorgestellt und seitdem erforscht und weiter verfeinert wurde. Darwin selbst wusste noch nichts von der Rolle der Gene oder überhaupt etwas über Gene.
    Dass auch epigenetische Faktoren die Evolution von Spezies beeinflussen, ist relativ neu (auch schon ein paar Jahre alt [siehe hier: http://forum.brights-deutschland.de/viewtopic.php?f=6&t=2747 ]) passt aber immer noch gut ins Bild, ohne das gesamte Modell über den Haufen zu werfen.
    Was ist daran jetzt dubios?

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  2. „Zum einen bestätigt die Epigenetik eher den Lamarckschen Ansatz (den man daran BEOBACHTEN kann), “

    Nein, man kann nicht beobachten, dass Hälse länger werden „durch Benutzung“, Augen besser werden durch „Benutzung“ und Gesäße der Kinder dicker und besser gepolstert werden wenn die Eltern viel drauf hockten. 😉

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  3. Je mehr Forschungsergebnisse bekannt werden, desto dubioser wird der Darwinismus. Zum einen bestätigt die Epigenetik eher den Lamarckschen Ansatz (den man daran BEOBACHTEN kann), während evolutionstheoretische Ergebnisse, etwa Neubildungen von Arten, immer noch auf sich warten lassen, und zum anderen kommt Stück für Stück ans Tageslicht, dass „primitive“ Organismen z.T. mehr Gene und/oder Chromosomen haben als „entwickeltere“ und dabei solche zu Anlagen, die sie im Leben nicht brauchen konnten.

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