Hans Kessler über den szientistisch-naturalistischen Fundamentalismus


Hans Kessler, Bild: Uni-Frankfurt

Das christliche Schöpfungsverständnis Hans KESSLERs
Eine Kritik aus naturalistisch-wissenschaftlicher Sicht

von Martin Neukamm

HANS KESSLER vertritt in seinem Buch „Evolution und Schöpfung in neuer Sicht“ die Auffassung, Evolution und christlicher Schöpfungsglaube seien miteinander vereinbar. Kreationistische Positionen, die eine artübergreifende Evolution leugnen und an deren Stelle gezielte Schöpfungsakte setzen, lehnt er als pseudowissenschaftliches Gedankengut, als „Missdeutung des Schöpfungsgedankens“ (p. 17) ab. Weder habe Gott die Welt und das Leben in 6 buchstäblichen Tagen durch sein Wort erschaffen, wie der Kreationismus (sensu stricto) behauptet, noch beeinflusse er die Evolution durch direktes Eingreifen, wie die Vertreter des intelligenten Designs annehmen. Wer so denke, mache Gott klein – schlimmstenfalls zu einem Handwerker, der die Strukturen seiner unvollkommenen Geschöpfe immer wieder „nachjustieren“ müsse. Solche Auffassungen gingen auf Konfrontation mit den Naturwissenschaften und setzten dadurch die Glaubwürdigkeit des christlichen Glaubens aufs Spiel. Aus KESSLERs Sicht wirke Gott vielmehr durch Evolution. Gott sei ständig in der Schöpfung präsent, ohne mit evolutionsbiologischen Mechanismen zu konkurrieren.


KESSLERs Sicht repräsentiert mehrheitlich das Schöpfungsverständnis der christlichen Amtskirchen. Der auf TEILHARD DE CHARDIN zurückgehende Leitsatz: „Gott macht nicht die Dinge, sondern er macht, dass die Dinge sich selber machen“ wird als tragfähige Brücke zwischen der naturalistischen Evolutionstheorie und dem christlichen Schöpfungsglauben gesehen (p. 153). Eine andere Lesart dieses Schöpfungsverständnisses ist, dass Gott nicht selbst kreativ werde, sondern der Materie Kreativität verleihe: „Gott zwingt die Dinge nicht in eine bestimmte Richtung, sondern lädt ein, wirbt, lockt“ (p. 134). Dadurch werde verständlich, dass die Evolution keinen direkten Wege, sondern vielfältige „Umwege und Abwege“ einschlage.
Aus KESSLERs Sicht ist ein (konsequent) naturalistisches Wirklichkeitsverständnis ebenso eine dogmatische Position wie der Kreationismus, weil es die Evolution (genauer: die Methode der Wissenschaft) weltanschaulich überhöhe. Betrüblicherweise spricht er gar von „szientistisch-naturalistischem Fundamentalismus“ (p. 27). Was ist dazu aus naturalistisch-wissenschaftlicher Sicht zu sagen?

weiterlesen im Referat zur Tagung: „Allmacht oder Ohnmacht? – Über Gottes Wirken in der Welt“. 10.12.11, Hohenheim

2 Comments

  1. Hans Kessler und der Papst vertreten die gleiche These, dass nämlich die Evolution mit dem Gottglauben (und der Bibel) vereinbar sei. Eine ziemlich gewagte These, für die der Wahrheitsbeweis allerdings fehlt. Aber wegen solcher Nebensächlichkeiten lassen sich überzeugte Religioten doch nicht in ihrem Glaubenswahn beirren.

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  2. Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht.

    Albert Schweitzer

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