Die Torheit ging, die Idioten blieben


Erasmus von Rotterdam, um 1500. Bild: gemeinfrei

Vor 500 Jahren schrieb Erasmus von Rotterdam seinen Beststeller „Lob der Torheit“
Wenn von Toren die Rede ist, erwarten wir heutzutage Ausführungen über Fußball. Die Wörter Tor und Torheit sind, ähnlich wie die verwandten Begriffe Narr oder Schelm, zum Spezialvokabular von Literaturwissenschaftlern und Deutschlehrern verkommen. Das war zu Beginn des 16. Jahrhunderts ganz anders. Da zählte die Torheit zu den neuralgischen Vokabeln, die ganze Völkerschaften elektrisierte. Und das lag an einem einzigen Mann: Erasmus von Rotterdam, der 1509 ursprünglich für rein private Zwecke das „Lob der Torheit“ schrieb und im Jahr 1511 erstmals veröffentlichte.

Von Hektor HaarkötterTelepolis

Nach seiner Veröffentlichung einige Jahre später wurde das kleine Werk schnell zu einem der ersten europäischen Bestseller, brachte seinem Verfasser jede Menge Ärger ein und schuf eine völlig neue Literaturgattung. Ganz schön viel auf einmal für ein schmales Büchelchen, das von seinem Verfasser lediglich als rhetorische Fingerübung – und noch dazu auf Latein! – gedacht war. Aber machen wir es nicht wie die Toren und beginnen wir am Anfang.

Erasmus erblickte das Licht der Welt in der zweiten Hälfte des 15.Jahrhunderts. Licht der Welt, lateinisch „lumen mundi“, wird er selbst später als Gelehrter genannt. Doch das genaue Geburtsjahr des Erasmus liegt im Dunkeln, die Angaben schwanken zwischen 1465 und 1469.

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1 Comment

  1. Torheit war damals sicher etwas anderes als heute, auch wenn heute ein Tor (außerhalb des Sports) immer noch als Trottel oder Einfaltspinsel gilt

    Vielleicht hat Erasmus von Rotterdam darunter etwas verstanden, was wie heute als Religiotie bezeichnen
    Religiotie (religiöse Idiotie) ist eine Form geistiger Behinderung verursacht durch religiöse Indoktrination vornehmlich im frühen Kindesalter. Sie führt schnell zu unterdurchschnittlich kognitiven Leistungen und Einschränkungen des affektiven Verhaltens in Glaubensfragen. Anders als die pathologische Form der Intelligenzminderung bedingt Religiotie nicht immer einen reduzierten Intelligenzquotienten. So wie es beim autistischen Syndrom eine „Inselbegabung“ gibt, so gibt es alternativ auch eine „Inselverarmung“. Religiotie sollte vornehmlich als „partielle Entwicklungsstörung“ verstanden werden – ein Begriff gebildet vom Psychologen Franz Buggle. Religiote hälten deswegen die absurdeste Idiotie für wahr.

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