„Syrische Christen fühlen sich vom Westen verraten“


Christen in Syrien zünden zur Sonntagsmesse in einer syrisch-orthodoxen Kirche Kerzen an. Foto: Dung Vo Trung/LookatSciences/laif

Mehr als sechs Prozent der Bevölkerung im Krisenland Syrien sind Christen. Sie haben Angst, in dem Konflikt zwischen dem Regime des alawitischen Clans von Präsident Baschar al-Assad und der mehrheitlich sunnitischen Protestbewegung unter die Räder zu geraten. Das Oberhaupt der mit Rom unierten Syrisch-Katholischen Kirche, Patriarch Ignatius Joseph III. Younan, wirft westlichen Regierungen vor, sie opferten die Rechte der Minderheiten in Nahost ihren geostrategischen und wirtschaftlichen Interessen.

Die Fragen stellte Anne-Béatrice Clasmannevangelisch.de

Es gab in den vergangenen Monaten unter den Vertretern der syrischen Kirchen Diskussionen darüber, wie sich die Christen in dem Konflikt zwischen Präsident Assad und der Protestbewegung positionieren sollten. Wie ist der aktuelle Stand der Debatte?

Ignatius Joseph III.: „Wir, die Christen des Nahen Ostens, sind enttäuscht von der Politik der Europäischen Union und der Vereinigten Staaten. Denn wir stellen fest, dass die Europäer und die Amerikaner die Fragen des Nahen Ostens nur unter politischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten sehen. Sie sind zu dem Schluss gekommen, dass es unvermeidbar ist, dass in diesen Ländern islamische religiöse Fanatiker an die Macht kommen werden, und sie haben resigniert. Wir Christen fühlen uns von ihnen verraten.“

Was sagen Sie zum Vorwurf der Opposition, die christlichen Kirchen in Syrien unterstützten das Regime, obwohl dieses die Menschenrechte missachte?

Ignatius Joseph III.: „Ja, man wirft uns vor, auf der Seite des Regimes zu stehen, aber wir wollen letztlich nur erreichen, dass unsere Gemeinden in Frieden leben können. Und wir haben immer das Negativbeispiel des Irak vor Augen, wo viele unserer Glaubensbrüder auswandern mussten.“

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1 Comment

  1. Da wird der Papst den syrischen Christen in seiner unendlichen Großzügigkeit ebenfalls 500 Ostereier schenken, so geschehen bei den iatlienischen Erdbebenopfern. Da hat jeder der Betroffenen 5% eines päpstlichen Ostereis bekommen, davon dürfte ihm heute noch schlecht sein

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