Der Tod bringt die Kultur voran


Plakat für eine Ausstellung mit der Caricatura Kassel (Ausschnitt)

Das Kasseler Museum für Sepulkralkultur feiert seinen 20. Geburtstag. Im hr-online-Interview spricht Museumschef Reiner Sörries darüber, was am Tod schön ist und welchen Einfluss soziale Netzwerke auf den Umgang mit dem Sterben haben.

hronline.de

Vor genau 20 Jahren eröffnete der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker feierlich das Museum für Sepulkralkultur. Was am Anfang noch skeptisch beäugt wurde, ist inzwischen aus der Kasseler Kulturlandschaft nicht mehr wegzudenken. Jedes Jahr bietet das Haus die unterschiedlichsten Veranstaltungen an. Sie alle befassen sich mit den Themen Tod, Bestattung und Trauerkultur.

hr-online: Herr Sörries, was ist am Tod so schön, dass er ein eigenes Museum verdient hat?

Reiner Sörries: Es gibt zwei wesentliche Impulse in der Menschheitsgeschichte, die die Kultur immer weiter vorangebracht haben: der eine ist die Liebe, der andere ist der Tod. Beide bewegen die Kreativität der Menschen, weil es sich bei der Liebe und beim Tod um zwei absolut rätselhafte, unerklärliche Dinge handelt, wo auch die Naturwissenschaft die letzten Geheimnisse nicht lösen kann.
Deswegen hat der Tod ein eigenes Museum verdient und man möchte sich das Gleiche für die Liebe wünschen, der nur das Erotikmuseum in Berlin gewidmet ist, was aber nicht vergleichbar ist. Also, der Tod ist ein kulturgeschichtliches und kulturelles Thema, und das behandeln wir im Museum für Sepulkralkultur.

1 Comment

  1. Bisher war ich stets der Meinung, dass es die Lebenden sind, die die Kultur voran bringen oder voran gebracht haben. Dass dieser Fortschritt in vielerlei Hinsicht aber auch angezweifelt werden muß, wird am „Fortschritt“ der religiösen „Kultur“ deutlich sichtbar. Wenn das Fortschritt sein soll, dann sollten wir diese „Aktivitäten“ doch lieber den Toten überlassen. Die produzieren nämlich garantiert weniger göttlichen Schwachsinn.

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