J’ACCUSE: Fegefeuer der Käseplatten


Quelle: The European

Sollte ich mit meinem Atheismus Unrecht haben, dürfte ich im Fegefeuer landen. Für die Hölle reichen meine Untaten nicht, andererseits wäre es ungerecht, wenn ich gleich 72 Jungfrauen bekäme. Mit zunehmendem Alter frage ich mich daher, wie es wohl im Fegefeuer aussieht. Und komme zum Ergebnis: Es ist ein Frühstücksbüfett.

Von Alan PosenerWELT ONLINE

Im Paradies – oder in einem guten Hotel – wirst du an einen Platz geleitet, wo du in Ruhe die Speisekarte studierst, um dann wie immer Orangensaft und Assam-Tee, Eier mit Speck, Toast mit gesalzener Butter und bitterer Orangenmarmelade zu bestellen. Im Fegefeuer beginnt die Qual mit der Platzsuche. Nahe am Büfett? Dann quetschen sich alle Leute an dir vorbei. Weit weg? Dann ist alles kalt, bevor du wieder am Platz bist. Den gewählten Sitz gilt es – etwa mit einer Zeitung – zu markieren, während du einen Orangensaft holst; dich vor der Kaffeemaschine anstellst, wo es zehn Arten gibt, die alle gleich schmecken, und wo garantiert jemand gerade dann vergisst, eine Tasse runterzustellen, wenn du daneben stehst. Dann überlegen, ob du den Kaffee zum Platz zurückbringst, wo er erkalten wird, während du dich beim Rührei anstellst, oder ihn mitnimmst, wo er über die Eier schwappt. Und wenn du wieder am Tisch bist, sitzt jemand da und liest deine Zeitung.

weiterlesen