„Die Kirche hat sich tief erschüttern lassen“


Pater Klaus Mertes: Ex-Rektor des von Jesuiten betriebenen Canisius-Kollegs (©dapd)

Jesuitenpater Klaus Mertes (57) brachte vor genau zwei Jahren die Aufdeckung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche mit ins Rollen. Er versucht im Interview eine Zwischenbilanz der Aufarbeitung zu stellen und benennt weitere notwendige Schritte, so müsse sich seiner Meinung nach die katholische Sexualmoral ändern.

domradio.de

KNA: Pater Mertes, sind Sie zufrieden mit den Konsequenzen und Lehren, welche die Kirche, der Jesuitenorden und die Jesuitenschulen in den vergangenen beiden Jahren in Sachen Missbrauch gezogen haben?
Mertes: Zufrieden kann man nie sein bei diesem Thema. Aber zumindest habe ich das Gefühl, wir haben getan, was wir tun konnten. Auch wenn das nicht bedeutet, dass dies allen Opfern ausreicht.

KNA: Sie standen und stehen in Kontakt mit zahlreichen Personen, die von katholischen Geistlichen missbraucht wurden. Können Sie hier eine vorläufige Bilanz ziehen?
Mertes: Es gibt verschiedene Gruppen: Opfer, die sich versöhnt haben – mit der Jesuitenschule, mit meinem Orden oder mit der katholischen Kirche insgesamt. Es gibt auch Opfer, die sehr dankbar sind für das, was in den vergangenen beiden Jahren passiert ist. Es gibt aber auch Opfer, die sich zornig abgewandt haben oder die von der Kirche angebotene Anerkennungssumme von 5.000 Euro empört als viel zu gering abgelehnt haben. Anderen wiederum hat diese Geste geholfen.

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