Der Pfarrer als Präsident: Joachim Gauck und der Holocaust

Alan Posener, Bild: WELT ONLINE

Dass ein Pfarrer, wenn auch ein Pfarrer im Ruhestand, der es offensichtlich mit der christlichen Sexualmoral nicht so ernst nimmt, Präsident der Bundesrepublik Deutschland wird, ist ein Novum.

Von Alan Posenerstarke-meinungen.de

Ich bin keineswegs überzeugt, dass dies ein gutes Zeichen ist. Es ist eine Sache, wenn eine Bischöfin Kässmann die Afghanistan-Politik oder ein Bischof Lehmann die Abtreibungsgesetzgebung kritisieren. Ihre Räson ist eben nur bedingt die Staatsräson, und das ist in Ordnung so; die Kirchen sind Parallelgesellschaften, in denen letztendlich gefordert wird, die Loyalität zu Gott über die Loyalität zum Staat zu stellen.

Gerade deshalb sollten aber die Funktionäre der Kirchen auf eine gewisse Distanz zum Staat achten – und der Staat auf eine gewisse Distanz zu den Kirchen. Und deshalb ist es eine andere Sache, wenn einer aus diesen Reihen, plötzlich das Amt innehat, das die Staatsräson verkörpert.

Weiterlesen „Der Pfarrer als Präsident: Joachim Gauck und der Holocaust“

Paris: Keine orthodoxe Kirche neben dem Eiffelturm?

Bürgermeister von Paris gegen orthodoxe Kirche neben Eiffelturm. © RIA Novosti. Jurjew Alexander

Der Bürgermeister von Paris, Bertrand Delanoe, hat sich gegen das Projekt eines geistlich-kulturellen Zentrums der russisch-orthodoxen Kirche auf einem Grundstück in Paris ausgesprochen, das zum Unesco-Weltkulturerbe gehört.

RIA Novosti

Das Projekt sieht den Bau einer Fünf-Kuppel-Kirche vor, die über ein Glasdach mit dem Kulturzentrum verbunden sein soll. Delanoe ist sicher, dies würde die Harmonie dieses historischen Stadtteils von Paris zerstören. Kein Bauvorhaben an den Seine-Ufern, die als Weltkulturerbe unter dem Schutz der Unesco stehen, sei ohne Begutachtung durch internationale Experten möglich, hieß es.

Er verwies darauf, dass bei dem Wettbewerb zur Bebauung dieses Grundstücks gelungenere Ideen präsentiert worden seien, die dem Erscheinungsbild der französischen Hauptstadt besser Rechnung tragen würden.

weiterlesen

Bischöfe, das kirchliche Arbeitsrecht und der „Dritte Weg“

Robert Zollitsch
Robert Zollitsch (CC-by-sa/3.0/de by Schwarzwälder)

Es ist ein alter Streit: Geht es den rund 1,3 Millionen Angestellten der Kirchen in Deutschland schlechter als ihren Kollegen bei anderen Arbeitgebern? Nein, sagen die Bischöfe – und gehen in die Offensive.

domradio.de

Gewerkschafter wie die Leute von ver.di sagen ja und fordern die Abschaffung der kirchlichen Sonderwege bei der Tariffindung. Und sie finden Rückhalt für ihre Forderungen bei den Grünen und der Linkspartei, die das Thema im März erneut auf die Agenda des Bundestags gesetzt hat.

Am Dienstag ging der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz außerhalb der Tagesordnung der Frühjahrsvollversammlung in Regensburg in die Offensive. Die Kirche zahle „in der Regel“ besser, betonte er. Sie gehe außerdem gegen die wenigen schwarzen Schafe in den eigenen Reihen vor, die durch Outsourcing oder Leiharbeit die Gehälter zu drücken versuchten. Im übrigen sei die Tarifbindung der kirchlichen Einrichtungen mit „mindestens 80 Prozent“ sehr hoch. Bis Ende 2013 müssten sich die Tarifflüchter entscheiden: Entweder sie kehren zurück oder sie verlieren die kirchliche Anerkennung.

weiterlesen

BBC-Generaldirektor Marc Thompson und das Christentum

Bild: http://www.presseportal.de

Das Christentum verträgt nach Auffassung von BBC-Generaldirektor Marc Thompson einen raueren Umgang in den Medien als andere Glaubensrichtungen. BBC würde nie eine ähnlich satir. Produktion wie „Jerry Springer: The Opera“ über Muslime ausstrahlen

kath.net

Das Christentum verträgt nach Auffassung von BBC-Generaldirektor Marc Thompson einen raueren Umgang in den Medien als andere Glaubensrichtungen. Die christliche Religion besitze als etablierter Teil der kulturellen Landschaft «ziemlich breite Schultern», sagte der Chef des britischen Senders laut «Daily Mail» (Montag). Andere Glaubensrichtungen seien hingegen mit ethnischen Minderheiten verbunden und müssten daher weitaus sensibler behandelt werden. So werde der Islam «fast gänzlich» von Menschen praktiziert, die sich bereits anderweitig isoliert oder Vorurteilen ausgesetzt fühlten, zitiert ihn die Zeitung.

weiterlesen

Solinger kämpfen gegen das „Kalifat“

Eine Passantin geht in der Solinger Konrad-Adenauer-Straße an der Millatu-Ibrahim–Moschee vorbei, die sich im Hinterhof des weißen Gebäudes befindet. Foto: DPA

In Solingen machen sich radikal-islamistische Salafisten breit. Bürger und Politiker kämpfen jetzt gemeinsam gegen die Extremisten.

Von Florian FladeWELT ONLINE

Angriffe auf Journalisten, Hasspredigten bei YouTube, Aufmarsch von Rechtsextremisten – radikale Islamisten halten das nordrhein-westfälische Solingen auf Trab. Seitdem ein fundamentalistischer Prediger aus Österreich einen Moschee-Verein übernommen hat, wehren sich Bürgerinitiativen und Politiker gegen das islamistische Treiben in der Stadt.

Doch Extremisten beider Lager scheinen die angespannte Situation für sich nutzen zu wollen – ein gesellschaftliches Pulverfass in der bergischen Provinz.

Und plötzlich hat sie Solingen erreicht: die Angst vor der Islamisierung und Terroranschlägen, vor den bärtigen Männern, die jeden Freitag in die kleine Hinterhof-Moschee an der Konrad-Adenauer-Straße pilgern. Seit Wochen nun ist die öffentliche Debatte die nordrhein-westfälische Provinzstadt Fest im Griff des Salafismus. Die Anhänger dieser ultrakonservativen Islam-Variante bringen besorgte Bürger auf die Barrikaden und zwingen Politiker zum Handeln.

weiterlesen

Gottes Werk und Darwins Beitrag

Foto: brightsblog/Naturkundemuseum Berlin

Menschen, Tiere, Pflanzen sind nicht in einem Schöpfungsakt entstanden, sondern Ergebnis der Evolution: Charles Darwins Erkenntnis war in der Wissenschaft ein Riesenerfolg, dennoch gibt es bis heute Streit darum.

volksfreund.de

Am absoluten Anfang sagte Gott drei Worte: „Es werde Licht.“ Und es ward Licht. Nachzulesen ist dieser Erzähleinstieg im Alten Testament. Mit ihm beginnt die Genesis, die biblische Schöpfungsgeschichte. Sie ist ein Mythos von der Geburt des Lebens, einer von vielen.
Ob Ägypter, Chinesen oder die Urvölker Australiens, ob Griechen, Sumerer oder Juden: Sie alle kennen Schöpfungsmythen, die ihnen die Entstehung der Welt und ihren eigenen Ursprung erklären sollen.

Kulturgeschichte der Menschheit

Dass es vielleicht doch kein Machtwort Gottes oder eine Laune der Götter war, mit der das diesseitige Leben begann, und auch keine göttliche Lotosblüte, aus der es stieg: Diese Ahnung dämmerte bereits einigen Menschen in der Antike. Denker wie Thales von Milet suchten nach nicht-mythologischen Erklärungen für das Prinzip Leben.

Wasser als Ursprung des Lebens

Der griechische Naturphilosoph meinte, das Wasser sei Ursprung allen Lebens. Sein Zeitgenosse Anaximander ging einen Schritt weiter: Er nahm an, dass die ersten Menschen sich aus fischähnlichen Wesen entwickelten, also im Wasser entstanden und später an Land gingen. Anaximander vermutete also bereits eine Art evolutionären Prozess hinter der Entstehung des Lebens.

weiterlesen

Die US-Präsidentschaft, Kandidat Rick Santorum und seine erzkonservativen Ideen

Bild: AG EvoBio

Zurzeit laufen in den USA die Vorwahlen der Republikaner zur nächsten Präsidentenwahl. Mehrere Kandidaten sind im Rennen, einer von ihnen ist der erzkonservative Rick Santorum, der von sich mit rechts-populistischen Slogans Reden macht und damit ganz erstaunliche Erfolge erzielt.

Von Andreas BeyerAG EvoBio

So glaubt er nicht an ein Recht auf Privatsphäre, auch nicht innerhalb der Ehe. Abtreibung lehnt er in jedem Fall – auch bei Inzest und Vergewaltigung – ab. Santorum verdammt Homosexualität und erst recht homosexuelle Beziehungen in jeder Form und meint, ein Vater im Gefängnis sei besser als ein homosexueller Vater: Homosexualität, Analverkehr, Sodomie und Inzest setzt er gleich. Einen Klimawandel gibt es seiner Ansicht nach nicht, der sei bloß von den Linken erfunden worden. Die Trennung von Staat und Religion will er aufheben; in der Schule soll Kreationismus gleichberechtigt mit der Evolutionstheorie gelehrt werden.

Weiterlesen „Die US-Präsidentschaft, Kandidat Rick Santorum und seine erzkonservativen Ideen“

(Wahl)kampf um die Christen auf dem „Markplatz der Religionen“

Nicht nur unter katholischen Schwestern findet Präsidentschaftsbewerber Santorum (l.) Anhänger. Foto: AFP/Pugliano

Eiferer gegen die Homoehe und Schwangerschaftsabbrüche selbst nach einer Vergewaltigung machen im Vorwahlkampf lautstark von sich reden. Der tiefreligiöse republikanische Präsidentenbewerber Rick Santorum ist im Aufwind. Wo aber steht die bisher schweigende Mehrheit der US-amerikanischen Christen?

Von Max Böhnel ND

In keinem anderen Land der Welt sind die Christen so schwer zu durchschauen wie in de USA. Das liegt zum einen daran, dass »Gods own country« im Vergleich mit anderen Industrienationen tatsächlich eine Bastion des Glaubens geblieben ist. Zwei Drittel der Amerikaner glauben, dass es einen Gott gibt, in Westeuropa nur ein Drittel. Fast die Hälfte der US-Amerikaner geht einmal pro Woche in die Kirche – in Skandinavien jeder Zwanzigste, im katholischen Spanien jeder Vierte. Dazu kommen die Bedeutung von Religion in der Gesellschaft, die schiere Masse und die unvergleichliche Vielfalt der Christen, die das Land zwischen Atlantik und Pazifik zur Ausnahmenation in Sachen Christentum machen. 76 Prozent der Bevölkerung sind nach den letzten verfügbaren Zahlen von 2008 Christen, schätzungsweise also 235 Millionen. Damit sind die USA das Land mit den meisten Christen weltweit.

weiterlesen

Klimawandel-Skeptiker, Heartland Institute und gehackte E-Mails

Screenshot der Website des Heartland Institute

Klimawandel-Skeptiker vom Heartland Institute hatten gehackte E-Mails genutzt, um Widersacher zu diskreditieren. Jetzt offenbaren interne Dokumente eine peinliche Abhängigkeit des Instituts von der Industrie

Von Hermann PloppaTelepolis

Das Heartland Institute war nie zimperlich. Jene große Phalanx von Wissenschaftlern, die vor einer massiven Klimaveränderung durch Abgase und Partikel von Industrie, Verkehr und Landwirtschaft warnen, wurde von jener kleinen kampflustigen Denkfabrik aus Chicago angeklagt: Die Diagnostiker des Klimawandels seien hysterische Alarmisten. Sie wollten die Wirtschaft mit „sozialistischen“ Regulierungen in die Knie zwingen. Sie wollten die Öko-Diktatur, um interessierten Kreisen aus der regenerativen Energiebranche wirtschaftliche Vorteile zu verschaffen. Um materielle Vorteile zu ergattern, hätten die „Klima-Alarmisten“ Statistiken verfälscht und unklare Befunde allzu eindeutig interpretiert.

Weiterlesen „Klimawandel-Skeptiker, Heartland Institute und gehackte E-Mails“

Konrad Zdarsa: »Kirche ist keine Demokratie«

Bild. T-Online

Unbeeindruckt von heftiger Kritik hält der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa an seinen Plänen für eine grundlegende Sturkturreform in seiner Diözese fest. Bei verantwortungsvollen Entscheidungen dürfe man sich nicht von Stimmungen leiten lassen, sagte Zdarsa dem in Ingolstadt erscheinenden „Donaukurier“ (Montagausgabe). Dass ihm das als Arroganz ausgelegt werde, damit müsse er rechnen. Zudem warb der Bischof am Wochenende in einem Hirtenbrief bei den Gläubigen um Offenheit für die geplanten Reformen.

T-Online

In dem Hirtenwort zur Fastenzeit, das am Sonntag in allen Gottesdiensten in der Diözese verlesen werden sollte, betonte Zdarsa: „Es wird notwendig sein, Vertrautes und Gewohntes mutig zu überdenken, Kräfte zu bündeln, Strukturen zu vereinfachen und neue Wege zu beschreiten.“ Er habe mit seinen Mitarbeitern über eine „Neuordnung der pastoralen Räume“ nachgedacht. „Das bedeutet nicht, dass gravierende Veränderungen quasi ‚über Nacht‘ und ‚von oben‘ vorgenommen werden“, versicherte der Bischof. Vielmehr habe hier „der vernünftige, respektvoll vorgenommene Dialog seinen Platz“.

weiterlesen

„The Boss“ Bruce Springsteen: Katholizismus ist schlecht fürs Sexualleben

Foto: dapd

„Einmal Katholik, immer Katholik“

Freie Presse

Der Rockmusiker Bruce Springsteen hält sich aufgrund seiner katholischen Erziehung für einen Moralisten. Als Kind habe er „eine Art katholische Gehirnwäsche durchgemacht“, sagte der 62-Jährige dem Nachrichtenmagazin „Focus“. „Einmal Katholik, immer Katholik“, fügte Springsteen hinzu. Seine Schule sei von Nonnen geführt worden, „da hatte ich natürlich einschlägigen Unterricht“, sagte der Musiker. „Allerdings hat sich der Katholizismus dann doch auch negativ ausgewirkt, zum Beispiele auf mein späteres Sexleben“, gestand Springsteen.

Anne Frank von Mormonen-Sekte posthum getauft

Bild: Israel Magazin/YadVashem

Anne Frank, wurde in diesem Monat von der christlichen Sekte der Mormonen in einem Ritual posthum getauft. Die Zeremonie fand Berichten zufolge, am vergangenen Wochenende in einem Tempel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, in der Dominikanischen Republik statt.

Israel Magazin

Aufgedeckt wurde der skandalöse Vorfall von Helen Radkey, einem ehemaligen Mitglied der Mormonen-Sekte, die sich zu einem Hinweisgeber auf solche Aktivitäten entwickelt hat. Anne Frank, wurde im Zeitraum von 1989 und 1999 bisher mindestens ein Dutzend Mal getauft, sagte Radkey der Huffington Post.

Der neuerliche skandalöse Vorfall, ist mitlerweile der Zweite innerhalb von einer Woche, nachdem entdeckt wurde, dass die Eltern von Nazi-Jäger Simon Wiesenthal im letzten Monat von der Sekte postum getauft wurden. Wiesenthal war ein Überlebender des Holocaust, der 2005 starb. Seine Mutter wurde 1942 im Nazi-Todeslager Belzec ermordet.

weiterlesen

Zollitschs kognitive Dissonanzen: „bibeln“ statt „googeln“

Robert Zollitsch
Robert Zollitsch (CC-by-sa/3.0/de by Schwarzwälder)

Wer Antworten auf offene Fragen sucht, sollte nicht immer „googeln“, sondern manchmal auch „bibeln“. Dazu ruft die katholische Kirche auf.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, schreibt in einem Hirtenbrief zur Fastenzeit, die Bibel gebe hilfreichere und verlässlichere Antworten als das Internet. – Katholiken und Protestanten feiern in ihren Gottesdiensten an diesem Wochenende den Beginn der Fastenzeit, die bis Ostern dauert. Die evangelische Kirche hat in diesem Jahr das Motto „Gut Genug“ ausgegeben und will dazu anregen, sieben Wochen lang auf Perfektionismus zu verzichten.

Deutschlandradio Kultur

Und Gott schuf den Neandertaler nach seinem Ebenbild

Skelett eines Neandertalers (American Museum of Natural History

Schloss Benrath, Kaiserswerth oder doch das Neandertal? In diesem Jahr wird die Unesco eine Vorentscheidung darüber treffen, was in ihre berühmte Welterbe-Liste einzigartiger Kulturstätten aufgenommen wird. Weltweit hat sind derzeit 725 Kultur- und 183 Naturdenkmäler dort verzeichnet.

VON GERT KAISERRP ONLINE

Das ist schon ein Wort wie ein Donnerschlag: „Weltkulturerbe“. Es verlangt nach Ehrfurcht und Staunen. Und wenn man auf der Kölner Domplatte vor dem gewaltigen Bauwerk steht, dann begreift man dieses Wort in seiner ganzen Wucht. Ja, das ist ein Erbe für uns und die ganze Welt und für unser aller Nachkommen.

Zum offiziellen Begriff wurde das Wort durch die Kulturabteilung der Vereinten Nationen, die Unesco. Seit den 1970er Jahren verleiht sie diesen Titel, und bisher sind über neunhundert Stätten in mehr als 150 Staaten in die begehrte Liste aufgenommen. Davon sind über 700 Kulturdenkmäler und knapp zweihundert Naturdenkmäler wie zum Beispiel das Wattenmeer der Nordsee.

Niemand hätte für möglich gehalten, welch dramatischen Erfolg diese Aktion der Unesco hatte. Der globale Tourismus orientiert sich an dieser Liste, und das erklärt die Anstrengungen, in sie aufgenommen zu werden. Vom Kommerziellen aber abgesehen ist die Liste des Weltkulturerbes ein Beleg dafür, dass eine wirkliche Weltkulturpolitik möglich ist.

weiterlesen

Twitter und @BenedictusPPXVI

Benedikt XVI. bekommt sein eigenes Twitter-Konto, auf dem er seine wichtigsten Ansprachen veröffentlichen wird. @BenedictusPPXVI lautet das Konto, das im Vatikan für den Papst eingerichtet wird, sagte Erzbischof Claudio Maria Celli.

Salzburger Nachrichten

Celli erläuterte, dass der Papst künftig seine Ansprachen beim sonntäglichen Angelus-Gebet auf Twitter veröffentlichen wird. Schon am Mittwoch hatte das Twitter-Konto @Pope2YouVatican die Mitteilungen des Papstes zum Aschermittwoch in 40 Tweets verschickt. Der Papst hatte bereits am 28. Juni 2011 sei erstes „Tweet“ anlässlich des Starts des Nachrichtenportals News.va verschickt. Auf News.va werden Nachrichten aus den zahlreichen Presseorganen des Vatikan im Internet zusammengeführt.

weiterlesen

Lammert: „protestantisch veranlagter Katholik“

Norbert Lammert und Papst Benedikt XVI. im Bundestag

„Glaube trennt – Handeln vereint“, hieß es in früheren Phasen der ökumenischen Bewegung. Heute ist dieses Losungswort gleichsam auf den Kopf gestellt.

Von Gernot FaciusWELT ONLINE

Norbert Lammert an der Seite des Papstes: Die Bilder gingen durch die Medien, sie zeigten den zweiten Mann im Staat, den Spiritus Rector der Bundestagsrede von Benedikt XVI, als treuen Sohn seiner Kirche. Doch mit seinem öffentlichen Bekenntnis, er verstehe sich als „protestantisch veranlagter Katholik“, hat Lammert einen Aufschrei unter seinen Glaubensgeschwistern provoziert.

Über ihm schwebt der Verdacht, mit wiederholten Hinweisen auf einen kirchlichen Reformstau und mit seiner Kritik am Zölibat eine Protestantisierung der römisch-katholischen Kirche anzustreben – mit „Errungenschaften“, wie sie als Ausweis für eine andere, moderne Form des Christentums gelten:

weiterlesen

„Lux in Arcana“: Die Ausstellung zum Geheimarchiv des Vatikans

Das „Privatarchiv des Papstes“ bewahrt auf 85 Kilometern Akten und Folianten auf. (Bild: Vatikan)

Die Ausstellung „Lux in Arcana“ zeigt in Rom Stücke des sagenumwogenen Vatikanischen Geheimarchivs. Die Ausstellungsmacher standen bei der Konzeption der Museumsschau vor ganz weltlichen Problemen.

Von Kordula DoerflerKölner Stadt-Anzeiger

Der Ort ist Stoff für Legenden und Mythen, für dunkle Gerüchte und finstere Verschwörungstheorien. Seit Jahrhunderten beflügelt er die Phantasie der Menschheit, unvorstellbar Grauenvolles und unsagbar Geheimes soll die Kirche hier verstecken, hinter rötlichen Ziegelmauern in vier Stockwerken über und vor allem unter der Erde, in einem Tunnel im Innersten des Vatikans. Der Herr über dieses Reich des Schreckens lacht, er kennt dessen Ruf nur allzu gut. „Schon allein der Vatikanstaat, dieser kleinste Staat der Welt mit seinen eigenen Regeln, fasziniert die Menschen“, sagt Seine Exzellenz Sergio Pagano, Präfekt des Vatikanischen Geheimarchivs. „Für das Archiv gilt das erst Recht. Das Meiste aber gehört ins Reich der Erfindung.“

weiterlesen

Lateinischer Patriarch von Jerusalem: Religion und Politik strikt trennen

Fouad Twal, Foto: wikimedia

Missionsverbot, Übergriffe radikaler Siedler auf Kirchen, die Last der Kirchengeschichte: Israel tut sich nicht leicht mit dem Christentum – Ein Gespräch mit dem Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Fouad Twal.

Von Oliver MaksanDie Tagespost

Eure Seligkeit, immer wieder beschweren sich katholische Geistliche in Israel, dass ultra-orthodoxe Juden vor Ihnen ausspuckten. Ist diese Form des Anti-Katholizismus repräsentativ für das Land?

Es sind nicht so sehr anti-katholische, sondern ganz allgemein anti-christliche Vorurteile. Denken Sie an die jüngsten Graffiti-Anschläge auf eine orthodoxe und eine baptistische Kirche in Jerusalem. Die wurden wahrscheinlich von radikalen Siedlern ausgeführt, die nicht zwischen Katholiken und anderen christlichen Konfessionen unterscheiden. An die baptistische Kirche haben sie deshalb auch geschrieben „Tod den Christen“. Das gilt uns allen. Insofern sitzen wir Christen hier im Heiligen Land alle im selben Boot. Tatsächlich erleben unsere Geistlichen, aber auch Armenier und Orthodoxe, im Alltag häufig, was Sie eingangs genannt haben – sowohl als Einzelne, aber auch während der Prozessionen durch die Jerusalemer Altstadt etwa zur Grabeskirche. Ich habe darüber mit dem Oberrabbinat Israels gesprochen. Sie verurteilen, was manche Siedler und Ultra-Orthodoxe tun. Entschuldigung und Verurteilung sind aber nicht genug. Die jüdische Seite muss fragen, woher dieses Verhalten stammt, etwa vor einem Priester auszuspucken. Meiner Meinung nach liegt es in der Erziehung begründet. In den Religionsschulen wird den jungen Leuten dieses Verhalten beigebracht.

weiterlesen

Doing God und wohlfeiles politisches Potential

Christlich oder gläubig. Dawkins meint, eine Nation könne sich nicht mehr zum Christentum bekennen, wenn die Leute kaum noch glauben. Doch, doch, sie kann.

Von Michael PrüllerDie Presse

Vorige Woche ging es hier um den Religionskritiker Richard Dawkins. Er hat eine Umfrage unter Briten durchführen lassen, die sich als Christen bezeichnen. Demnach hält nur eine Minderheit zentrale Glaubensinhalte des Christentums hoch, und auch nur eine Minderheit folgt den offiziellen Positionen zu Abtreibung, Homosexualität usw. Dawkins: „Es zeigt sich, dass die meisten britischen Christen sehr wenig gemeinsam haben mit den christlichen Lobbyisten, die behaupten, in ihrem Namen zu sprechen.“ Politiker, die sich Wahlerfolge davon versprächen, dass sie die Gottkarte spielen („doing God“), wären nun eines Besseren belehrt.

weiterlesen

Die Egelsbacher Kreuze und vom „Afterdienst Gottes“

Bild: forum.brights-deutschland.de

Im Süden Hessens wird der religiöse Kulturkampf Deutschlands ausgefochten. Egelsbach, im Landkreis Offenbach gelegen praktiziert offensichtlich einen etwas fundamentalistischen Umgang mit religiöser Symbolik im öffentlichen Raum.

Es ist ein Kreuz mit dem Kreuz, für die Einen das Instrument an dem der „Erlöser“ starb, für die Anderen ein Tötungsinstrument, welches über Jahrhunderte zum Vollstrecken von Todesurteilen Verwendung fand. Wir alle können froh sein, dass Jesus, so es ihn denn jemals gegeben hat, am Kreuz starb, nicht unterm Fallbeil, auf dem elektrischen Stuhl oder mit einem gespritzen Giftcocktail. Nein das Kreuz. Man stelle sich vor, in unseren Städten und Gemeinden würden symbolhaft modifizierte Guillotinen, Richtblöcke oder elektrische Stühle stehen und angebet. Den 6.000 Rebellen des Spartacus, die an Kreuze genagelt die Via Appia von Rom nach Capua säumten, dürfte das Kreuz in keiner guten Erinnerung sein.

Weiterlesen „Die Egelsbacher Kreuze und vom „Afterdienst Gottes““