Islamische Investments als alternative Geldquelle


Abdelhak El Kafsi, einer der Gründerväter des modernen "Islamic Banking"

Anleihen. In Europa haben Unternehmen und Staaten Probleme, Geld auszuleihen. Dabei wird eine liquide Quelle außer Acht gelassen: islamische Finanzierungen.

Von Edith LacknerWirtschafts Blatt

Wien als Finanzzentrum für CEE -von diesem Wunschbild heimischer Wirtschaftsromantiker ist in Anbetracht verlustreicher Engagements der Austro-Banken in Mittel-und Osteuropa mittlerweile nicht viel mehr als ein Klischee geblieben. Abdelhak El Kafsi, einer der Gründerväter des modernen „Islamic Banking“, hat die Bundeshauptstadt hingegen fix am Radar. Der Grund: Österreich und die umliegenden Länder entwickeln eine Reihe von Projekten, die in schariakonformen Investitionsplänen gefragt sind. Dabei geht es um viel mehr als die in Mitteleuropa zunehmend forcierten Vorhaben bei Wind-und Solarenergie.

Kapital für spezifische Zwecke

Investoren, die nach den Regeln des Islam anlegen, müssen nämlich nicht nur ethisch korrekt investieren-sprich nicht in Rüstung, Alkohol, Tabak und andere der Scharia zufolge bedenkliche Felder. Sie leihen ihr Geld auch grundsätzlich nicht einem Unternehmen, das in Folge darüber frei verfügen kann -die islamkonforme Anleihe („Sukuk“) sieht vielmehr vor, dass das Kapital nur sehr spezifischen Zwecken dient. „Bei einem herkömmlichen Bond kann ein Staat oder Unternehmen sagen:, Gebt mir Geld, ich garantiere euch die Rückzahlung‘, fertig. Beim islamischen Sukuk muss der Aussteller alle Details eines konkreten Projekts, das damit finanziert werden soll, offenlegen. Es ist totale Transparenz gefragt“, erklärt El Kafsi im Interview mit dem WirtschaftsBlatt. Deshalb stehen auch die Pläne der Immobilienentwickler in Osteuropa oder Infrastrukturmaßnahmen der notorisch unterfinanzierten europäischen Kommunen im Fokus. Sie bieten die Möglichkeit, durchsichtige und ethisch korrekte Einzelprojekte zu finanzieren.

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