Orgien für Ungläubige


Alain de Botton: Religion for Atheists. In Englisch. Penguin, 2012.

Alain de Botton formuliert in seinem neuen Buch eine gewagte Forderung: Statt Religionen zu verachten, sollten Atheisten sich ihrer bedienen.

Von Philippe ZweifelTages Anzeiger

Seit Jahren spitzt sich der Kampf zwischen Atheisten und Gläubigen zu. Immer gehässiger wird die Diskussion, ob Gott existiert, geführt. Eine Annäherung an die Positionen des anderen scheint unmöglich. Das Rationalitätsdenken von Atheisten ist mit den jahrtausendealten Weltbildern von Religionen nicht vereinbar. Oder doch? Alain de Botton, selber Atheist, versucht mit seinem neuen Buch «Religion for Atheists» eine Brücke zu schlagen. Zwar bezeichnet der Philosoph religiöse Überzeugungen als Unsinn. Trotzdem seien sie nützlich, weil sie eine Menge über die Welt und den Menschen zu sagen haben: «Natürlich gibt es Gott nicht. Aber wir haben ihn erfunden. Wieso?»

Dass ein Ungläubiger die Vorteile von Religionen preist, ist in der jetzigen überhitzten Situation zwar provokant – aber nichts Neues. Religion, so das Argument von Skeptikern wie Edward Gibbon, sorgt für gesellschaftliche Stabilität. Jürgen Habermas denkt über das Thema ähnlich. Und der englische Poet Matthew Arnold, selber Atheist, fürchtete eine gottlose Arbeitergesellschaft – die er mit religiösen Gedichten bekämpfen wollte. Nun will Alain de Botton dem Volk aber keine Religionsdosis verpassen, sondern die Religionen «bestehlen». Denn diese seien voller guter Ideen, die in säkularisierten Gesellschaften verloren gegangen seien – nicht zuletzt wegen des atheistischen Furors, alles Religiöse zu verunglimpfen.

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2 Comments

  1. In den absoluten ewigen Wahrheiten des Baal-Priesters „Pontifex Maximus“ aus dem Vatikan steckt implizit ein Kern des Problems
    „Wer nicht die unfehlbaren Inhalte des christlichen Glaubens ohne Zweifel, ohne Kritik und Vorbehalte annimmt, der hat einen persönlichen Defekt, ein ungenügend gebildetes Gewissen, eine sündige Verfasstheit, eine auf Vorurteilen beruhenden Geist der Kritik und huldigt der Untreue gegen den Heiligen Geist.“

    Katholiban dürfen keine Kritik üben, sie kennen Kritk nicht und wer es trotzdem wagt, der brät in der nicht existenten Hölle. Totalitär paranoide Systeme wie Religionen und politische Diktaturen überleben nur, wenn sie gegen Protest, Kritik und Abweichung brutal vorgehen. Dies wird verschleiert mit Begriffen wie Konterrevolution, Antichrist, Anathema usw. Gläubige sind obrigkeitshörig, ihr schwarz weiß Denkschema ist zwar manipulierbar aber zu inflexibel abweichende Positionen zu analysieren und Kritik zu verstehen. Glaube ist die logische Ursache schwacher Kritikfähigkeit und nicht dessen Folge. Die Anstifter bleiben unbehelligt, die RKK deckt deren Machtorgien und nennt es Liebe, Wahrheit, christliche Moral und Ethik.

    Was also bleibt um mit jemanden kritisch zu diskutieren, der keine Ahnung hat was Kritik überhaupt ist. Man kann ihn nur verbal oder schriftlich verarschen

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  2. Es genügt sicher nicht, nur gegen Religionen anzugehen, wenn dahinter nicht eine bessere, alternative Philosophie stünde. Religionen oder deren Praktiken zu kopieren und Teile davon zu übernehmen, kann allerdings keine sinnvolle und akzeptable Alternative sein, denn sich selbst zu belügen und zu betrügen ist ebenso einfallslos wie dumm. Aber exakt das ist es, worauf die vielen Religionslehren, mangels realistischer Alternativen, basieren. Es gibt sie, diese Alternativen, aber sie operieren nicht mit irrealen Heilsversprechen und gaukeln den Menschen auch kein nicht existierendes, himmlisches Jenseits vor. Der Erfolg der Religionen ist aber exakt auf diese Lügen und nicht zu beweisenden Versprechungen zurück zu führen.

    Wir alle kamen konfessionslos und als Heiden auf diese Welt. Dann aber greift die Praxis der traditionellen Gehirnwäsche ins Leben der neuen Erdenbürger ein und programmiert sie zu gottgläubigen Religioten. Diese teilweise Ausschaltung des realistischen, selbstreflektierten Denkens ist zumeist nur partiell und wirkt sich nicht zwangsweise auch auf die intelektuellen
    Fähigkeiten dieser Menschen aus. Und so kommt es, dass selbst hochbegabte, gebildete Menschen – trotz frühkindlicher Gehirnwäsche – als intelligent wahrgenommen werden. Einige von ihnen schaffen es im Laufe ihres Lebens dann auch, die Wirkung der Gehirnwäsche-Prodzedur zu überwinden und sie finden glücklicherweise zu eigenständigem, kritischen Denken zurück.

    Nicht geschafft haben diese Umkehr zum realistischen Vernunftdenken z.B. der Ratzinger Sepp und seine unbelehrbare, kritiklose Anhängerschaft. Ein Beweis dafür, dass eine frühkindliche Gehirnwäsche auch bleibende Schäden bewirken kann.

    werden.

    und und

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