Geimpfte Idioten – Lügner, Leugner und Verschwörer

Bezieht ihr „Fachwissen“ laut eigener Aussage von der „Universität Google“: Schauspielerin Jenny McCarthy. © AFP

Lügner, Leugner und Verschwörer in ihrer Netzmasche: Das Beispiel der Impfgegner zeigt die Gefahr, die von Meinungsbildung im Internet ausgehen kann. Es ist nun vor allem an Google, diese zu bannen.

Von EVGENY MOROZOVFrankfurter Allgemeine

Von Anfang an hat man sich das Netz als globalen Umschlagplatz gedacht, als eine Bibliothek neuen Typs, in der alles Wissen jederzeit per Mausklick abrufbar sein würde. So ist es auch gekommen, aber es gibt noch einen anderen Aspekt: Wir haben nämlich nicht nur Zugriff auf die unendlich großen Bestände, wir können auch unsere eigenen Bücher, Pamphlete und anderen schriftlichen Äußerungen dort deponieren, ohne nennenswerte Qualitätskontrolle.

Diese Demokratisierung des Zusammentragens von Informationen, sofern es sich auf organisatorisch und technologisch sinnvolle Verfahren stützt, ist von großem Nutzen. Sie hat uns Wikipedia und Twitter geschenkt. Sie hat aber auch Tausende von Seiten produziert, die den wissenschaftlichen Konsens untergraben, erwiesene Tatsachen in Abrede stellen und Verschwörungstheorien propagieren. Müssen wir allmählich über eine Art Qualitätskontrolle nachdenken?

weiterlesen

Die Überläufer

Widmete sich sechs Jahre den Visionen einer Nonne: Clemens Brentano. Wikipedia

Atheismus-Serie: Verblüffend häufig wandelten sich atheistische oder religionsferne Literaten zu vehementen Katholiken – mit bösen Folgen.

Von Linus SchöpferBerner Zeitung

Vielleicht ist es der Urtext aller modernen Überläufer zum Katholizismus: Novalis‘ Fragment «Die Christenheit oder Europa» (1802). Novalis (eigentlich Friedrich von Hardenberg) feiert in seiner Schrift die Vorzüge der christlichen Urkirche in hohen Tönen – das monolithische Dogma, den Reliquienkult, die Wallfahrten. Nichts weniger als eine durch Poesie erwirkte Erneuerung dieser Kirche, die doch längst ihre religiöse und intellektuelle Vormachtstellung eingebüsst hatte, schwebte Novalis vor. Und er sollte bei weitem nicht der letzte moderne Literat bleiben, der im Katholizismus sein Heil suchte.

Romantiker…

In Novalis‘ Umkreis, im Zirkel der Romantiker, begeisterten sich aussergewöhnlich viele Künstler für die alte Kirche. Clemens Brentano (1778–1842) etwa, der ein wildes freigeistiges Künstlerleben führte, bevor er mit 35 in eine veritable Midlife-Crisis geriet und sich danach in geradezu fanatischer Manier dem Katholizismus verschrieb. Volle sechs Jahre verwandte Brentano hernach darauf, die Visionen einer stigmatisierten Nonne aufzuzeichnen, es folgten erbauliche Werke mit Namen wie «Das bittere Leiden unsers Herrn Jesu Christus» oder «Leben der heiligen Jungfrau Maria».

weiterlesen

Das katholische Naturrecht und das Grundgesetz

Papst Benedikt XVI. hält während seines Deutschlandbesuchs im letzten Herbst eine Rede im Deutschen Bundestag. (Bild: AP / Markus Schreiber)

Die Garantie der Menschenwürde lässt sich mithilfe christlicher Deutungsangebote verständlich machen. Christliche Deutungsversuche werden aber dadurch nicht selbst zu einer Norm des Grundgesetzes.

Von Stephan Rixen Deutschlandfunk

Wer heute für das Naturrecht wirbt, erntet Verwunderung, Befremden, Unverständnis. So ist es Papst Benedikt dem Sechzehnten während seines Deutschlandbesuchs im letzten Herbst ergangen. In seiner Rede vor dem Bundestag präsentierte er das Naturrecht als Wertefundament einer modernen Gesellschaft. Wohlgemerkt: Das theologische Naturrecht römisch-katholischer Prägung soll Wertefundament einer pluralen Gesellschaft sein. Das erstaunt. Erstaunt hat auch die der Sache nach erfolgte Behauptung, wer wirklich vernünftig sei, könne sich der Logik des Naturrechts nicht entziehen. Das bedeutet umgekehrt: Wer das vom Papst verwaltete Naturrecht ablehnt, ist unvernünftig.

Solche Thesen sind für Andersdenkende irritierend. Die Frage drängt sich auf: Wer soll mit solchen Thesen eigentlich erreicht werden? Geht es um die ohnehin schon Überzeugten? Oder sollen auch diejenigen angesprochen werden, die sich in mehr oder weniger großer Distanz zur Kirche bewegen? Aber wie sollen Andersdenkende erreicht werden, wenn ihnen der Eindruck vermittelt wird, nicht anders, sondern Unvernünftiges zu denken? Eine Einladung zum Gespräch auf Augenhöhe sieht anders aus.

weiterlesen

„Theologie hilft gegen Fundamentalismus“

„Theologie hilft gegen Fundamentalismus“, sagt Religionswissenschaftler Peter Antes. © dpa

Der Religionswissenschaftler Peter Antes feiert in dieser Woche seinen Abschied von der Leibniz Universität Hannover. Ein Gespräch über Werte, Normen und Wege zur Transzendenz.

Von Karl-Ludwig BaaderHannoversche Allgemeine

HannoverSie nehmen in diesen Tagen mit fast siebzig Jahren endgültig Abschied von der Universität. Haben Sie rückblickend das Gefühl, das richtige Lebensthemagewählt zu haben?

Ja, absolut. Es hat sich sogar als immer wichtiger herausgestellt. Als ich nach Hannover kam, sah man Religion eher als ein Phänomen der Vergangenheit an. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich allerdings die Beschäftigung mit Religion als ein zentrales Thema für Politik und Sozialwissenschaften herausgestellt. Viele Konflikte, denken Sie an die Integrationsprobleme, haben damit zu tun. Ich habe mich auch deshalb so intensiv mit dem Islam beschäftigt, weil Otto Stegmüller, mein Freiburger Professor, 1963 meinte, der Islam werde das bestimmende Thema am Ende des Jahrhunderts sein. Er stand damals allein mit seiner These.

Weiterlesen „„Theologie hilft gegen Fundamentalismus““

Für den Vatikan kein Missbrauch

Foto: kurier.at

Rom hat entschieden, dass es nach den Missbrauchsvorwürfen in St. Jakob am Thurn kein kirchenrechtliches Verfahren gibt.

KURIER.at

Nach schwerwiegenden Missbrauchsvorwürfen hatte der ehemalige Domprediger und Pfarrprovisor von St. Jakob am Thurn, Peter Hofer, im März 2011 alle Funktionen zurückgelegt. Im Vatikan hat man jetzt entschieden, dass nichts vorliegt, was ein kirchenrechtliches Verfahren rechtfertigt. Ab Aschermittwoch wird Hofer wieder predigen. „In der Pfarre freut man sich“, sagt Bürgermeister Helmut Klose.

„Meiner Klientin wird diese Entscheidung nahegehen. Sie ist noch gläubig. Aber es bestätigt ihr, dass die Kirche auf die eigenen Leute schaut“, sagt Anwalt Nikolaus Bauer, der jetzt die nächsten zivilrechtlichen Schritte mit der Frau besprechen wird. Laut Bauer hatte die Glaubenskongregation, von der die Akten für den Vatikan zusammengestellt wurden, nie Kontakt zur Betroffenen aufgenommen. Die Salzburgerin gibt an, in den 1980er-Jahren im Alter zwischen 16 und 20 Jahren mehrfach von Hofer vergewaltigt worden zu sein. Der Pfarrer gibt eine sexuelle Beziehung zu. Diese soll aber freiwillig mit der bereits Volljährigen gewesen sein. Die Klasnic-Kommission sieht die Situation anders und erkannte die Salzburgerin als Opfer an.