Bill Maher „enttauft“ Mitt Romneys toten Schwiegervater

Bill Maher, Foto: wikipedia

Die Familie des mormonischen US-Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney hat den bereits verstorbenen Vater seiner Ehefrau Ann posthum taufen lassen. Weil dieser allerdings Religion strikt ablehnte, hat ihn der TV-Komiker Bill Maher („Politically Incorrect“) nun wiederum „enttauft“.

DiGITAL fernsehen

„Ann Romneys Vater, Edward Davies, war ein antireligiöser Wissenschaftler, der jegliche Art des Glaubens stets als Unfug bezeichnete“, sagte der Moderator in seiner HBO-Sendung „Real Time With Bill Maher“ am Freitagabend (Ortszeit). Da er durch die posthume Taufe nun offiziell zum Mormonen erklärt worden sei, müsse er befreit werden, hieß es. „Mitt Romney war sein Schwiegersohn – er hat zu Lebzeiten bereits genug gelitten“, ätzte Maher.

Deshalb vollzog der TV-Komiker und bekennender Atheist die erste „Ent-Taufe“ an dem vor 14 Monaten verstorbenen Edward Davies. In Anlehnung an atheistische Inhalte setzte er sich einen Zauberhut auf und beschwor die „Hexe von Blair“, ihm dabei zu helfen, die „mormonischen Geister auszutreiben“.

Der Sohn einer jüdischen Mutter und eines katholischen Vaters ist bekannt für seine provokative und unterhaltsame Art, sich über religiöse Personengruppen lustig zu machen. Vor zwei Jahren griff er die Organisatoren der Emmy-Verleihung an: Er habe noch nie den Preis erhalten, weil er nicht religiös sei

In Europa sind Gottlose in einen Religionskrieg getreten

In Europa sind Gottlose in einen Religionskrieg getreten, meint Wolfgang Pohrt. - KARIKATUR: SCHWALME

Der Westen hält sich für aufgeklärt und human. Moslems werden in Europa als rückständig gebrandmarkt. Für den Publizisten Wolfgang Pohrt zeugt das von einem Totalausfall realistischer Selbstwahrnehmung.

Von Wolfgang PohrtDer Tagesspiegel

Wer was erreicht hat, wer es zu was gebracht hat, lebt fortan mit der Sorge, es wieder zu verlieren. Europa hat Angst. Seit 100 Jahren ist das so, seit Oswald Spenglers „Untergang des Abendlandes“. Der vergreisende und lendenschwache Kontinent igelt sich ein und geht in Abwehrstellung, mal gegen die USA, mal gegen die fürchterlich fleißigen Chinesen, neuerdings bevorzugt gegen den Islam. Daraus resultiert die Standardfrage im aufgeklärten Politikdiskurs, ob man eine wirkliche Revolution mit Beteiligung des Volkes überhaupt noch gutheißen kann, wenn diese bedeutet, dass anschließend die Scharia wieder eingeführt wird, wie das wahrscheinlich in Ägypten der Fall sein wird.

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Gemeinschaftsverständnis der Kirche versus Freiheitsrecht

Die Evangelische Kirche ist gegen Verdi-Streikaufrufe in kirchlichen Einrichtungen. Das widerspreche ihrem Selbstbestimmungsrecht. (Bild: picture alliance / dpa / Jens Wolf)

Ende letzten Jahres wurde auf der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland ein Kirchengesetz verabschiedet, durch das beim Verfahren zur Lohnfindung ein Recht auf Streik ausgeschlossen wird. Jetzt gibt es Widerspruch gegen diesen Beschluss aus der Theologie.

Von Christoph FleischmannDeutschlandfunk

Bei dem Gerichtsverfahren, das einige evangelische Landeskirchen und ihre diakonischen Einrichtungen gegen die Gewerkschaft Verdi führen, geht es um die Rivalität von zwei Grundrechten: Die Kirchen wollen Verdi-Streikaufrufe in kirchlichen Einrichtungen verbieten lassen und berufen sich dabei auf das Selbstbestimmungsrecht der Kirchen. Danach dürfen die Kirchen ihre inneren Angelegenheiten, das heißt auch ihr Arbeitsrecht, selbstständig regeln. Dagegen steht der Grundgesetz-Artikel 9, das Recht auf Koalitionsfreiheit, also das Recht Gewerkschaften zu bilden und für die Durchsetzung der eigenen Interessen zu streiken. Für den Bonner Theologen und Ethiker Hartmut Kreß liegen die beiden Grundrechte freilich nicht auf derselben Ebene:
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»Regensburger Verhältnisse« in Augsburg

Altarraum des Doms Unserer Lieben Frau, Foto: wikipedia

Wir erinnern uns, es ist ja noch nicht lange her, da saß auf dem Stuhl des Augsburger Bischofs ein Mann namens Walter Mixa. Vielleicht müsste man sogar Stuhl durch Thron ersetzen, denn Mixa gefiel sich rasch in der Rolle eines Fürstbischofs, steckte viel Geld in Glanz und Glamour und spendierte seinem persönlichen Berater und Pressesprecher eine teuer ausgestattete Spielwiese für kirchliche Medienpolitik.

Süddeutsche.de

Das Ende ist bekannt: Der selbstgefällige und feierfreudige Bischof scheiterte am Ende an sich selbst und seinem Unvermögen, die körperliche Züchtigung von Heimkindern, die aus seiner Zeit als Stadtpfarrer publik geworden war, sofort öffentlich zu beichten und sich Asche aufs Haupt zu streuen. Mixa trat schließlich zurück und hinterließ ein in Mixa-Freunde und Mixa-Gegner tief gespaltenes Bistum.

Allen war klar, dass der Nachfolger von Mixa aus anderem Holz geschnitzt sein müsste. Die Gläubigen erwarteten einen Brückenbauer, einen Versöhner und einen Hirten, der nicht nur Friede bringt, sondern auch die Kraft hat, mit den als Belastung empfundenen Relikten aus der Amtszeit von Bischof Mixa aufzuräumen. Papst Benedikt handelte in diesem Fall ungewöhnlich rasch und berief schon bald den Görlitzer Bischof Konrad Zdarsa, einen Mann aus der katholischen Diaspora in Sachsen auf den Augsburger Bischofsstuhl. Die Augsburger Allgemeine empfing den neuen Hirten zum Amtsantritt gar mit einer achtseitigen Sonderbeilage: ‚Herzlich willkommen! Bischof Konrad Zdarsa‘. Nicht nur den Zeitungsleuten, auch den meisten Gläubigen im Bistum dürfte dieser vorauseilende Jubel inzwischen peinlich sein. Denn Konrad Zdarsa hat es in gerade mal 15 Monaten geschafft, erneut große Teile seiner Glaubensbrüder und -schwestern gegen sich aufzubringen.

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Beim Bein der Anolis-Echse

Anolis sagrei, Ianaré Sévi via Wikimedia.org

Ein Hurrikan in der Karibik konnte einen alten Streit unter Evolutionsbiologen schlichten

Von Pia HeinemannWELT ONLINE

Hurrikans sind nicht nur für Windforscher gut. Auch Biologen freuen sich, wenn starke Winde über Biotope rauschen – dann wird vieles durcheinandergewirbelt, und man kann beobachten, auf welche Weise wieder Ordnung einkehrt. Im Jahr 2004 fegte ein Hurrikan über die Karibik und wehte dabei alle Anolis-Echsen von sieben kleinen Inseln. Harvard- und Duke-University-Forscher inspizierten diese Eilande hinterher und fanden keine einzige Echse. Zuvor waren die Braunen Anolis hier heimisch. Auf nahe gelegenen Inseln überlebten ein paar Exemplare. Aus ihnen wählten die Forscher sieben Pärchen aus, von denen sie je eines auf eine der sieben Inseln aussetzten.

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