»Regensburger Verhältnisse« in Augsburg


Altarraum des Doms Unserer Lieben Frau, Foto: wikipedia

Wir erinnern uns, es ist ja noch nicht lange her, da saß auf dem Stuhl des Augsburger Bischofs ein Mann namens Walter Mixa. Vielleicht müsste man sogar Stuhl durch Thron ersetzen, denn Mixa gefiel sich rasch in der Rolle eines Fürstbischofs, steckte viel Geld in Glanz und Glamour und spendierte seinem persönlichen Berater und Pressesprecher eine teuer ausgestattete Spielwiese für kirchliche Medienpolitik.

Süddeutsche.de

Das Ende ist bekannt: Der selbstgefällige und feierfreudige Bischof scheiterte am Ende an sich selbst und seinem Unvermögen, die körperliche Züchtigung von Heimkindern, die aus seiner Zeit als Stadtpfarrer publik geworden war, sofort öffentlich zu beichten und sich Asche aufs Haupt zu streuen. Mixa trat schließlich zurück und hinterließ ein in Mixa-Freunde und Mixa-Gegner tief gespaltenes Bistum.

Allen war klar, dass der Nachfolger von Mixa aus anderem Holz geschnitzt sein müsste. Die Gläubigen erwarteten einen Brückenbauer, einen Versöhner und einen Hirten, der nicht nur Friede bringt, sondern auch die Kraft hat, mit den als Belastung empfundenen Relikten aus der Amtszeit von Bischof Mixa aufzuräumen. Papst Benedikt handelte in diesem Fall ungewöhnlich rasch und berief schon bald den Görlitzer Bischof Konrad Zdarsa, einen Mann aus der katholischen Diaspora in Sachsen auf den Augsburger Bischofsstuhl. Die Augsburger Allgemeine empfing den neuen Hirten zum Amtsantritt gar mit einer achtseitigen Sonderbeilage: ‚Herzlich willkommen! Bischof Konrad Zdarsa‘. Nicht nur den Zeitungsleuten, auch den meisten Gläubigen im Bistum dürfte dieser vorauseilende Jubel inzwischen peinlich sein. Denn Konrad Zdarsa hat es in gerade mal 15 Monaten geschafft, erneut große Teile seiner Glaubensbrüder und -schwestern gegen sich aufzubringen.

Die von Bischof Zdarsa angeordnete Pastoralreform, die auch engagierte Christen künftig zu reinen Mitläufern stempelt, spaltet das Bistum erneut – und noch tiefer als zuvor. In diversen Internetforen macht bereits das böse Wort vom ‚DDR-Bischof‘ und von ‚Regensburger Verhältnissen‘ die Runde. Man muss es leider so sehen: Der bayerische Papst und die ihm treu ergebenen Bischöfe wollen offenbar eine ganz andere Kirche als die Mehrheit der Gläubigen.

1 Comment

  1. Der bayerische Papst und die ihm treu ergebenen Bischöfe wollen offenbar eine ganz andere Kirche als die Mehrheit der Gläubigen.

    Was kann man von einem Haufen alter Männer, die ein Leben lang hofiert wurden erwarten? Wer lässt sich schon gerne die Butter vom Brot nehmen? Der durchschnittliche Mensch hat Angst vor Veränderung, weil es eine ungewisse Zukunft in sich birgt.
    Sie wollen alles so belassen wie es immer schon war. Das wiederum wird viele Gläubige auf die Palme bringen und verärgern. Langsam erledigt sich das Problem von selbst. Kein Nachwuchs bei den Pfarrern ist ihr größtes Problem.

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