Frankreich: Scientology wegen „organisierten Betrugs“ verurteilt


Anonymous-Demonstration gegen Scientology am 10. Februar 2008. Foto: David Shankbone. Lizenz: CC BY-SA 3.0.

Letzte Woche bestätigte ein Pariser Berufungsgericht ein Urteil gegen Scientology – eine umstrittene Organisation, die sich selbst als Religion sieht, aber von Kritikern häufig als Unternehmen betrachtet wird. Der noch nicht rechtskräftigen Entscheidung nach muss Scientology 600.000 Euro Strafe zahlen, weil es das Gericht als erwiesen ansieht, dass zwei Scientology-Unterorganisationen eine Frau unter Einsatz verbotener Mittel dazu brachten, über 21.000 Euro für Scientology-Bücher, Scientology-Kurse und andere „Lebenshilfen“ auszugeben.

Von Peter MühlbauerTelepolis

In der französischen Presse ist von einer möglicherweise „historischen Entscheidung“ die Rede, weil das Gericht nicht nur Bewährungs- und Geldstrafen gegen Mitarbeiter verhängte, sondern auch die Organisation belangte. Dafür war nicht nur ausschlaggebend, dass die verurteilten natürlichen Personen Mitglieder von Scientology waren, sondern auch, dass sie der Ansicht des Gerichts nach in Übereinstimmung mit den Vorschriften der Organisation handelten. Scientology kündigte unmittelbar nach der aus ihrer Sicht „völlig verzerrten und ungerechten“ Entscheidung an, den Instanzenweg weiterzuklagen.

Die „Church of Scientology“ wurde 1953 vom Science-Fiction-Autor L. Ron Hubbard ins Leben gerufen. Seit Aussteiger in den 1990er Jahren vorher nur einem engen inneren Kreis zugängliche Bestandteile der bizarren Mythologie der Organisation im Internet veröffentlichten, macht die Gruppe mit Zensuranstrengungen von sich Reden. In der Gegnerschaft dazu entstand unter anderem dieMode des Tragens von Guy-Fawkes-Masken, die mittlerweile die Occupy- und ACTA-Demonstrationen dominieren.

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1 Comment

  1. Das Problem des Pariser Berufungsgerichts vom 12.02.2012 liegt nicht in der Strenge des Urteils, sondern im Berufungsverfahren, dass beide Seiten ihre Argumente geltend machen konnten. Gemäß den Angaben der Anwälte des Celebrity Center der Scientology Kirche Frankreich war dies nicht der Fall. Daraufhin weigerten sie sich an den weiteren Gerichtsverhandlungen teilzunehmen. Gegen dieses Urteil des Pariser Berufungsgerichts ist bereits Revision beim Kassationsgericht eingereicht.

    Frankreich ist gegenüber religiösen Minderheiten, wie z. B. den Zeugen Jehvoas und der Scientology feindlich gesonnen. Die französische Regierung unterstützt Anti-Sekten-Organisationen und beschließt Fiskalmaßnahmen, um diesen Gruppierungen das Leben schwer zu machen. Die Zeugen Jehovas waren davon betroffen; sie zogen bis vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte und haben gewonnen. Der französische Staat muss ihnen jetzt 4,5 Millionen Euro zurückzahlen.

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