Bin ich intolerant?


beachtenswert.wordpress.com

„Raus, raus, raus mit den Kopftüchern aus den Schulen!“, rufe ich im Café. Meine Freunde sind entsetzt. Bin ich intolerant?

Von Bettina SteinerDie Presse

Heftige Debatte unter Freunden. Sehr heftige Debatte, vielleicht zu heftig, es ging um die Kopftücher, und mein Standpunkt war dezidierter, als es einer gepflegten Diskussion in einem gepflegten Wiener Café guttut: Ich finde – nein, ich bin überzeugt davon, dass Kopftücher in der Schule nichts verloren haben. Was die Erwachsenen machen, ist mir egal. Wer sich ohne Kopftuch nackt vorkommt oder unbehaglich, der möge sich bedecken, ob Mann oder Frau. Aber die Kinder, die soll man wenigstens in der Schule in Ruhe lassen, damit sie sich als Erwachsene frei entscheiden können. Weil frei entscheiden kann nur, wer beides kennt – und beides gewohnt ist.

Bin ich jetzt intolerant? Jedenfalls verteufle ich nicht den Islam. Ich behaupte nur, dass er gezähmt werden muss, wie auch das Christentum gezähmt werden musste, weil Religionen sich eben gern dem Fortschritt widersetzen: weil sie nicht wissen wollen, dass die Erde sich um die Sonne dreht, weil sie es ungehörig finden, dass der Mensch von einem affenähnlichen Wesen abstammt, weil sie wollen, dass alles bleibt, wie es ist, und darum die Freiheit jener beschränken, die neugieriger sind – oder einfach nur zufällig weiblich.

weiterlesen

11 Comments

  1. „Ein BH ist und war noch nie ein mit religösen Geboten und Verboten behaftetes Kleidungsstück. Dies gilt folgerichtig auch für Röcke und Hosen.“
    Das halte ich für Quatsch. Als die „Emanzen“ in den 60ern und 70ern ihre BHs verbrannten, gab es durchaus Kritik. Sicherlich auch von dem ein oder anderen humanistisch orientierten Sittenwächter, aber das soll hier nicht Thema sein. Als Frauen immer mehr dazu übergingen, auch Hosen zu tragen, gab es Kritik. Und einige auch christliche Gruppen lehnen es ab, daß Frauen Hosen tragen.
    Der Unterschied ist: Das eine ist man in unserer Kultur gewohnt. Das andere nicht. Und dasUngewohnte will man nicht zulassen, weil da könnte ja jeder kommen. Ist genauso, wie wenn es Krach gibt, wenn einer in der Nachbarschaft seinen Garten nicht akkurat wie die anderen anlegt, sondern vielleicht alles durcheinander pflanzt, weil er persönlich das schöner findet. Manche schließen von da gleich auf Marihuanakonsument und Zeckenzüchter. Hete vielleicht nicht mehr, aber lange her ist es noch nicht. Aber das ist genau so unsinnig, wie von Kopftuch auf Unterdrückung der Frau zu schließen. Es gibt selbstbewußte Frauen, die sich selbst zum Kopftuch entscheiden. Und es gibt unterdrückte Frauen, die kein Kopftuch tragen. Einen Bezug zum Kopftuch herstellen zu wollen führt am Problem vorbei, hilft aber beim Versuch, Andersartigkeit (wie den „wilden Garten“) einzudämmen.

    „Bin ich denn islamophob, wenn ich die religös motivierte Unterdrückung und Diskriminierung von Frauen, die sich u.a. in Kleidervorschriften manifestiert, konstatiere und anprangere ? Ist es auch islamophob, wenn man die an Frauen vorgenommene Verstümmelung der Genitalien, wie sie auch heute noch in vom Islam dominierten Ländern praktiziert wird, für ein Verbrechen hält ?“
    Das Kopftuchtragen wird im Koran nicht gefordert. Es handelt sich also um ein kulturelles Phänomen, nicht um ein religiöses. Daß Du das in der Kultur und nicht der Religion wurzelnde Kopftuchgebot mit der Religion in eins setzt, um dann die Religion, nicht aber die Kultur zu verurteilen, reicht mir, um das Ganze „islamophob“ zu nennen.
    Ebensowenig wird das Verstümmeln der Frau im Koran gefordert. Auch das eine Forderung der Kultur. Denn ist ist nicht nur so, daß es auch außerhalb des Islam zu Verstümmelungen kommt, es ist auch so, daß es innerhalb des Islams nicht überall so ist. Auch hier setzt Du die kulturelle Praxis wieder mit der Religion in eins, um dann die Religion für das zu verurteilen, was die Kultur fordert. Und das reicht für mich, um es „islamophob“ zu nennen.

    „Und – zeugt es von einer islamophoben Einstellung, wenn man die Schari’a als grausam und rückständig bewertet ?“
    Scharia ist ein leerer Begriff, darunter versteht jeder etwas anderes. Insofern müßtest Du erst einmal die Schariaregeln nennen, die Du ablehnst. Und dann müßte man klären, inwieweit die Mslime diese Regeln überhaupt als ihre eigenen und mit der Scharia im Einklang stehenden akzeptieren würden.

    „Man ist nicht automatisch islamophob, wenn man sich gegen die Auswüchse und Entgleisungen einer Religion wendet, die mit dem humanistischen Gedankengut und den allseits anerkannten Menschenrechten nun mal unvereinbar sind.“
    Oh, Du hast Dich nicht nur gegen Auswüchse und Entgleisungen gewendet, sondern gegen die Religion an sich. Ich zitiere:
    „Der Islam ist nun mal eine auf die Unterdrückung und Disziplinierung der Frauen ausgerichtete Religion.“

    Ich sehe aber, daß Du vor allem Recht haben willst, deshalb sehe ich davon ab, hierzu weiter zu schreiben. Ich wollte auf einen Denkfehler hinweisen, auf eine Diskrepanz in der Bewertung des eigenen und des anderen. Eine Ungerechtigkeit, wenn man so will. Das habe ich getan. Ob Es nun gelesen nd verstanden werden will, liegt nicht in meiner Hand. Endlose Diskussionen zu führen ist nicht mein Ziel, da ich befürchte, daß das Ergebnis schon vorher klar ist und nun nur noch Argumente gesucht werden, um davon nicht abrücken zu müssen. Dafür ist mir meine Zeit zu schade. Alles Gute und Gottes Segen

    Gefällt mir

  2. @Argus7
    Ursprünglich diente die Verhüllung des Körpers dem Werterhalt.

    In frühen arabischen Gesellschaft waren Frauen wie im späteren Islam als Mangelware ein Wertobjekt. Dabei galt, je heller die Haut, um so höher der Wert. Das ultimative Schmuckstück des wohlhabenden Mannes war eine sehr helle Blondine mit blauen Augen und fülligen Rundungen.

    Eine knackige Sonnenbräune der Frau/Braut hat ihren Wert tief in den Keller fallen lassen, Da hat der Besitzer reagiert wie der Museumdirektor, dessen Picasso-Gemälde plötzlich nur eine billige Kopie ist. Um den Wert seiner teuer eingekauften Frauen zu erhalten, wurde die Verhüllung „erfunden“, die zusammen mit dem krankhaften Sexismus der supergeilen alten Religionsböcke zu den Vorgaben im Islam geführt haben.

    Gefällt mir

  3. @ Bundesbedenkenträger

    Wenn einer wie du nicht zwischen Äpfeln und Birnen unterscheiden kann, dann lohnt sich eine weitere Diskussion leider nicht. Nur so nebenbei: Ein BH ist und war noch nie ein mit religösen Geboten und Verboten behaftetes Kleidungsstück. Dies gilt folgerichtig auch für Röcke und Hosen. Somit ist dein für mich nicht nachvollziehbarer Kommentar als ziemlich hilflos und bescheuert einzuordnen. Halt dich einfach aus einer Diskussion raus, wenn du keine besseren Argumente ins Spiel bringen kannst !

    Dass du meinen Kommentar zudem als islamophob einstufst, beweist nur, dass du rein gar nichts kapiert hast. (Differenziertes Denken ist offenbar nicht deine Stärke !) Bin ich denn islamophob, wenn ich die religös motivierte Unterdrückung und Diskriminierung von Frauen, die sich u.a. in Kleidervorschriften manifestiert, konstatiere und anprangere ? Ist es auch islamophob, wenn man die an Frauen vorgenommene Verstümmelung der Genitalien, wie sie auch heute noch in vom Islam dominierten Ländern praktiziert wird, für ein Verbrechen hält ? (Anmerkung: Genitalverstümmelungen kommen auch in nichtislamischen Ländern vor.)

    Und – zeugt es von einer islamophoben Einstellung, wenn man die Schari’a als grausam und rückständig bewertet ? Man ist nicht automatisch islamophob, wenn man sich gegen die Auswüchse und Entgleisungen einer Religion wendet, die mit dem humanistischen Gedankengut und den allseits anerkannten Menschenrechten nun mal unvereinbar sind.

    Denk künftig vorher nach, bevor du andere Leute mit deinen unqualifizierten Kommentaren konfrontierst !

    Gefällt mir

  4. „Es ist nun mal nicht zu leugnen, dass das Tragen eines Kopftuches eine Diskriminierung und Unterdrückung der Frauen symbolisiert. Dies selbst dann, wenn die Kopftuchträgerinnen dies so nicht erkennen und wahrnehmen.“
    Wieso gilt das fürs Kopftuch und nicht für den BH? Oder Kleider? Oder Röcke? Würdest Du es als Fortschritt ansehen, wenn Frauen zu ihrem eigenen Besten und ihrer Emanzipation das Tragen von Kleidern, Röcken nd BHs verboten wird? Was zeichnet das Kopftch vor diesen Kleidungsstücken aus?
    „Der Islam ist nun mal eine auf die Unterdrückung und Disziplinierung der Frauen ausgerichtete Religion.“
    Na wenn Du das sagst, dann muß es wohl stimmen… (nein, ich meine das nicht wirklich, das war Sarkasmus!)
    „Von mir aus können die muslimischen Frauen ein Kopftuch oder gar eine Burka tragen. Das hindert mich aber nicht daran, diese “Tradition” als das zu entlarven, was sie letztlich ist, nämlich brutal frauenfeindlich.“
    Und mich hindern solche unbegründeten und im Grunde islamophoben Äßerungen Deinerseits nicht, diese meinerseits wiederum zu kritisieren.

    Gefällt mir

  5. @ Bundesbedenkenträger

    Es ist nun mal nicht zu leugnen, dass das Tragen eines Kopftuches eine Diskriminierung und Unterdrückung der Frauen symbolisiert. Dies selbst dann, wenn die Kopftuchträgerinnen dies so nicht erkennen und wahrnehmen. Der Islam ist nun mal eine auf die Unterdrückung und Disziplinierung der Frauen ausgerichtete Religion. Von mir aus können die muslimischen Frauen ein Kopftuch oder gar eine Burka tragen. Das hindert mich aber nicht daran, diese „Tradition“ als das zu entlarven, was sie letztlich ist, nämlich brutal frauenfeindlich.

    Gefällt mir

  6. „Aber der Schwachsinn, den die Religionen seit jeher verbreiten, findet zumindest in diesem Blog keine Anhänger. “
    Darum geht es gar nicht. Es geht darum, konsistent zu sein. Und das ist man nicht, wenn man die Bekleidungsform einer Gruppe rausnimmt und die irgendwo verbietet, ob in der Schule oder sonstwo.

    Der Rest Deines Kommentars ist eigentlich nur eine endlose Beschimpfung. Das ist doch in der vorliegenden Frage absolut irrelevant. Und die Frage ist: Können wir von Schulmädchen allen Ernstes verlangen, aß sie sich vorm Lehrer ausziehen? Und wenn es nur das Kopftuch ist! Und wenn ja, wieso? Und wieso nicht andere Kleidungsstücke. Wie wollte man die Grenze begründen, die man ziehen muß? Und zwar so, daß alle zustimmen können, und nicht nur die jeweils eigene Peergroup?

    Gefällt mir

  7. @ Bundesbedenkenträger

    Ich kann dir sagen, weshalb dir keiner hier sagt, wo du falsch liegst. Es ist deine Wertung, dass anstelle der Religionen viel eher der Fortschritt gezähmt werden müßte. Durchaus richtig, dass man den Fortschritt nicht blind und kritiklos abnicken sollte. Aber der Schwachsinn, den die Religionen seit jeher verbreiten, findet zumindest in diesem Blog keine Anhänger. Überleg doch mal ! Alle Menschen werden als Ungläubige geboren und danach – aus Tradition – mit einer zusammen fantasierten Gotteslüge ins Leben geschickt. Diese frühkindliche Gehirnwäsche funktioniert zum Glück nicht bei allen Menschen. Einige, die das Denken noch nicht völlig abgeschaltet haben, kommen früher oder später darauf, dass da so einiges an den Religionen einzig und allein auf Machtbeherrschung ausgerichtet ist. Gottgläubige lassen sich nun mal leichter manipulieren, als kritische Freidenker.

    Mal ehrlich !? Ist dir Gott oder sein angeblicher Sohn Jesus jemals live begegnet ? Oder kennst du jemanden, der dir glaubhaft von einer solchen Begegnung berichten könnte ? Sicher nicht. Und falls doch, dann kannst du davon ausgehen, dass dieser Mensch auch fremde Stimmen hört oder sogar visuelle Erscheinungen hat, die außer ihm niemand wahrnimmt. Solche krankhaften Psychosen sind keineswegs selten, denn unser Gehirn suggeriert einem schon mal solche Wahnvorstellungen. Merke: Dein Gottglaube nährt sich einzig und allein aus dem Wunsch, der eigenen Selbsttäuschung zur Wahrheit zu verhelfen. Such dir deshalb ein anderes Forum aus, wo du deinem Gotteswahn frönen kannst !

    Was die päpstlichen Verbrechen und die blutige Historie der christlichen Religion anbetrifft, empfehle ich dir, die Geschichte der Päpste und deren Machenschaften in der einschlägigen Literatur nachzulesen. Und – dass das Christentum in der Geschichte der Menschheit eine blutige Spur hinterlassen hat, wirst du im Ernst ja nicht bestreiten können.

    Gefällt mir

  8. Die Muslima wie es scheint ist sehr tolerant.

    Warum aber spricht denn niemand mit dem Bundesbedenkenträger? Ich als aggresiver Neu-Atheist bin leider nicht in der Lage mit ihm einen fruchtbaren Dialog zu führen, da ich immer Gefahr laufe unnötig auszuraten. Ich bin leider nicht so tolerant wie diese junge Frau.

    Gefällt mir

  9. Du beschuldigst den Fortschritt? Ich beschuldige die Natur!
    Sie hat schliesslich für Steine gesorgt, die geradezu dazu einladen jemanden zu steinigen. Sie hat für Holz gesorgt mit denen sich Scheiterhaufen bauen lassen und für Wasser in denen sich Hexen ertränken lassen.
    Der Mensch hat genügend Möglichkeiten den Mensch zu töten, aber Religion gibt ihm einen Grund!

    Gefällt mir

  10. Kinder können sich also nicht unbehaglich fühlen, wenn sie unbedeckt sind? Wir reden hier von Schlkindern, also keine kleinen 2 jährigen, die noch unbefangen nackt durchs Schwimmbad rennen.
    Ich möchte nicht das Geschrei hören, wenn ein Priester beim Kommunionsunterricht sagen würde: Wer sich als Erwachsener unbehaglich fühlt, soll sich bedecken, aber die Kinder soll man wenigstens in der Kirche in Ruhe lassen, damit sie sich als Erwachsene frei entscheiden können. Und frei entscheiden kann nr, wer beides kennt. Und beides gewohnt ist.

    Ich persönlich bin ja der Meinng, daß der Fortschritt vielleicht viel eher mal gezähmt werden müßte, als die Religionen. Wer hat denn für die Atombombe gesorgt? Der Papst oder der Fortschritt? Wo liegt das größere Bedrohungspotential? In den mit moderner Forschung geschaffenen biochemischen Waffen, oder in der Bergpredigt?

    Gefällt mir

Kommentare sind geschlossen.