Schlapphütiger Online-Dschihad


Foto. Wiesbadener Kurier

Der Verfassungsschützer Alexander Eisvogel spricht im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über die Radikalisierung von Islamisten im Internet und die Gefahr eines Cyber-Angriffs.

Frankfurter Allgemeine

Das Terrornetz Al Qaida gilt als geschwächt. Zugleich haben wir es in Deutschland weiter mit einer regen militanten Islamisten-Szene zu tun. Wie hat sich der islamistische Terrorismus gewandelt, Herr Eisvogel?

Der gewaltbereite Islamismus, den wir nach dem Wort für den Heiligen Krieg auch Dschihadismus nennen, hat sich immer mehr zu einer eigenständigen Gewaltideologie entwickelt. Diese hat ihre religiösen Grundlagen verlassen. Dschihad bezeichnet ja ursprünglich das letzte Mittel zur Verteidigung der Religion. Im Verständnis von Dschihadisten ist er zum Selbstzweck geworden. Eine theologische Begründung, ob oder warum Gewalt angewendet werden könnte, ist weggefallen. Durch diese ideologische Verflachung hat sich die Gewalt entgrenzt.

Was meinen Sie damit?

Der globale Dschihad, wie ihn gewaltorientierte Islamisten propagieren, kennt keine territorialen Grenzen. Es geht nicht mehr um die Verteidigung eines Landes oder des Kalifats, sondern um einen weltweiten Kampf. Ebenso entgrenzt sind die Ziele der Gewalt. So sollen auch Zivilisten in Demokratien bestraft werden, etwa für ihre vermeintlich falsche Wahlentscheidung. Und auch zeitlich gibt es für den Dschihad keine Grenze – der bewaffnete Kampf wurde zum Dauerzustand erklärt.

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