Phantasien in Purpurrot

Kardinäle im Wind: Auf dem Begräbnis von Papst Johannes Paul II. © REUTERS

Das Konsistorium am Samstag hätte schöne Routine sein sollen, doch Vermutungen über einen Machtkampf im Vatikan werfen einen Schatten auf die Versammlung der Kardinäle.

Von Jörg BremerFrankfurter Allgemeine

Eigentlich hätte das Konsistorium an diesem Samstag im Vatikan schöne Routine werden sollen; stattdessen spricht man in Rom von einem Machtkampf in der Kurie. Kardinalstaatsekretär Tarcisio Bertone muss sich gegen Schläge aus dem Dunkeln verteidigen; und es ist nicht klar, ob die Angriffe nur ihm gelten oder auch Papst Benedikt XVI.

In regelmäßigem Abstand, meist zu Beginn oder Ende eines Jahres, beruft der Papst die Kardinäle ein und nutzt das Konsistorium, um den neu ernannte Purpurträgern ihre rote, viereckige Kopfbedeckung, das Birett, den Kopf zu setzen. Der Vatikanpalast öffnet sich danach, und die Römer durchschreiten die prunkvollen Hallen, um den neuen Kardinälen zu gratulieren.

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Hat Darwin abgeschrieben?

The Origin of Species, Bild: laborjournal

Hat der Evolutionstheoretiker Charles Darwin von einem Kollegen abgeschrieben? Der Disput dauert an.

Von Matthias GlaubrechtZEIT ONLINE

Von Evolution kann man nicht reden, ohne Charles Darwin und sein Werk Über die Entstehung der Arten von 1859 zu erwähnen. Vergessen wird dabei bis heute immer wieder ein Mann, der in einer auffälligen Koinzidenz mit Darwin die Evolutionstheorie entdeckt hatte – Alfred Russel Wallace. In die Annalen der Wissenschaftsgeschichte ist er als der ewige Zweite und der Mann im Schatten Darwins eingegangen. Dabei war es Wallace, der 1858 in einem kurzen, aber wohlformulierten Aufsatz jene Theorie entwarf, die – später als Darwinismus bekannt geworden – für eine Epochenwende sorgte.

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Apokalyptik ohne Ende?

Bernd U. Schipper und Georg Plasger (Hg.): Apokalyptik und kein Ende? Biblisch-theologische Schwerpunkte Band 29. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2007. ISBN 987-3-525-61594-2.

Bereits in der Einleitung weisen die Herausgeber Bernd U. Schipper und Georg Plasger darauf hin, dass diese 2007 erschienene Aufsatzsammlung zur Apokalyptik „ganz bewusst eine Vielzahl an Positionen [bietet], die zum Weiterdenken über ein Phänomen anregen wollen, das immer die Gegenwart prägen wird.“

EANN.de

Der Band enthält 14 Artikel, die das Phänomen Apokalyptik aus der Perspektive unterschiedlicher theologischer Disziplinen sowie vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Trends aufarbeiten. Die Würdigung jedes einzelnen Artikels im Rahmen einer Rezension ist daher nur schwer möglich. Exemplarisch sollen deshalb an dieser Stelle lediglich drei Artikel vorgestellt und diskutiert werden.

Bernd U. Schipper stellt in seinem Artikel „Endzeitszenarien im Alten Orient – Die Anfänge apokalyptischen Denkens“ dar, dass für die traditionsgeschichtliche Verortung des Beginns apokalyptischen Denkens keineswegs erst bei den Persern und der zoroastrischen Religion begonnen werden muss. Vielmehr zeigt er zunächst grundsätzlich die protoapokalyptischen Motive auf, die im altorientalischen Weltbild insgesamt verankert sind. „Die Vorstellung vom Ende der Welt ist wesentlich verbunden mit der Idee von ihrem Anfang. Schöpfung und Chaos, die Ordnung der Welt und der drohende Untergang – das sind im Alten Orient zwei Seiten einer Medaille.“ Bereits in den religiösen Texten der Sumerer finden sich so Spuren protoapokalyptischer Vorstellungen.

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Stimmen aus Kirche und Religion zum Rücktritt von Wulff

Vertreter der Kirchen haben mit Respekt, Dank und Erleichterung auf den Rücktritt von Christian Wulff reagiert. Mit Blick auf das Amt des Bundespräsidenten sprachen sie von einem wichtigen und richtigen Schritt.

domradio.de

Ethikrat-Mitglied Eberhard Schockenhoff schlägt im domradio.de-Interview einen möglichen Nachfolger vor.

Der Rücktritt sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr vermeidbar gewesen, sagte der Priester und Professor für Moraltheologie in Freiburg, Eberhard Schockenhoff. Wulff sei von seiner Vergangenheit eingeholt worden. Ein möglicher Nachfolger müsse die politisch-moralischen Grundwerte Deutschlands glaubwürdig repräsentieren und „breites Ansehen in allen Schichten der Bevölkerung“ besitzen. Als geeigneten Kandidaten bezeichnete Schockenhoff den CDU-Politiker Thomas de Maizière. Der aktuelle Bundesverteidigungsminister komme aus de, christlichen Umfeld und besäße lange politische Erfahrung. Dadurch sei er auch ein Beispiel dafür, „dass es in der aktiven Politik Menschen gibt, die viele von diesen Eigenschaften aufweisen“. Zur Debatte um die künftige Besoldung des zurückgetretenen Bundespräsidenten plädierte Ethikrat-Mitglied Schockenhoff für Großzügigkeit. Wulff habe lange Zeit seines Berufslebens im Dienst des Gemeinwesens gestanden, „da solle man nicht Neidimpulse schüren. Wenn es ihm  juristisch zusteht, hat er auch moralisch das Recht dazu, es zu erhalten.“ Diskutiert wird gerade, ob Wulff der Ehrensold zusteht, also die Fortzahlung der vollen Amtsbezüge von jährlich 199.000 Euro bis zum Lebensende.

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Wie denken Anhänger von Verschwörungstheorien?

Chemtrails, Haarp

Nach einer Studie von Psychologen halten Verschwörungstheoretiker aufgrund ihres Misstrauens gegenüber Mächtigen auch einander widersprechende Theorien für möglich

Von Florian RötzerTelepolis

Anhänger von Verschwörungstheorien sollen, selbst wenn diese eine verschwörerische Wirklichkeit treffen, auch wenn die Interpretation falsch sein mag, eine seltsame Veranlagung haben. Britische Psychologen wollen herausgefunden haben, dass sie in aller Regel nicht kritisch oder skeptisch sind, sondern ein „monologisches Glaubenssystem“ ausbilden, das allgemein davon ausgeht, dass die Mächtigen oder gesellschaftlichen Eliten die Allgemeinheit hintergehen. Und diese Grundannahme würde dazu führen, dass sie auch inkompatible Ansichten vertreten, deren einzige Gemeinsamkeit ist, dass sie vom herrschenden Diskurs abweichen. Das würde auch heißen, Verschwörungstheoretiker aller Art sind hochgradig irrational. Es könnte allerdings auch sein, dass sie selbst widersprechenden Interpretationen zustimmen, weil sie zwar die vorherrschende Meinung ablehnen, aber nicht eine dezidierte Gegenposition einnehmen.

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