Amerikanische Glaubenskrieger


Einer steht ganz rechts, die anderen rücken nach: Santorum, Romney, Gingrich und Paul.Foto:©Reuters

Der Aufstieg von Rick Santorum im US-Wahlkampf ist untrennbar mit dem Comeback der ultrakonservativen Rechten verbunden. Themen von gestern entscheiden die Wahl von morgen. Die Pille, Abtreibung, Ausländer – und vor allem: Religion.

Von Sebastian KrauseKleine Zeitung

Der Sturm der Entrüstung zog rasch auf und überraschte Barack Obama. Kaum hatte der demokratische US-Präsident seiner Gesundheitsreform eine folgenschwere Klausel angefügt, ging es auch schon los. Überall im Land wetterten Bischöfe und Priester von den Kanzeln, die republikanischen Katholiken sprachen von einem „Kampf um die Religionsfreiheit“, die Präsidentschaftskandidaten stellten den Wahlkampf in den Schatten der gemeinsamen Offensive gegen Obama. Besagte Klausel schreibt die kostenlose Versorgung von Verhütungsmitteln und der „Pille danach“ durch den Arbeitgeber vor. Ausgenommen ist nur die Kirche – nicht aber „kirchennahe“ Organisationen. Der Präsident führt einen Krieg gegen die Religion, sagen jene, die in den USA derzeit die öffentlichen Debatten bestimmen. Sie sind erzkonservativ, katholisch und rechts. Und sie können dem Wahlkampf eine Wende geben: Ihr Kandidat heißt nicht Mitt Romney, schon gar nicht Barack Obama; er heißt Rick Santorum.

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4 Comments

  1. Der gesellschaftlich Druck im US “bibel belt” ist enorm. Sehr viele meiner ex-Kollegen in Baton-Rouge und Houston sind Sonntag brav in die Kirche gegangen, weil es zur Aufrechterhaltung des Ansehens als “guter Christen” unverzichtbar war. Wer in dem fortune-200 Südstaatenkonzern kein Patriot, aktiver Christ und Weißer war, der hatte nicht die Spur eine Chance sich beruflich zu entwickeln.

    Ansonsten hatten sie mit der Religion überhaupt nichts am Hut. Bei den vielen und lang andauernden Aufenthalten in Europa, die wir oft gemeinsam absolviert haben, ist keiner von denen in Kirche gegangen, hat irgendwann gebetet oder sonst religiösen Stuß geredet.

    Es war einfach unverzichtbar in der Gemeinschaft der Nachbarn als frommer und guter Christ zu gelten, genau so wie es in der DDR unverzichtbar war als gläubiger Kommunist zu gelten, der die Religion der SED Wort für Wort nachbetet. Solche Leute zu Themen zu befragen, die einem derartigen Druck ausgesetzt sind, bringt selten schlüssige Ergebnisse

    In den USA wird laufend versucht den Evolutionsunterricht zu Gunsten der Bibel durch Gesetze zu behindern. Staaten wie Texas, New Mexico, Louisiana, New Hampshire, Arkansas, Oklahoma, Ohio, Kansas, Kentucky, Missouri, Florida, Tennesse, Virginia, Alabama, Indiana sind sehr aktiv. In Ohio werden 2012 in wenigen Wochen 6 Vorlagen als Gesetz eingereicht. Virginia erlässt 2010 sogar ein Gesetz, welches den Antichristen aus allen Mikrochips verbannt, der nach Del. Mark L. Cole dort sein fatales Unwesen treibt.

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  2. Hallo Argus7,
    ich kann Dir nur zustimmen.
    Vor vielen Jahren, am Tag als Dabbelyou Bush zum zweiten Mal gewählt wurde, sprach mich mit einem Kollegen in Kalifornien. Auf meine Frage ob er schon wählen war, bestätigte er dies, mit natürlich gleich morgens vor der Arbeit wäre er da gewesen. Auf meine Frage, wen er denn gewählt habe, erwiderte er, dass er natürlich Bush gewählt habe.
    Ich war wie vor den Kopf gestoßen und fragte ihn warum er so entschieden habe. Seine Antwort war: „Weil Kerry mich doch nicht beschützen kann“.
    Mein Kollege war ein intelligenter Computerspezialist mit Familie wie Du und ich. Ich war viele Jahrzehnte immer wieder mal auch für längere Zeit in USA. In Grenzen kann ich die Denke dieser Leute nachvollziehen. Die Lokalnachrichten reichen vollkommen aus, um 5 Minuten News abzudecken. Der Rest ist Werbung. Allerdings ist es mir ein Rätsel, warum sich diese Leute heute nicht über das Internet informieren.
    Man muss natürlich auch bedenken, wenn ein US Bürger ins Auto steigt und von der West – zur Ostküste fährt, dann ist er mindesten 3 Tage unterwegs, zahlt mit dem gleichen Geld, isst seinen Hamburger und hört keine andere Sprache als sein US-Kauderwelsch English. Die meisten der US-Bürger hatten noch nie einen Reisepass um ins Ausland zu fahren.
    Warum wundere ich mich nicht, dass sich diese Leute von Leuten wie Romney einseifen lassen?

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  3. Es macht den Anschein, als ob die amerikanischen Wähler nur die Wahl zwischen Pech und Cholera haben. Aber das war im Grunde genommen schon immer so. Auch bei uns in Deutschland dominieren die Religioten die Politik ja seit jeher. Jedes Volk hat somit auch die Regierung, die es verdient.

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