Scharia auf Katholisch


Religiöses Recht im Alltagsleben – das ist keine neue Idee von Muslimen. Der Fall einer Kita-Leiterin zeigt, wie die christlichen Kirchen ihr eigenes Recht durchsetzen.

Von Hermann HorstkotteZEIT ONLINE

Sie hat sich vom Ehepartner getrennt und ist mit ihrem neuen Lebensgefährten zusammengezogen. Deshalb erhielt Bernadette Knecht, die Leiterin eines katholischen Kindergartens in Rauschendorf bei Bonn, die Kündigung zu Ende Juni. Sie klagt jetzt vor dem Arbeitsgericht.

Jede dritte Ehe in Deutschland bricht auseinander. Normalerweise geht das den Arbeitgeber nichts an. Aber kirchliche Einrichtungen wie Kindergärten, soziale Einrichtungen aber auch Krankenhäuser haben ein besonderes Arbeits- und Kündigungsrecht. Es beruht auf Privilegien, die aus der Weimarer Verfassung von 1919 in das Grundgesetz übernommen wurden. Sie sichern, wie das Bundesverfassungsgericht wiederholt festgestellt hat, „die Eigenständigkeit und Unabhängigkeit der kirchlichen Gewalt“ in ihren Beschäftigungsverhältnissen. Dabei geht es insgesamt um mehr als 1,3 Millionen Arbeitnehmer, hauptsächlich in den Sozialunternehmen Diakonie und Caritas.

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5 Comments

  1. Hallo Argus7,
    Vor der letzten Bundestagswahl benutzte ich interessehalber mal den Wahlomat im Internet. Es waren wenn ich mich richtig erinnere ca. 23 Parteien, die mit einem kurzen Profil vertreten waren. 22 davon, außer die DKP, hatten irgendeinen religiotischen Schmusetext in ihren Statuten. Das war für mich der Zeitpunkt, nein nicht die DKP zu wählen, aber auf den Stimmzettel groß „Religioten“ zu schreiben. Auch ich habe bis jetzt alle Bundestagswahlen mitgemacht (ca.10), aber an den Nächsten werde ich nur auf die beschriebene Weise teilnehmen. 🙂

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  2. @ Sospetto

    Besten Dank für den Hinweis. Das wußte ich nicht. Ich werde meinen nächsten Wahlzettel mit entsprechenden Texten „verzieren“. Bisher habe ich übrigens in meinem ganzen Leben keine einzige Wahl (oder Abstimmung) versäumt. Jetzt aber haben es die Religioten in der SPD und die Grünen endlich doch geschafft, mich zum Wahlabstinenzler zu machen.
    Die SPD, weil sie den Laizisten in ihrer Partei einen Arbeitskreis verweigern und die Grünen, weil sie mit der Göring-Eckhardt nicht nur eine profilierte Religiotin in ihren Reihen haben, sondern außerdem der Homöopathie und der Anthroposophie (und der Esoterik insgesamt) anhängen. Die meisten Wähler der Grünen haben noch gar nicht mitbekommen, wie bescheuert große Teile dieser Partei sich zu diesen Pseudowissenschaften stellen.

    Zur Erinnerung: Die Gesundheitsministerin in NRW, Barbara Steffens, ist Dodo-Preisträgerin im Januar 2012. Aber auch die Stuttgarter Bundestagsabgeordnete Biggy Bender liegt als gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen auf der gleichen Linie.

    Ach ja: CDU, FDP und die Linke kann man ohnehin vergessen. Das gilt insbesondere auch für die Politik-Azubis und Spaßpolitiker die Piraten.

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  3. Hallo Argus,
    es reicht nicht, nicht wählen zu gehen. Du musst Deine Stimme ungültig machen, sonst wird sie über die Listen umgelegt und prozentual den Parteien zugeschlagen, die Du nicht wählen würdest.
    Wer es besser weiß, darf mich gerne korrigieren. 🙂

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  4. Die Kirche verstößt mit dieser Diskriminierung in Deutschland eindeutig gegen EU Recht (und gegen die europäischen Menschenrechte). In Frankreich käme die katholische Kirche damit nicht durch. So versteht man die Angst der Kirche vor der seit 200 Jahren überfälligen sauberen Trennung von Kirche und Staat. Europa wird dieser kirchlichen Willkür zwar langsam den Garaus bereiten aber versteht warum die Kirche Europa fürchtet. EU Recht schützt zwar vor Diskriminierung von EU Ausländern in Deutschland. Ein EG Beamter hat mal gesagt, “ man habe sich eben nicht vorstellen können das Deutschland auch Deutsche diskriminiert würde“…wäre die Kindergärtnerin eine Fransösin, Italienerin.. wäre der Fall schnell bein Europäischen Gerichtshof in Luxrmburg. Aber Deutsche (und Türken) darf die Kirche bei uns weiterhin (mit Wohlwollen der christlichen Parteien und der SPD Führung) diskriminieren; andere EU Arbeitnehmer haben bessere Karten bei uns als Deutsche, denn das Gericht Würde bei EU Bürgern nicht selbst entscheiden sondern „Luxemburg“ anrufen. Da unsere Politiker aber vor der Kirche Angst haben, bleibt uns Deutschen bei Diskriminierungen durch die Amtskirchen nur der Gang zum Europäischen Menschenrechtgerichtshof in Strassburg, so sind wir wenigstens dort mit Weissrussland hier gleichgestellt. 😉

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  5. Für mich war es bisher kein Problem, christliche oder muslimische Politiker zu wählen. Da diese Leute aber – und mit ihnen die dahinter stehenden Organisationen wie die Diakonie, die Caritas usw. – mehr und mehr ihre privaten religiotischen Bekenntnisse und Vorschriften ins politische Spiel einbringen, neige ich dazu, den Wahlen ganz fernzubleiben. Die Suche nach einer demokratisch orientierten Partei, die nicht von den beiden christlichen Kirchen manipuliert und dominiert wird und die konsequent auch die Interessen der konfessionslosen Mehrheit wahrnimmt, bleibt in Deutschland leider reines Wunschdenken.

    Das muss sich ändern ! Ich meine, dass eine Partei, die sich konsequent für die Interessen der Konfessionslosen, der Atheisten und Freidenker einsetzt, sich durchaus auf großen Zuspruch in diesen Kreisen stützen könnte. Programmpunkte, wie z.B. die Kündigung des Konkordates mit dem Vatikan und die Kündigung der diversen Staatsverträge mit den Evangelen wären bestimmt dazu angetan, bei bisher kaum über diese unseligen Vertragswerke informierten Wählern, auf Zustimmung zu stossen. Es ist schließlich längst nicht allgemein bekannt, dass letztlich auch Konfessionslose durch die Hintertüre ebenfalls Kirchensteuer zahlen.

    Eine humanistisch-demokratisch-laizistisch strukturierte Partei, als Gegenpol zu den stark mit den Kirchen verbandelten Parteien CDU/CSU, SPD, FDP und die Grünen, könnte garantiert auf größere Wähleranteile zählen. Die unselige Allianz der Religioten in diesen Altparteien muß irgendwann – am besten sofort – aufgebrochen werden. Bis dahin bleibe ich an den Wahlsonntagen künftig konsequent zu Hause.

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