Von Großpredigern und intellektuellen Hofnarren

Joachim Gauck: Der Bundespräsident hat eher die Funktion eines intellektuellen Hofnarren. Bild:DPA

Das Amt des Präsidenten darf nicht weiter Schaden nehmen, Angela Merkel hat den Präsidenten-Poker verloren – so lauten einige Befunde zur Kür von Joachim Gauck. Aber das ist alles Unfug: Das Präsidentamt ist eh völlig überflüssig und der Streit darum nur eine Politik-Farce.

Von Helmut DäubleSpON

Der König ist tot, es lebe der König. Mit dem Abgang des untragbar gewordenen alten Bundespräsidenten ist die Erleichterung, dass der letzte Akt eines unwürdigen Schauspiels endlich zu Ende gegangen ist, im selben Maße zu greifen, wie es einem angst und bange werden kann ob der Lobeshymnen auf den kommenden Bundespräsidenten. Was wird von Joachim Gauck nicht alles erwartet, welche medialen Heilserwartungen soll er nicht noch erfüllen: Er möge dem Amt die Würde zurückgeben und ihm neues Leben einhauchen, er sei eine Riesenchance, erwartet wird ein „Bundespräsident von außergewöhnlichem Zuschnitt“. Jetzt schon wird er in eine Reihe mit Heuss und Weizsäcker gestellt. Das kann eigentlich nur böse enden.

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Störrische SPD-Laizisten

Foto: DERWESTEN

Trotz der ablehnenden Haltung der Parteispitze wollen Laizisten in der SPD weiter für eine stärkere Trennung von Religion und Staat in Deutschland kämpfen. „Wir machen die Erfahrung, dass unsere Anliegen an der Basis der SPD auf sehr große Resonanz stoßen“, sagte Michael Bauer, Bundessprecher der Laizisten-Gruppierung, in einem Interview der Nachrichtenagentur dapd.

DERWESTEN

Trotz der ablehnenden Haltung der Parteispitze wollen Laizisten in der SPD weiter für eine stärkere Trennung von Religion und Staat in Deutschland kämpfen. „Wir machen die Erfahrung, dass unsere Anliegen an der Basis der SPD auf sehr große Resonanz stoßen“, sagte Michael Bauer, Bundessprecher der Laizisten-Gruppierung, in einem Interview der Nachrichtenagentur dapd.

„Ich glaube, dass wir emotional und symbolisch ein sehr wichtiges Thema besetzt haben.“ Bauer verwies auf die Millionen Menschen, die als kirchliche Mitarbeiter „von den wirklich überholten Sittengesetzen der christlichen Kirchen“ betroffen seien. Es sei „ein ursozialdemokratisches Thema“, hier für Freiheit zu sorgen.

Der SPD-Vorstand verweigert der Gruppe mit rund 1.000 Mitgliedern die Anerkennung als offizieller Arbeitskreis. Parteichef Sigmar Gabriel und Generalsekretärin Andrea Nahles wiesen unlängst Vorwürfe zurück, die Sozialdemokraten verprellten damit die Freidenker in der Partei.

Petrusgrab: Ort einer Verschwörung gegen Hitler?

Petrusgrab,Petersdom, Foto: wikipedia

Eine Verschwörung gegen Adolf Hitler, eingefädelt im Vatikan am geheimsten Ort, den es in jenen Tagen dort gab: am Petrusgrab in den Grotten der Vatikan-Basilika. Das klingt nach einer kühnen These, für die es freilich manch stichhaltiges Indiz sowie Zeugnisse aus erster Hand gibt. Die Historikerin Barbara Frale, die am vatikanischen Geheimarchiv arbeitet, hat Publikationen und Dokumente zu diesem Thema zusammengetragen. Sie erklärte uns:

Radio Vatikan

„Die Schlüsselfigur ist Prälat Ludwig Kaas. Als Ausgrabungsleiter behielt er mit einem Auge die Archäologen im Blick, die mitunter auch mit ungeeigneten Methoden vorgingen. Und mit dem anderen Auge kontrollierte er die Bewegungen rund um den Austausch von Informationen, die gelegentlich dort unten in der Vatikan-Nekropole stattfanden. Wir haben da beispielsweise ein Dokument, das vor Jahren veröffentlicht wurde. Es stammt von dem deutschen Diplomaten Fritz Menshausen, Botschaftsrat an der deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl. Dieser schickte einen Protestbrief an Kardinalstaatssekretär Luigi Maglione, in dem er schrieb: „Im Vatikan findet eine Verschwörung statt, und im Mittelpunkt steht Kaas. Der Vatikan verletzt die Neutralität mit den Engländern – wir wissen das!“ Klarerweise wies das Staatssekretariat das sofort zurück. Aber interessanterweise trägt das Dokument eine handschriftliche Notiz von Maglione, der schrieb: „Menshausen weiß alles“.

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Schweiz: Freidenker starten Kampagne Trennung Kirche-Staat

Bild: http://www.frei-denken.ch

Mit einer Plakatkampagne ruft die Schweizer Freidender-Vereinigung der Schweiz (FVS) zur Wahl von Politikern auf, die sich für eine Trennung von Staat und Kirche aussprechen. Gemäss Communiqué läuft die Kanpagne am Dienstag an.

Die FVS tritt für eine Trennung von Staat und Kirchen ein. Religiöse Gruppen sollen sich – wie andere weltanschauliche Gemeinschaften – ohne staatliche Privilegierung dem freien Wettbewerb der Weltanschauungen und Meinungen stellen.

Die Trennung von Staat und Kirchen ist sowohl ein Zustand als auch ein Prozess. Die vollständige Trennung, wie wir sie anstreben, ist z.B. in den USA verwirklicht. Die Trennung von Staat und Kirchen ist aber auch ein Prozess, der darin besteht, dass bestehende Verbindungen zwischen Staat und Kirchen fortschreitend abgebaut werden. Bereits im vorhergehenden Jahrhundert wurde z.B. eine Trennung auf dem Gebiete des Zivilstandswesens vollzogen. Wir Freidenker begrüssen und unterstützen diese Entwicklung.

Die Trennung von Staat und Kirchen bedeutet insbesondere

  • Verzicht auf die finanzielle Unterstützung der Kirchen mit staatlichen Geldern
  • Keine Erhebung von Kirchensteuern durch den Staat
  • Keinen religiösen Unterricht durch staatliche und in staatlichen Schulen
  • Verzicht auf religiöse Symbolik im staatlichen Bereich.

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Von der Bedeutungslosigkeit des politischen Katholizismus

Joachim Gauck: Fast nur Freunde (© dapd )

Die Frage steht im Raum – nicht erst seit der jüngsten Talkshow von Günther Jauch am Sonntag im Ersten. Pastorentochter Angela Merkel, aufgewachsen im brandenburgischen Templin, als Bundeskanzlerin und jetzt womöglich auch noch der evangelische Theologe Joachim Gauck aus Rostock als Bundespräsident. „Ist das nicht zuviel protestantischer Osten?“, wollte der Moderator mit Unschuldsmiene von seinen Gästen wissen.

domradio.de

Eine Steilvorlage für den stets streitbaren Heiner Geißler. Dieser Vorgang werfe auch „ein Licht auf die zunehmende Bedeutungslosigkeit des politischen Katholizismus in Deutschland“, wetterte der ehemalige CDU-Generalsekretär.

Für Geißler, der vor seiner politischen Karriere mit dem Eintritt in den Jesuitenorden liebäugelte, liegt der Fall klar. Dass mit Gauck, Katrin Göring-Eckardt, Margot Käßmann und Wolfgang Huber gleich vier namhafte Vertreter der evangelischen Kirche für die Nachfolge des zurückgetretenen Katholiken Christian Wulff im höchsten Staatsamt genannt wurden, sei kein Personalproblem der Parteien, so Geißler. „Es ist ein Problem der Kirche und zwar des Vatikan, der Kurie, die sich vertikal in die Höhe spiritualisiert und die politische Dimension des Evangeliums vollkommen aus dem Auge verliert.“

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