Lateinischer Patriarch von Jerusalem: Religion und Politik strikt trennen


Fouad Twal, Foto: wikimedia

Missionsverbot, Übergriffe radikaler Siedler auf Kirchen, die Last der Kirchengeschichte: Israel tut sich nicht leicht mit dem Christentum – Ein Gespräch mit dem Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Fouad Twal.

Von Oliver MaksanDie Tagespost

Eure Seligkeit, immer wieder beschweren sich katholische Geistliche in Israel, dass ultra-orthodoxe Juden vor Ihnen ausspuckten. Ist diese Form des Anti-Katholizismus repräsentativ für das Land?

Es sind nicht so sehr anti-katholische, sondern ganz allgemein anti-christliche Vorurteile. Denken Sie an die jüngsten Graffiti-Anschläge auf eine orthodoxe und eine baptistische Kirche in Jerusalem. Die wurden wahrscheinlich von radikalen Siedlern ausgeführt, die nicht zwischen Katholiken und anderen christlichen Konfessionen unterscheiden. An die baptistische Kirche haben sie deshalb auch geschrieben „Tod den Christen“. Das gilt uns allen. Insofern sitzen wir Christen hier im Heiligen Land alle im selben Boot. Tatsächlich erleben unsere Geistlichen, aber auch Armenier und Orthodoxe, im Alltag häufig, was Sie eingangs genannt haben – sowohl als Einzelne, aber auch während der Prozessionen durch die Jerusalemer Altstadt etwa zur Grabeskirche. Ich habe darüber mit dem Oberrabbinat Israels gesprochen. Sie verurteilen, was manche Siedler und Ultra-Orthodoxe tun. Entschuldigung und Verurteilung sind aber nicht genug. Die jüdische Seite muss fragen, woher dieses Verhalten stammt, etwa vor einem Priester auszuspucken. Meiner Meinung nach liegt es in der Erziehung begründet. In den Religionsschulen wird den jungen Leuten dieses Verhalten beigebracht.

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Ein Gedanke zu “Lateinischer Patriarch von Jerusalem: Religion und Politik strikt trennen

  1. Rolo

    Ultra-orthodoxe Juden spucken halt mal gerne. Wenn den Christen dann das Wasser bis zum Hals steht, sind die sogar im Stand sich um 180 Grad zu wenden. Im Übrigen ist anzunehmen, dass der Patriarch die Trennung nur für seinen Herrschaftsbereich Israel meint. Ich glaube ansonsten hätte er bei seinem Papa in Rom, verdammt schlechte Karten.

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