(Wahl)kampf um die Christen auf dem „Markplatz der Religionen“


Nicht nur unter katholischen Schwestern findet Präsidentschaftsbewerber Santorum (l.) Anhänger. Foto: AFP/Pugliano

Eiferer gegen die Homoehe und Schwangerschaftsabbrüche selbst nach einer Vergewaltigung machen im Vorwahlkampf lautstark von sich reden. Der tiefreligiöse republikanische Präsidentenbewerber Rick Santorum ist im Aufwind. Wo aber steht die bisher schweigende Mehrheit der US-amerikanischen Christen?

Von Max Böhnel ND

In keinem anderen Land der Welt sind die Christen so schwer zu durchschauen wie in de USA. Das liegt zum einen daran, dass »Gods own country« im Vergleich mit anderen Industrienationen tatsächlich eine Bastion des Glaubens geblieben ist. Zwei Drittel der Amerikaner glauben, dass es einen Gott gibt, in Westeuropa nur ein Drittel. Fast die Hälfte der US-Amerikaner geht einmal pro Woche in die Kirche – in Skandinavien jeder Zwanzigste, im katholischen Spanien jeder Vierte. Dazu kommen die Bedeutung von Religion in der Gesellschaft, die schiere Masse und die unvergleichliche Vielfalt der Christen, die das Land zwischen Atlantik und Pazifik zur Ausnahmenation in Sachen Christentum machen. 76 Prozent der Bevölkerung sind nach den letzten verfügbaren Zahlen von 2008 Christen, schätzungsweise also 235 Millionen. Damit sind die USA das Land mit den meisten Christen weltweit.

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