Bayern: unzufrieden und enttäuscht

Foto: sat1.de

Die Unzufriedenheit mit der katholischen Kirche im Freistaat ist derzeit groß. Zum Ärger um die Reformen in den Bistümern kommt jetzt noch die Streichung einer Fachstelle Prävention sexueller Gewalt hinzu.

Von Andreas RoßSüddeutsche.de

In der katholischen Kirche im Freistaat gärt es derzeit gewaltig. Im Bistum Augsburg werden am Sonntag zahlreiche Gläubige nach dem Gottesdienst ihre Kirche umarmen, um so gegen die von Bischof Konrad Zdarsa angekündigte Zusammenlegung von Pfarreien zu protestieren.

Bis am Donnerstagnachmittag hatten bereits 86 Pfarreien ihre Bereitschaft zum öffentlichen Protest kundgetan. Auch im Erzbistum München und Freising hat Kardinal Reinhard Marx Ärger mit den Laien in der Kirche, weil die sich mit ihren Wünschen und Anliegen vom Bischof nicht ausreichend verstanden und gewürdigt fühlen. Und im Bistum Passau hat es zum ersten Mal eine Kontaktaufnahme von Priestern mit der österreichischen Pfarrerinitiative „Aufruf zum Ungehorsam“ gegeben, der im Nachbarland inzwischen 400 Priester angehören.

weiterlesen

Fundamentalismus und andere Neurosen

Bernardo Arias Porras als Oberchrist. Foto: Arno Declair

„Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter.“

Von Christian Rakow Berliner Zeitung

Wenn sich ein Jugendlicher derart schneidige Kampfansagen aus dem Evangelium des Matthäus herausholt, dann muss im Religionsunterricht wohl einiges schief laufen. Zumal der Reli-Lehrer ihn auch noch ermuntert, seine Einsichten ruhig mal nach der Schule im Bibelkreis vorzutragen. Alle Eltern, die beim letzten Volksentscheid in Berlin Religion als Pflichtfach abgelehnt haben, dürften sich aufs Gruseligste bestätigt sehen.

Aber natürlich will Marius von Mayenburg in seinem neuen Drama „Märtyrer“ gar nicht so konkret über den Berliner Schulalltag sprechen. Vermutlich ist es auch egal, ob sein Protagonist Benjamin als christlicher Fundamentalist oder als Dschihadist oder als politischer Radikalo angelegt ist. Was zählt, ist das umfassendere zeitgeistige Gedankenexperiment: Wie mag das aussehen, wenn eine furchtbar liberale Gesellschaft von kompromisslosen Fanatikern aufgemischt wird?

weiterlesen

Global Prayers

Im Haus der Kulturen der Welt diskutierten über 50 Wissenschaftler über die "Global Prayers". (Bild: Sabine Wenzel)

Ob Christen, Hindus oder Muslime. In immer mehr Ländern prägen religiöse Bewegungen nicht nur den Alltag und die Kultur, sondern auch das politische Geschehen. Auf einer Veranstaltung im Haus der Kulturen der Welt in Berlin debattierten Wissenschaftler über religiöse Heilslehren und Fortschrittsversprechen.

Von Andreas BeckmannDeutschlandfunk

Für westliche Ohren fast unvorstellbar, für afrikanische geradezu alltäglich: Das Klangbild einer Millionen-Stadt wird dominiert von religiösen Feiern, die in zahllosen Gotteshäusern stattfinden und wegen des massenhaften Andrangs nach draußen übertragen werden.

So wie im nigerianischen Lagos prägt die christliche Pfingstkirche in vielen Metropolen Schwarzafrikas den Alltag. In der arabischen Welt beherrschen oft islamistische Gruppen wie die Muslimbrüder die Straßen. Und in Mumbai sitzen Vertreter radikaler Hindus längst in den obersten Rängen der kommunalen Verwaltung. Für den Anthropologen Werner Schiffauer von der Viadrina Universität in Frankfurt an der Oder kommen diese Entwicklungen nicht überraschend.

„Bei allen drei Phänomen geht es darum, dass sie in den 70er, 80er-Jahren ihren Aufschwung erlebt haben mit … dem Scheitern unseres Fortschrittsgedanken. Bis in die 70er-Jahren herrschte ja der Nachkriegsgedanke, dass es aufwärts geht, dass der Mensch sich innerhalb von ein paar Jahren von der selbst verschuldeten Unmündigkeit befreien wird. Dass er mit der Atomenergie eine Energieform hat, die sauber ist, dass mit der grünen Revolution die Ernährung aller gewährleistet ist, dass mit der Dekolonisierung das Aufholen der Dritten Welt verknüpft ist. … Keine dieser Sachen hat sich bewahrheitet, wir haben zwar eine wahnsinnige Beschleunigung, aber wir haben keine Richtung mehr, in der wir wissen, wo es hingeht.“

weiterlesen

Esoterik: Wenn die Sinnsuche zum Wahn wird

Joachim Huessner,Bild: Fakt.ard.de

Der Esoterik-Markt in Deutschland boomt. Eine Studie der Universität Hohenheim ergab, dass bis zu 15 Prozent der Deutschen sogenannte spirituelle Sinnsucher sind. Ob Heiler, Kartenleger oder Wahrsager, die Branche setzt im Jahr mehrere Milliarden Euro um.

ARD

Doch Experten wie der Religionswissenschaftler Hartmut Zinser warnen vor fragwürdigen Methoden und Scharlatanen. Zinser analysiert die Esoterik-Branche seit vielen Jahren und hat mehrere Studien dazu verfasst. Seine Erkenntnis: Esoterik kann gefährlich sein. Das gelte etwa, wenn falsche Diagnosen gestellt würden oder der Hilfesuchende abgehalten werde, zum Arzt zu gehen. Zinser fordert deshalb einen religiösen Verbraucherschutz. Er schlägt unter anderem vor, die Esoterik-Anbieter haftbar zu machen. Außerdem sollten sie strafrechtlich verfolgt werden können, wenn sie gültige Gesetze übertreten.

weiterlesen

„Sarrazin inszeniert sich als Dr. House der Genetik“

Bild: News.at

Ein junger Türke provoziert mit seiner Streitschrift „Wir kommen“. Im NEWS-Interview erklärt er, warum seine Landsleute Europa bestimmen werden.

Von Walter PohlNews.at

Freitag der Vorwoche im Multikulti-Restaurant „Kent“ am Wiener Brunnenmarkt. Dort, wo die Migrationsgrenzen zwischen Türken, Serben und Albanern in der ethnischen Realität verschmelzen wie die Zitrone und der Pfeffer in seiner Linsensuppe, sitzt ein 25-jähriger adrett gekleideter, fescher junger Mann und sagt in perfektem Hochdeutsch: „Ich liebe scharfe Linsensuppe. Seit meiner Jugend.“

Dann schiebt er dem NEWS-Team zwei Ausgaben seines streitbaren Büchleins über den Tisch: am Cover auf knallrotem Hintergrund der türkische Mondstern und darunter der simple Titel „Wir kommen“.
Weiterlesen „„Sarrazin inszeniert sich als Dr. House der Genetik““