Fundamentalismus und andere Neurosen


Bernardo Arias Porras als Oberchrist. Foto: Arno Declair

„Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter.“

Von Christian Rakow Berliner Zeitung

Wenn sich ein Jugendlicher derart schneidige Kampfansagen aus dem Evangelium des Matthäus herausholt, dann muss im Religionsunterricht wohl einiges schief laufen. Zumal der Reli-Lehrer ihn auch noch ermuntert, seine Einsichten ruhig mal nach der Schule im Bibelkreis vorzutragen. Alle Eltern, die beim letzten Volksentscheid in Berlin Religion als Pflichtfach abgelehnt haben, dürften sich aufs Gruseligste bestätigt sehen.

Aber natürlich will Marius von Mayenburg in seinem neuen Drama „Märtyrer“ gar nicht so konkret über den Berliner Schulalltag sprechen. Vermutlich ist es auch egal, ob sein Protagonist Benjamin als christlicher Fundamentalist oder als Dschihadist oder als politischer Radikalo angelegt ist. Was zählt, ist das umfassendere zeitgeistige Gedankenexperiment: Wie mag das aussehen, wenn eine furchtbar liberale Gesellschaft von kompromisslosen Fanatikern aufgemischt wird?

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