Global Prayers


Im Haus der Kulturen der Welt diskutierten über 50 Wissenschaftler über die "Global Prayers". (Bild: Sabine Wenzel)

Ob Christen, Hindus oder Muslime. In immer mehr Ländern prägen religiöse Bewegungen nicht nur den Alltag und die Kultur, sondern auch das politische Geschehen. Auf einer Veranstaltung im Haus der Kulturen der Welt in Berlin debattierten Wissenschaftler über religiöse Heilslehren und Fortschrittsversprechen.

Von Andreas BeckmannDeutschlandfunk

Für westliche Ohren fast unvorstellbar, für afrikanische geradezu alltäglich: Das Klangbild einer Millionen-Stadt wird dominiert von religiösen Feiern, die in zahllosen Gotteshäusern stattfinden und wegen des massenhaften Andrangs nach draußen übertragen werden.

So wie im nigerianischen Lagos prägt die christliche Pfingstkirche in vielen Metropolen Schwarzafrikas den Alltag. In der arabischen Welt beherrschen oft islamistische Gruppen wie die Muslimbrüder die Straßen. Und in Mumbai sitzen Vertreter radikaler Hindus längst in den obersten Rängen der kommunalen Verwaltung. Für den Anthropologen Werner Schiffauer von der Viadrina Universität in Frankfurt an der Oder kommen diese Entwicklungen nicht überraschend.

„Bei allen drei Phänomen geht es darum, dass sie in den 70er, 80er-Jahren ihren Aufschwung erlebt haben mit … dem Scheitern unseres Fortschrittsgedanken. Bis in die 70er-Jahren herrschte ja der Nachkriegsgedanke, dass es aufwärts geht, dass der Mensch sich innerhalb von ein paar Jahren von der selbst verschuldeten Unmündigkeit befreien wird. Dass er mit der Atomenergie eine Energieform hat, die sauber ist, dass mit der grünen Revolution die Ernährung aller gewährleistet ist, dass mit der Dekolonisierung das Aufholen der Dritten Welt verknüpft ist. … Keine dieser Sachen hat sich bewahrheitet, wir haben zwar eine wahnsinnige Beschleunigung, aber wir haben keine Richtung mehr, in der wir wissen, wo es hingeht.“

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