Facebook: Bigott, prüde und von seltsamer Moral


Madonna mit dem grünen Kissen (Maria lactans), Andrea Solario, Bild: wikipedia
Madonna mit dem grünen Kissen (Maria lactans), Andrea Solario, Bild: wikipedia

Facebook, sogenannter Social-Network-Gigant, leidet offensichtlich an einer schweren Form der Schizophrenie: Einerseits nicht dafür bekannt, intime Daten seiner Nutzer zu verschmähen, zeigte sich kürzlich die andere Seite: Da wurden Facebook-Fotos von Nutzern gesperrt, weil sie Mütter beim Stillen zeigen.

Von Eo BoruckiMAIN POST

Dies sei „anstößig“, so Facebook. Nun behaupten wir, dass sich ein ebenso gestelztes Prüderie-Getue nicht mal in den allerfundamentalistischsten Kreisen finden ließe. Sogar der Vatikan protzt mit stillenden Madonnen, und zwar gemalt von den größten Meistern der Renaissance. Am Anblick haben weder Rafael, Leonardo, Michelangelo noch das Papsttum Anstoß genommen. Insofern wagen wir die steile These, dass ein Hirn schon sehr vom Gestank puritanischer Verklemmtheit (oder von schweren, pubertären Hormonschüben) umwabert sein muss, um beim Anblick einer nahrhaft sich darbietenden Mutterbrust auch nur entfernt Unschickliches denken zu können. Wenn zudem ein schmatzender Säugling angelegt ist, dürfte das noch dem hartnäckigsten Busenfetischisten die Milch einschießen lassen vor Rührung! Was sagt uns das über den „Social-Network-Giganten“? Er ist offenbar verklemmt, sobald Natürlichstes auf seiner Plattform erscheint; alle sonstige Intimität saugt er gierig ein, um Maximalprofit herauszupeitschen. Mangels sinnvoller Erklärung der Vorgänge vermuten wir hinter dem Vorgehen den Wunsch, lästige Konkurrenz auszuschalten – denn ein intensiveres Social-Networking als der zwischen Mutter und Kind kann auch Facebook nie bieten.

3 Comments

  1. Apropos Facebook-Freunde: Da kann man offenbar eine Menge „Freunde“ gewinnen. Das verkünden schließlich die Facebook-Betreiber. Manche Facebook-User sind ja auch besonders stolz auf die große Zahl ihrer „Freunde“. Stellt sich die Frage: Was für eine Sorte Freunde sollen das denn sein ?

    Ich habe mal den folgenden Satz geprägt: „Mir geht es gut, und ich habe viele Freunde. Jetzt fehlt mir noch einer für den Fall, dass es mir mal schlecht geht !“ (Ist wirklich von mir !)

    Mit hehren, nichtssagenden Worten gehen die Amis allemal ziemlich großzügig um. So z.B. mit dem Wort „stolz“. „Ich bin
    stolz Amerikaner zu sein !“ bekannte mir mal ein Ami. Ich erwiderte ihm, dass man lediglich auf eine eigene Leistung, nicht aber auf eine Laune der Natur stolz sein könne, die einen zufällig als Ami, Deutscher, Türke oder was auch immer in diese Welt gestellt hat. Es ist schließlich nichts anderes als dieser dümmliche, total bescheuerte Nationalstolz, der unserer Welt diese Vielzahl von Kriegen beschert hat. Wieviel besser wäre es, wenn man stattdessen sagen würde: „Ich liebe mein Heimat, das Land, in dem ich geboren wurde !“ Gegen die Liebe zu seiner Heimat ist schließlich rein gar nichts einzuwenden.

    Es ist nicht zu leugnen, dass uns die Amis im Laufe der Zeit ein gehöriges Maß an Unkultur beschert haben. Dazu zählt auch die religiöse Bigotterie, auf der aktuell die republikanischen Präsidentschaftsbewerber – allen voran der religiotische Extremist
    Santorum – reiten. Auch er führt bei jeder Gelegenheit das Wort vom „Stolzsein Amerikaner zu sein“ im Munde. Wir Europäer wären gut beraten, wenn wir uns gegen den aus den USA importierten Wertezerfall abgrenzen würden. So beschert uns Facebook unter Garantie keine wirklichen Freunde und vor Polit-Religioten wie Santorum und Romney möge uns ein gnädiges Schicksal bewahren.

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  2. Ich schließe mich Argus7 vollumfänglich an. Erklärlich wird diese Prüderie dadurch, dass man nur sehen muss, wo sie herkommt. Ist Facebook nicht in USA beheimatet, wo die größten religiotischen Fundamentalisten wohnhaft sind? Diesen Dumpfbacken traue ich alles zu, auch dass Romney gewählt wird. 😦

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  3. Intuitiv hatte ich schon immer Vorbehalte gegenüber Facebook. (Ich bin eben von Natur aus mit kritischem Denken ausgestattet und springe nicht auf jeden Trendzug auf.) Ich hatte mich zwar schon mal auf den Einstieg vorbereitet, dann aber den letzten Bestätigungsschritt nicht vollzogen. Zuvor wurde ich mehrfach eindringlich aufgefordert, jetzt doch endlich die Anmeldung zu bestätigen. Das hat mich schließlich so genervt, dass ich darum gebeten habe, mich künftig nicht mehr zu belästigen. Da hatte ich offenbar rein intuitiv den richtigen Riecher. Facebook muß nicht sein. Mit bigotten Arschlöchern will ich schließlich nichts zu tun haben. Auch ohne Facebook geht das Leben weiter.

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