Papst Pius XI. Enzyklika »Mit brennender Sorge«


Pius XI., 1930, Foto: wikipedia

Michael Kardinal von Faulhaber, Erzbischof von München und Freising

Die Kanonen des Krieges sind die Sprachrohre der rufenden Gnade Gottes!

Papst Pius XI. wandte sich ab 1931 erstmals per Radio aus dem Vatikan direkt an die Menschen. Noch herrschte Frieden auf der Welt. Aber es sollte nicht mehr lange dauern bis zur Katastrophe des 2. Weltkrieges. In der Tat: 1933 kam Adolf Hitler zur Macht, im Vatikan sah man mit zunehmender Sorge auf das dumpfe Geschehen in Berlin. Papst Pius XI. und sein Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli – langjähriger Nuntius in Deutschland – trugen immer schwerer die Last einer großen Verantwortung.

münchner kirchenradio.de

„Mit brennender Sorge und steigendem Befremden beobachten Wir seit geraumer Zeit den Leidensweg der Kirche, die wachsende Bedrängnis der ihr in Gesinnung und Tat treubleibenden Bekenner und Bekennerinnen inmitten des Landes und des Volkes, dem St. Bonifatius einst die Licht- und Frohbotschaft von Christus und dem Reiche Gottes gebracht hat.“

Es ist in diesen Tagen 75 Jahre her, dass Papst Pius XI. sich mit diesen Worten an alle deutschen Katholiken wandte. „Mit brennender Sorge“ ist die erste und bisher einzige Enzyklika in deutscher Sprache. Lange hatten fünf deutsche Bischöfe und der Papst darum gerungen, in welcher Form und mit welchen Inhalten es klug und richtig sei, in aller Öffentlichkeit die Rechte der deutschen Katholiken gegenüber dem nationalsozialistischen Staat einzuklagen. Die Enzyklika trug die Handschrift Eugenio Pacellis und Kardinal Michael Faulhabers. Alle diplomatischen Bemühungen hatten nichts erbracht.

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3 Comments

  1. Der Historiker Karl-Heinz Deschner hatte schon kurz nach dem Krieg den Mut aufgebracht, den 1933er „kalten“ Staatsstreich Hitler’s auf die Intrigen des Vatikan zur „Machtergreifung“ und „Ermächtigung“ hitler’s zurūckzufūhren. Hitler hatte kurz vorher in einem Gerichtsprozess eidlich ausgesagt, die Macht nur formal legal zu erringen: Reichskanzler von Papen, dann Hitler’s Stellvertreter und gleichzeitig hoher vatikanischer Wūrdenträger, Prälat Ludwig Kaas, Profs an der Bonner Uni und gleichzeitig Vorsitzender der katholischen Zentrumspartei im Deutchen Reich, Eugenio Pacelli, vormals Nuntius des Vatikan in Mūnchen und Berlin, dann Kardinalstaatssekretär Pius‘ XI waren die Schlüsselfiguren, die Hitler’s Weg zur Macht in Deutschland ebneten.

    Hitler bedankte sich noch 1933 mit dem fūr den Vatikan so vorteilhaften „Reichskonkordat“, das auch heute noch genutzt wird um die deutschen Katholiken und den deutschen Steuerzahler kräftig zur Ader zu lassen. DieSe Geschichtslklitterung durch das Mūnchener Kirchenradio soll den ramponierten Ruf Pius‘ XII etwas aufhellen, denn der Vatikan will ihm ja demnächst einen Heiligenschein umhängen.

    Das dunkle Spiel des Vatikan im Jahr 1933 soll wohl durch vatikanische Hofberichtserstattung ūbertūncht werden. 😉

    http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=11630

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  2. Die Enzyklika ist im historischen Kontext zu sehen: Die katholische Kirche war nicht prinzipiell Nazi-freundlich oder nazi-feindlich: Sie hatte ihre eigene Agenda. Zu Beginn der Nazizeit erhofften sie sich Vorteile aus der Kooperation mit den Nazis: 1870 war der Kirchenstaat praktisch aufgelöst worden und 1929 hatte der Faschist Mussolini mit den Lateranverträgen wieder etabliert (und im Hintergrund drohte der für den Vatikan gefährliche Sozialismus und Kommunismus). Da lag es für die katholische Kirche nahe, dass man mit dem Faschisten Hitler auch gemeinsame Interessen finden wird, zumal Hitler in katholischen Kreisen Zustimmung brauchte, die zuvor eher der Zentrumspartei zuneigten. So ergab sich für einige Zeit eine erquickliche Kooperation von Nazis und Katholiken.
    Die katholische Kirche stellte dann aber Zeit fest, dass die Nazis auch eine eigene Agenda hatten und sich sich an das 1933 geschlossene Reichskonkordat nicht in allen Punkten hielten. Entscheidend ist folgende Frage: Wem oder was gilt denn diese „brennende Sorge“, nach der die Enzyklika benannt ist? Liest man den Text mit dieser Frage im Hinterkopf, so ist es letztlich die Nichteinhaltung des Reichskonkordats, welche die Sorgen bereitet. Darüber hinaus wollten sie klar machen, dass der Glaube die höchste Gewalt über den Menschen haben sollte. Bezeichnend ist folgende Passage: „Wer die Rasse, oder das Volk, oder den Staat, oder die Staatsform, die Träger der Staatsgewalt oder andere Grundwerte menschlicher Gemeinschaftsgestaltung – die innerhalb der irdischen Ordnung einen wesentlichen und ehrengebietenden Platz behaupten – aus dieser ihrer irdischen Wertskala herauslöst, sie zur höchsten Norm aller, auch der religiösen Werte macht und sie mit Götzenkult vergöttert, der verkehrt und fälscht die gottgeschaffene und gottbefohlene Ordnung der Dinge.“
    http://www.vatican.va/holy_father/pius_xi/encyclicals/documents/hf_p-xi_enc_14031937_mit-brennender-sorge_ge.html

    Einerseits wird klargestellt, dass der Glaube die höchste Instanz zu sein hat und z.B. nationale und rassische Kriterien diesen nicht ersetzen dürfen: Dies war als Machtanspruch gemeint, wird aber heute von der Kirche gerne als Widerstand interpretiert. Bezeichnend ist aber an der Passage, dass zum Thema „Rasse“ gesagt wird, sie habe in der „irdischen Ordnung einen wesentlichen und ehrengebietenden Platz“.

    Das Schicksal der Juden war der katholischen Kirche egal: Mit der Enzyklika verfolgte sie ihre eigenen Interessen. Deshalb finden Freunde und Gegner der katholischen Kirche in deren Interaktion mit den Nazis viele Beispiele für Kooperation und für Widerstand: Sie kooperierte, wo es ihr nutzte und leistete Widerstand wenn es ihr für ihre eigenen Interessen hilfreich erschien.

    Ach ja: Der verlinkte Artikel beim Münchener Kirchenradio ist plumpe Geschichtsfälschung. In Gestalt des früheren Münchener Erzbischofs Kardinal Faulhaber zeigt sich aber schön die Verfolgung eigener Kircheninteressen: Vor 1930 sah er den Nationalsozialismus als „Häresie“, später verkehrte er mit Hitler, ließ im Dom ein Te Deum singen weil Hitler ein Attentat überlebte, verweigerte die Verurteilung der Judenverfolgung, geriet aber wegen der Enzyklika und anderer Themen in Konflikt mit den Nazis und wurde nach 1945 zum Widerstandbischof hochstilisiert.

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  3. Aus der „Dokumentation Obersalzberg“ (siehe Google: Adenauer Dokumentation Obersalzberg)

    Konrad Adenauer über die Bischöfe im Dritten Reich:

    „Ich glaube, daß, wenn die Bischöfe alle miteinander an einem bestimmten Tage öffentlich von den Kanzeln aus dagegen Stellung genommen hätten, sie vieles hätten verhüten können. Das ist nicht geschehen und dafür gibt es keine Entschuldigung. Wenn die Bischöfe dadurch ins Gefängnis oder in Konzentrationslager gekommen wären, so wäre das kein Schade, im Gegenteil. Alles das ist nicht geschehen und darum schweigt man am besten.“

    Konrad Adenauer an Pastor Bernhard Custodis (Bonn), 23. Februar 1946.
    Konrad Adenauer: Briefe 1945-1947 (1983)

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