Gottes Geist in Mega-Städten

Was macht die Religion mit der Stadt? Architekten, Geografen und Soziologen schauen bei einer Tagung in Berlin genau hin – und entdecken die Gestaltungsmacht der Pfingstkirchen

Von Christian ModehnReligionsPhilosophischer Salon

In Kiew, der Hauptstadt der Ukraine – sie hat drei Millionen Einwohner -, hat Gott eine eigene Botschaft: »Embassy of God« nennt sich dort die größte Pfingstkirche mit 25000 Mitgliedern. Ihr Gründer ist der aus Nigeria stammende Journalist Sunday Sunkanmi Adelaja. Inzwischen hat er für seine Embassy Church in 45 Ländern Filialen geschaffen. Sie widmen sich – neben dem inbrünstigen Gebet – der Betreuung von Alkoholkranken und Drogenabhängigen.

In Nairobi, der Hauptstadt Kenias – sie hat ebenfalls drei Millionen Einwohner -, haben mehr als tausend Missionare aus Südkorea ihr »Hauptquartier« bezogen: Allein die Manmin Church of Jaerock Lee verfügt in Kenia über 600 Gemeinden. Die Koreaner in Afrika nennen ihre Missionstätigkeit »Kreuzzüge«, sie wollen in ganz Afrika »die kosmische Macht Satans abwehren und die Individuen vom Teufel befreien«.

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Vatikan: Wo pfeifen die Whistleblowers?

Papst Benedikt XVI. im „Papamobil“ auf dem Petersplatz; meist in seiner Nähe ist Domenico Giani (v.r.), der Sicherheitschef des Vatikans © action press

Seit Monaten geraten immer wieder vertrauliche Dokumente vom päpstlichen Staatssekretariat an die Presse. Wer sie lanciert, ist weiterhin unklar – und die Arbeit der „Häscher“ des Vatikans schwierig.

Von Jörg BremerFrankfurter Allgemeine

Wahrscheinlich gehört Domenico Giani nach dem Papst zu den weltweit bekanntesten Menschen aus dem Vatikan, auch wenn nur wenige seinen Namen kennen. Der promovierte Pädagoge ist Chefleibwächter von Benedikt XVI., beschützt ihn auf dem Petersplatz und auf Reisen. So sahen schon Millionen Menschen den großen breitschultrigen Mann mit Glatze „live“ neben dem „Papamobile“.

Zurzeit aber ist Giani als „Generalinspekteur des Gendarmeriekorps“ gefragt. Der 1962 geborene Familienvater aus Arezzo in der Toskana versieht seit bald sechs Jahren dieses Amt als Leiter der Vatikanpolizei und macht Jagd auf die „Raben“, die in den vergangenen Monaten immer wieder vertrauliche Dokumente vom päpstlichen Staatssekretariat an die Presse lanciert haben. „Der Doktor“, wie ihn seine Mitarbeiter nennen, arbeitet dabei mit der päpstlichen Staatsanwaltschaft zusammen.

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Wie demokratisch ist die Kirche?

Heiner Buberski, Bild: Wiener Zeitung

Am 18. März werden in Österreichs römisch-katholischer Kirche neue Pfarrgemeinderäte (PGR) gewählt. Konkret heißt das: Zwei Drittel, also rund 30.000, der insgesamt ungefähr 45.000 Sitze in den etwa 3000 pfarrlichen Gremien werden durch Wahl vergeben. Das restliche Drittel machen amtliche (Priester, Diakone), entsandte (zum Beispiel aus in der Pfarre tätigen Orden oder aus wichtigen Gruppierungen) und zusätzlich berufene Mitglieder aus. Wird hier so etwas wie Demokratie in der sonst so hierarchisch strukturierten katholischen Kirche sichtbar?

Von Heiner BuberskiWiener Zeitung

Demokratie, also „Volksherrschaft“, entspricht nicht dem bisherigen Charakter der Kirche, die im Gegensatz zu weltlichen Gemeinwesen von oben nach unten statt von unten nach oben aufgebaut ist, getreu dem Jesus-Wort „Nicht ihr habt mich, sondern ich habe euch erwählt.“ (Johannes 15, 16) In einer monotheistischen Religion steht klarerweise der eine Gott unumstritten an der Spitze, seine Geschöpfe können keinerlei Führungsanspruch stellen und sich eigene Regeln geben. Das können nur Personen, die an keinen Gott als oberste Instanz glauben und sich daher als autonom (sich selbst Gesetze gebend) empfinden.

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Wider den aggressiven Humanismus des Westens

Kreml-Partei initiiert Anhörung zu Menschenrechten in EU-Ländern © RIA Novosti. Wladimir Fedorenko

Die Fraktion der Kreml-Partei Geeintes Russland initiiert in der Staatsduma (Unterhaus) ein Hearing über die Einhaltung der Menschenrechte in den EU-Ländern.
„Nicht ausgeschlossen ist, dass diese Anhörung mit der Verabschiedung von Sondererklärungen der Staatsduma zu Ende geht“, teilte Andrej Klimow, erster Vizechef des auswärtigen Ausschusses, am Mittwoch Journalisten mit.

RIA Novosti

„Die westlichen Länder legen ein humanistisches Pathos an den Tag, während in den baltischen Ländern Menschenrechte verletzt werden. In der arabischen Welt betreiben die sogenannten westlichen Demokratien eine Politik des aggressiven Humanismus, bei der die Menschenrechte mit Hilfe von Bombenflugzeugen hergestellt werden. Russland sollte schon längst seinen Standpunkt zur Situation mit dem Schutz der Menschenrechte darlegen.“

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USA: Religion schlägt Wirtschaft

Im Süden der USA mit seinen erzkonservativen Ansichten topmodern: Rick Santorum. Bild: reuters

Albtraum für den republikanischen US-Kandidatenfavoriten Mitt Romney: Bei zwei entscheidenden Vorwahlen in Mississippi und Alabama punktet Hauptgegner Rick Santorum.

Von Antje Passenheim taz

Die Kandidatensuche der Republikaner für die Präsidentschaftswahl im November geht weiter: Favorit Mitt Romney konnte sich bei den Vorwahlen in den Südstaaten Alabama und Mississippi nicht durchsetzen. Nach Auszählung von 96 Prozent der Stimmen in Mississippi lag Rick Santorum dort mit 33 Prozent vorn. Gefolgt von Newt Gingrich und Romney. Dieselbe Rangfolge ergab die Kandidatenkür zunächst in Alabama, wo bis zum frühen Morgen 79 Prozent der Wahlzettel ausgezählt waren. Dabei entfielen 35 Prozent der Stimmen auf Santorum, gefolgt von Gingrich (30 Prozent) und Romney (28 Prozent). Der vierte Bewerber, der Abgeordnete Ron Paul, rangierte unter ferner Liefen.

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