„Rechter Flyer“ wirbt für den Islam in Rostock

Der muslimische Gemeinde-Chef, Dr. Ahmer Maher Fakhouri (2. v. r.), hier bei einer früheren Besprechung mit KOE-Chefin Sigrid Hecht (v. l.), Ahmed Richter, Inan Kurtis und Roland Methling, suchte nach dem Bekanntwerden des Flyers gestern den Kontakt zum Rathaus.

Ein offensichtlich rechtsmotivierter Flyer, den Unbekannte momentan in die Briefkästen der Südstadt schmeißen, sorgt bei Rostocks Muslimen für Entsetzen.

Norddeutsche Neueste Nachrichten

Angeblich in ihrem Namen wird auf dem Zettel dafür geworben, „den Islam nach Rostock zu bringen“. Mehr Muslime würden in die Hansestadt kommen. Und der geplante Moscheebau werde ein Minarett haben, von dem aus die Glaubensbrüder bis zu fünf mal täglich zum Gebet gerufen würden und das den Anspruch auf maßgebliche Teilhabe verdeutlichen werde. In allen Formulierungen schwingt ein drohender Unterton mit.

„So dreist habe ich das noch nicht erlebt“, sagt Dr. Ahmed Maher Fakhouri, Vorsitzender des islamischen Bundes in Rostock. Er ist entsetzt und sauer über den offensichtlichen Versuch, Ängste in der Bevölkerung zu schüren. „Der Flyer stammt mit Sicherheit nicht von uns“, sagt er. Fakhouri will nun Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei stellen: „Wir werden alle rechtlichen Schritte prüfen, um gegen diese neue Stufe der Diskriminierung vorzugehen.“ Denn die Behauptungen auf dem verteilten Flyer seien völlig aus der Luft gegriffen.

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Heilung mit Spiritualität – oder einfach Esoterik

Bild:idea.de

Wie wirkt sich die Frömmigkeit auf die Gesundheit aus? Um diese Frage ging es bei einer Podiumsdiskussion am 16. März auf der Leipziger Buchmesse. Sie stand unter dem Thema „Spiritualität im Gesundheitswesen – Eine vergessene Dimension?

idea.de

Nach Ansicht der Referentin für Sozial- und Gesellschaftspolitik im EKD-Kirchenamt, Oberkirchenrätin Cornelia Coenen-Marx (Hannover), haben „unsere hochtechnisch aufgerüsteten Krankenhäuser ein Leck, was den seelischen Zustand der Menschen angeht“. Sie beobachte besonders unter Krankenhauspatienten eine Sehnsucht nach Nähe und Berührung. Viele Chefärzte ließen auf ihren Stationen deshalb inzwischen auch religiöse Praktiken zu, an die sie selbst nicht glaubten – wie Rituale von Zen- oder Reiki-Meistern. Wie Frau Coenen-Marx weiter sagte, sollte auch die Kirche ihre geistlichen Angebote verstärken. Jesus habe Kranken die Hände aufgelegt und sie umarmt: „Er hat sie nicht von Ferne geheilt.“

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Das Ultimatum an die Piusse

Es wird eng: Der Generalobere der Priesterbruderschaft St. Pius X., Bernard Fellay (© dapd )

Der Vatikan sieht die bisherige Antwort der traditionalistischen Piusbrüder auf die kirchlichen Einigungsbemühungen als unzureichend an und hat ihnen eine letzte Frist von einem Monat gesetzt.

domradio.de

Bei einem Treffen am Freitag überreichte der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, einen Brief des Papstes an den Oberen der Piusbruderschaft, Bernard Fellay. Darin werden die Traditionalisten aufgefordert, ihre Position zu klären und einen Bruch zu vermeiden.

Die Bruderschaft St. Pius X. wird vorerst nicht wieder in die katholische Kirche aufgenommen – ob mit oder ohne den Holocaustleugner Bischof Richard Williamson. Während der Vatikan eine Einigung mit den Traditionalisten zu deren Bedingungen ablehnt, gewährt er ihnen jedoch eine letzte Chance, die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils von vor fünfzig Jahren anzuerkennen und sich damit in letzter Minute den Weg für eine Rückkehr zu ebnen.

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Horst Wessel – der „christliche Nazi“

"Ich bin in einer politischen Zeit aufgewachsen" – so beginnt Horst Wessel seine handschriftliche Bekenntnisschrift "Politika", die sich in der Jagellionen-Bibliothek in Krakau erhalten hat. Sein Vorbild auch darin: Adolf Hitler (r.).
Foto: Jagiellonen-Bibliothek Krakau/.

Goebbels‘ Propaganda stilisierte Horst Wessel zum „Märtyrer für das Dritte Reich“. Jetzt kommt die Edition seiner „Politika“ heraus, die in Krakau entdeckt wurde.

Von Sven Felix KellerhoffWELT ONLINE

Das evangelische Pfarrhaus als Institution genießt in Deutschland einen guten Ruf. Es gilt als Hort der Kultur und des kritischen Denkens, als „Chiffre für Bildung und Bürgerlichkeit“. Denker und Literaten wie Gotthold Ephraim Lessing, Theodor Mommsen, Friedrich Nietzsche und Hermann Hesse waren die Söhne von protestantischen Geistlichen. Und Horst Wessel.

Nur auf den ersten Blick scheint das überraschend. Der wichtigste Märtyrer der NSDAP (1907-1930) und Dichter der Partei- und zeitweiligen Nationalhymne „Die Fahne hoch“ ist geprägt worden von seinem Vater Ludwig Wessel, einem reaktionären und aggressiven Prediger. Keineswegs zu allen Zeiten waren deutsche Pfarrer Vorkämpfer dessen, was sich selbst heute als „fortschrittlich“ definiert.

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RKK Niederlande: Jugendliche missbraucht und dann kastriert?

Willem Jacobus Eijk, Foto: wikipedia

Mindestens zehn Fälle bekannt – Eingriffe, um ihre angeblichen homosexuellen Neigungen zu „heilen“

derStandard.at

Die katholische Kirche der Niederlande hat einem Medienbericht zufolge in der 50er-Jahren mehrere Jugendliche kastrieren lassen, um deren angeblichen homosexuellen Neigungen „zu heilen“. Wie die Zeitung „NRC Handelsblad“ am Samstag schrieb, sind mindestens zehn solcher Fälle bekannt. Dabei habe es sich um Minderjährige gehandelt, die zuvor in katholischen Schulen und Internaten von Kirchenangehörigen sexuell missbraucht worden seien. Die chirurgischen Eingriffe seien in kirchengeführten psychiatrischen Kliniken vorgenommen und mit dem Ziel begründet worden, die Kinder „von ihrer Krankheit zu befreien“.

Die Zeitung beruft sich auf Aussagen von Opfern, ärztliche Berichte, Privatbriefe und Anwaltsdokumente. Im Dezember 2011 war in den Niederlanden der Bericht einer Untersuchungskommission vorgestellt worden, aus dem hervorging, dass in dem Land seit 1945 Zehntausende Kinder in Einrichtungen der katholischen Kirche sexuell missbraucht wurden. Obwohl es damals schon den Verdacht auf Kastrationen als „therapeutische Maßnahme zur Heilung der Homosexualität“ gab, war dieser Aspekt nicht in dem Bericht aufgenommen worden.

Der Erzbischof von Utrecht, Wim Eijk, bat die Opfer im Dezember um Verzeihung. „Im Namen der Katholischen Kirche in den Niederlanden möchte ich mich aufrichtig entschuldigen.“ Nach der Veröffentlichung des Berichts sagte er: „Das erfüllt uns mit Scham und Schmerz.“