Horst Wessel – der „christliche Nazi“


"Ich bin in einer politischen Zeit aufgewachsen" – so beginnt Horst Wessel seine handschriftliche Bekenntnisschrift "Politika", die sich in der Jagellionen-Bibliothek in Krakau erhalten hat. Sein Vorbild auch darin: Adolf Hitler (r.).
Foto: Jagiellonen-Bibliothek Krakau/.

Goebbels‘ Propaganda stilisierte Horst Wessel zum „Märtyrer für das Dritte Reich“. Jetzt kommt die Edition seiner „Politika“ heraus, die in Krakau entdeckt wurde.

Von Sven Felix KellerhoffWELT ONLINE

Das evangelische Pfarrhaus als Institution genießt in Deutschland einen guten Ruf. Es gilt als Hort der Kultur und des kritischen Denkens, als „Chiffre für Bildung und Bürgerlichkeit“. Denker und Literaten wie Gotthold Ephraim Lessing, Theodor Mommsen, Friedrich Nietzsche und Hermann Hesse waren die Söhne von protestantischen Geistlichen. Und Horst Wessel.

Nur auf den ersten Blick scheint das überraschend. Der wichtigste Märtyrer der NSDAP (1907-1930) und Dichter der Partei- und zeitweiligen Nationalhymne „Die Fahne hoch“ ist geprägt worden von seinem Vater Ludwig Wessel, einem reaktionären und aggressiven Prediger. Keineswegs zu allen Zeiten waren deutsche Pfarrer Vorkämpfer dessen, was sich selbst heute als „fortschrittlich“ definiert.

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