Die katholische Amtskirche hat sich vom Leben abgemeldet

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Mit Gauck und Merkel hat Deutschland eine protestantische Doppelspitze. Ein Gespräch mit Heiner Geißler über die Ursachen der politischen Bedeutungslosigkeit des Katholizismus und darüber, ob politische Diskurse in der Bundesrepublik überhaupt noch von geistlicher Seite beeinflusst werden

Cicero

Herr Geißler, ein ehemaliger Pfarrer und eine Pfarrerstochter, beide aus Norddeutschland, stehen an der Spitze der Bundesrepublik. Ist der politische Katholizismus ins Hintertreffen geraten?
Ich bin kein Vertreter irgendeiner Form des organisierten Katholizismus, den es ja in vielen Formen gibt, zum Beispiel das Zentralkommitee der deutschen Katholiken, deren Arbeit ich durch Kritik nicht erschweren will. Ich stelle aber fest, daß die katholische Amtskirche und ihre offizielle Theologie in der globalen geistigen Auseinandersetzung um eine den Kapitalismus ablösende neue Weltwirtschafts- und Sozialordnung so gut wie keine Rolle spielt.

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Charles Morerod: Atheisten und Gläubige eint die Sehnsucht nach Gott?

Gegenüber den Argumenten der zeitgenössischen Atheisten muss man als gläubiger Mensch mit Gegenargumenten aufwarten. Dies betonte Charles Morerod, Bischof des Bistums Lausanne-Genf-Freiburg, am 17. März in einem Vortrag im europäischen Institut für anthropologische Studien, „Philanthropos“, in Bürglen oberhalb der Stadt Freiburg.

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Atheisten ebenso wie Gläubige trügen in sich eine „Sehnsucht nach Gott“, unterstrich Morerod. Wenn insbesondere der wissenschaftliche Reduktionismus mit dem Argument aufwarte, dass jede Wahrheit nur von der Wissenschaft kommen könne, so werde damit dem Reichtum der Kausalität nicht Rechnung getragen. Alles auf wissenschaftliche oder biologische Prozesse zu reduzieren, führe dazu, Gott als unnötige Hypothese („Es gibt nichts mehr zu tun“) anzusehen. Die göttliche Kausalität wirke in der Welt, doch die Kausalität sei ebenfalls schöpferisch. Gott habe den Menschen als freies Wesen geschaffen und wolle durch den Menschen handeln.

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Immobliensteuer/Italien: Andachtsräume befreien nicht

Gläubiger Katholik als Steuereintreiber: Italiens Ministerpräsident Monti

30 Prozent der Immobilien in Italien sollen in kirchlichem Besitz sein. Bisher waren Kirchengebäude von der Immobiliensteuer befreit, wenn sie nachweisen konnten, dass sie auch religiöse Zwecke verfolgen. Da genügte ein Andachtsraum im kirchlichen Krankenhaus. Doch das soll sich nun ändern.

Von Tilmann KleinjungARD-Hörfunkstudio Rom

Italiens neuer Ministerpräsident Mario Monti gilt als vorbildlicher Katholik: Sonntags geht er zur Messe und auch unter der Woche pflegt er einen Lebensstil, den sich die hohen Herren im Vatikan wohl auch von seinem Vorgänger Berlusconi gewünscht hätten. Monti verzichtet auf sein Gehalt und vermutlich auch auf ausschweifende abendliche Partys. Kann man so einem Mann  einen Wunsch abschlagen? Wohl kaum.

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Die steirische Hexenschule

Foto © Robert Engele

Romana Pfleger hat in Seiersberg die erste steirische Hexenschule gegründet. Hier lernt Frau alles, was eine moderne Hexe wissen muss.

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Ich bin zwar rothaarig, reite aber auf keinem Besen und mache nicht Hokuspokus“, lacht Romana Pfleger aus Seiersberg zur Begrüßung. Und doch ist die diplomierte Kräuterpädagogin und Aromatherapeutin seit 23 Jahren „weiße Hexe“ aus Leidenschaft.

„Weiße Hexen wollen den Menschen, den Tieren und der Umwelt nur Gutes tun. In meinen Kursen möchte ich zeigen, dass sich viele Krankheiten und Sorgen einfach mit natürlichen Mitteln ,wegzaubern‘ lassen“, betont sie. „Ich will die Menschen wieder zur Einfachheit zurückführen, die Natur bietet uns so vieles. Aber das alte Wissen darüber ist verloren gegangen und ich möchte helfen, dass es wieder genutzt werden kann.“ Vor allem will sie gegen Scharlatanerie ankämpfen. „Esoterik ist heute ein großes Geschäft geworden, aber viel zu sehr abgehoben, gar nicht mehr greifbar, zu viel Hokuspokus.“

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Die Christengemeinschaft: Anthroposophisches Christentum

Bild: BR2

Rudolf Steiner hat sich nicht nur die Pädagogik der Waldorf-Schulen ausgedacht. Der Philosoph hat Anfang des 20. Jahrhunderts von einer Gruppe Theologen auch den Auftrag bekommen, die Religion zu „erneuern“.

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Von zentraler Bedeutung in der Christengemeinschaft ist der Freiheitsgedanke: Es gibt zum Beispiel keine Dogmen in der Christengemeinschaft,  keinen Zölibat der Priester und Priesterinnen und auch keine offizielle, verbindliche Glaubenslehre, wobei sich der Glaube auf die Bibel stützt, sagt der Münchner Pfarrer Günther Dellbrügger: „Wir sind im Niemandsland zwischen Katholizismus und Protestantismus.“ Einerseits gibt es verbindliche Formen im Kultus und andererseits das Freiheitsprinzip der Protestanten. Die Christengemeinschaft erhebt außerdem keine Kirchensteuer, sondern verlangt Mitgliedsbeiträge.

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